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Der Israelit · 1892-09-20 · Heft 75-76 (20.9.1892) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 75-76 (20.9.1892)
Date
1892-09-20
Page
– (sequence 31)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Dritte Beilage M M 75 Z- 76 des „Israelit". Literarische Ilmschau. 8. Angesichts des herannahenden Jahreswechsels gebührt bei der heutigen Umschau unter den Neuigkeiten des Büchermarkts jenen alten und mit jedem Jahr wieder als neu und verjüngt erscheinenden Freunden, den Kalendern, den Vorrang. Da ist zuerst der „Jüdische Volks - und Hauskalen der", herausg. v. Dr. M. Braun, Breslau, zu nennen. Dieser Kalender tritt heute in sein vierzigstes Lebensjahr, blickt also, mit Rücksicht auf die Jugend der jüdischen, literarischen Kalender auf eine respektable Vergangenheit zurück. Von dem eigentlich kalendarischen Theil, der sich wiederum wie immer durch Ausführlichkeit und Genauigkeit auszeichnet, brauchen wir hier nicht zu sprechen; was uns hier am meisten interessirt, ist der literarische Theil. Der novellistische ist durch eine ansprechende Novelle von Dr. M. v. Wassermann, „Achtet die Kinder der Armen" vertreten. Prof. Dr. David Kaufmann widmet dem Andenken des Prof. H. Graetz, dessen Bild der Kalender bringt, einen Nachruf, der wirksamer gewesen wäre, wenn er nicht an manchen Stellen sich zur Ueberschwänglichkeit verstiege. Ein Brief des der Reformbewegung der zwanziger und dreißiger Jahre zugethanen A. Muhr an Jochanan Wolfsohn in Ratibor und ein Schreiben des Dr. I. M. Jost an Muhr, welche Schriftstücke der Herausgeber unter dem Gesammttitel: „Ein Erinnerungsblatt an Jost's karätsche Studien" zusammenfaßt, ist ganz besonders interessant wegen des Einblicks, den diese Schriftstücke, besonders das Muhr's, in die Reformbewegung des ersten Drittel unseres Jahrhunderts gewähren. Muhr wie Wolfsohn waren beide Kaufleute, beide talmudisch gebildet. Muhr war der Reform geneigt, vor dessen Ehrlichkeit wir Respekt haben müssen. In dem vorliegenden Brief (1832) spicht er sich auch über die Reform aus; die Karäer als Vorläufer einer solchen anzusehen, sei lächerlich: „sie scheinen wie Leute, die aus Neid über die fremde Autorität jede menschliche verleugnen! Die Reformireret von damals ist ihm Spielerei. „Wenn wir jetzt, statt Spielereyen des Kultus zu treiben — welcher Unsinn Kultus ohne Religion, Form ohne Wesen! — Die Fallibilität des Talmud öffentlich aussprechen, dann, aber auch nicht früher ist der erste Schritt gethan. Alles andere übertüncht und lügt!" Das ist ehrlich gesprochen; wer hierzu nicht den Muth hat, der treibt eben nur Spielereien — aber wenn der Talmud öffentlich von der Tagesordnung abgesetzt wird, dann sind ja eben die den talmudischen Titel „Rabbiner" tragenden Beamte überflüssig. — lieber eine im Jahre 1740 in Böhmen neu entstandene Sekte, deren Dogmen sich aus Judenthum und Christenthum zusammensetzten, verbreitet sich der Aufsatz: „Die böhmischen und mährischen Judenchristen des vorigen Jahrhunderts" (aus dem Böhmischen des Anton Rezek, übers, von I g n. Kaufmann) in lichtvoller Darstellung. — Die letzte Nummer des literarischen Theiles: „Zwei christliche Zeugnisse gegen die Blutlüge" ist die werthvollste. Der Herausgeber theilt hier zwei Aktenstücke mit, welche bis jetzt noch nirgends veröffentlicht waren und schwer ins Gewicht fallen bei der Frage, welche „die Schmach des Jahrhunderts" am Ende des 19. Jahrhunderts auf die Tagesordnung gestellt hat. Die Handschrift dieser Actenstücke hat sich jüngst im Nachlasse des sel. Dr. B. Zuckermann aufgefunden uud gehört jetzt der Bibliothek des jüd.-theol. Seminars in Breslau an. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben jüd. Apostaten ihre einstigen Glaubensgenossen durch Lügen ä la Briemann und Consorten zu verleumden versucht. Gegen diese wendet sich R. Jonathan Eybeschütz mit einer Denkschrift an die dänische Regierung. Diese Schrift läßt er aber zuvor von zwei anerkannt christlichen Gelehrten, die in jeder Beziehung einwandsfrei waren, prüfen, von Christian Benedikt Michaelis und Johann Salomon Semler, beide Professoren zu Halle und Autoritäten in der Theologie. Michaelis stimmt in allem Eybeschütz in einem kurzen Schreiben bei, Semler sendet ein ausführliches, hoch interessantes Gutachten ein, das Punkt für Punkt alle Lügenangaben unter Herbeiführung entsprechender Citate widerlegt. Für die Veröffentlichung dieser Aktenstücke sind wir dem Herausgeber herzlich dankbar. — Ein Altersgenosse des eben genannten Kalenders, ja um ein Jahr älter ist der „Jllustrirte israelitische Volkskalender", herausgegeben von Jakob W. Paschel es, Prag. Auch dieses Jahr bringt dieser an literarischen Mittheilungen manches Wissenswerthe. So ist die Biographie des Rabbi Salomon Ephraim Luntwitz aus der Feder des Rabbiners Dr. M. Grünwald eine ganz vorzügliche. Ueber (S. 120) hätte der Verf. Ausführliches in der zu Ehren des Herrn Dr. Hildesheimer herausgegebenen „Jubelschrift" (Berlin 1890) in der Abhandlung von Dr. F. Rosenthal über „Die Tekanot des R. Gerson" S. 51 f. finden können. Von nicht nur besonderem, sondern

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