Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1892)
- Date
- 1892-11-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXX1I1. Jahrgang. Ertra-Beilage;u M 90 des „Israelit“. f-x-® Wilißeil'ung. Zu unserem Bedauern ist durch einen unliebsamen Jrrthum in Nr. 86 der Schluß des 11. Kapitels der Erzählung „Fürstengunst" ausgefallen, den wir unserer heutigen Nummer als Extrabeilage anfügen, und wir bitten die geehrten Leser, dieses Stück zwischen den beiden Nummern 85 und 86 einzuschalten. (Fortsetzung des 11. Kapitels aus Nr. 85.) „Einige Zeit vor der für das Rendevous bestimmten Frist an dem Orte desselben erscheinen, die Unterredung behorchen und so deren Zweck erfahren. Was dann weiter geschehen soll, werden Sie dann nach Ihrer hohen Einsicht entscheiden. Der Kammerdiener erklärte sich bereit mich, und wenn ich es wünsche, noch Jemanden oder mehrere Personen in das Haus zu führen und an einem Orte unterzubringen, wo sie ungesehen, alles was gesprochen wird, deutlich hören können." Wertheimer blickte etwas mißtrauisch auf. „Könnten Sie nicht allein hingehen und mir eingehend Bericht erstatten? Könnten Sie mir nicht den jedenfalls unangenehmen Weg ersparend" „Das erschiene mir aus mehreren Gründen, Herr Oberfaktor, sehr unzweckmäßig. Erstens bin ich den Verhältnissen des hiesigen Hofes fremd. Wenn ich auch des Französischen und Italienischen vollkommen mächtig bin, so könnte mir doch manches, auf das sich die Verschwörer in ihrer Unterredung beziehen, unverständlich sein; — zweitens, ist es möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß ein rasches Vorgehen noth thue, — drittens, würde etwas, was Sie als eigene Wahrnehmung zur Kenntniß hoher oder höchster Personen bringen, einen weit größern Eindruck Hervorbringen, als wenn Sie, Herr Oberhoffaktor, gezwungen wären, sich auf das Zeugniß eines völlig Unbekannten zu berufen; endlich, weil ich Gründe habe nicht aus meiner bescheidenen Stellung hervorzutreten und daher wünsche bei dieser Affaire gar nicht genannt zu werden." „Ich muß Ihnen vollkommen recht geben", meinte Werthetmer, einen Blick wohlwollender Bewunderung auf den jungen Mann werfend, „glauben Sie, daß hierbei einige Sicherheitsmaßregeln zu ergreifen wären d" „Vorsicht kann niemals schaden. — Ich werde mich mit Schuß- und Stoßwaffen versehen, um für den Fall eines plötzlichen Angriffes vorgesehen zu sein; — aber es würde sich empfehlen, wenn eine Abtheilung Soldaten sich derart in unserer Nähe befände, um auf ein gegebenes Signal uns zu Hilfe zu kommen, in das Haus zu dringen." Wertheimer nickte zustimmend. „Um welche Zeit glauben Sie, daß wir aufbrechen sollend" „Um halb zehn Uhr. Vor dem Thor wird uns der Kammerdiener erwarten." „Welche Truppengattung würden Sie vorziehen, Reiter oder Fußvolk d" „Unbedingt letzteres. Die Verschwörer dürfen ja nicht ahnen, daß sich Soldaten in ihrer Nähe befinden, und Pferdegewieher, das in der Stille der Nacht weit hörbar ist, könnte dies verrathen." „Sie besitzen für Ihr Alter große Erfahrungen und vermögen sich rasch in Angelegenheiten zu orienriren, von denen man annehmen sollte, daß Sie Ihnen bisher fern lagen. — Vorläufig danke ich Ihnen für Ihre Nachricht. Sie haben noch einige Stunden Zeit, Ihre Vorbereitungen zu dieser seltsamen Expedition zu treffen. — Um halb zehn wollen wir au der Hintertreppe zusammen kommen. Die Hausleute und eben so der die Wache am Haupteiugange kommandirende Lieutenant brauchen von unserer gemeinschaftlichen Expedition nichts zu erfahren." (Hieran schließt sich Kapitel 12 in Nr. 86.)