Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 68 (25.8.1892)
- Date
- 1892-08-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XXXHl. Jahrgang. Zweite Beilage ju M 68 ürs „Israelit". Literarische Notizen. 'bnz: t?o zpr pv* D"r by trip ‘D '^ne: E. Unter obigem Titel ist von dem durch sein Werk 'ZL' und andere Schriften bereits rühmlich bekannten Verfasser R. Na st all Leon in London ein Buch erschienen, das durch seine reiche Fülle von Gediegenem und Interessantem im hohen Grade geeignet ist, die Aufmerksamkeit der indischen Gelehrtenwelt ans sich Vit ziehen. Den ersten Theil des Werkes bilden Entscheidungen über die verschiedensten 'Materien des jüdischen Pflichtlebens, die alle mit einem Scharfsinn und einer ungewöhnlichen Nontine und Belesenheit dnrchgearbeitetsind, daß sie allein schon genügen, das Interesse zu fesseln. Dasselbe wird gesteigert durch den lebendigen Verkehr mir den bedeutendsten talmndischen Koryphäen der Jetztzeit, dem wir hier begegnen. — Der Verfasser bekundet aber nicht nur eine selrene Virtuosität in der Behandlung speciell halachischer Themate, sondern gestattet uns durck eine Abhandlung über die jüdischen Weisen Englands in der Vergangenheit, einen Blick ans die ungewöhnliche Meisterschaft, mit welcher derselbe literarischhistorische Parthien, in ganz gleicher Genialität zn behandeln versteht. In dem zweiten Theil, welcher in klassischer Weise die agadischen Theile des Talmud behandelt, findet sich in jeder Notiz die ungewöhnliche Meisterschaft in unverkennbarer Weise ausgeprägt. — Es würde den Nahmen dieser Ankündigung weit überschreiten, wenn wir auch nur einige, lvenige Beispiele davon eitiren wollten. Um so angelegentlicher möchten wir die Remter auf das Werk selbst verweisen und dessen Anschaffung jedem Freunde der Thora dringend empfehlen. — Das Buch zeichnet sich auch äußerlich durch schöne, sorgfältige Ausstattung aus, die man bei Editionen dieser Art so oft vermissen muß. — Der geschmackvolle Folioband, der uns vorliegt, verräth nicht die großen, peeuniären Beschwerden, welche doch unsere Meister der Wissenschatt fast ausnahmslos zn bewältigen haben, bis sie die Blüthe ihres Wissens in Buchform ihrem Volke mittheilen können. cnvTiT. c'ddh nn -ibd pdn *2' jvstid nnjN nmjx rs-x non t by ffIlp j m’mx Svrüche der Weisen nebst Erläuterungen von Marcus Weiß mann, Wien 1892. 11. Bd. Zu unserem lebhaften Bedauern liegt uns der erste Band dieses Werkes nicht zur Benrtheilung vor. — Der zweite Theil enthält schwierige, räthselhafte Aussprüche unserer Weisen in kurzer, sachlicher und oft überaus zusagender Weise erklärt, in den meisten Fällen in poetischer Form, die der Verfasser mit seltener Virtuosität beherrscht. Ileberhanpt ist es besonders die Diktion und die sprachliche Gewandtheit, mit welcher es der Verfasser versteht, seine Gedanken in Worte zu kleiden. — Das Buch wird von Freunden der neuhebräischen Literatur mit vielem Interesse gelesen und verwerthet werden. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Posen, 21. August. Unter der Ueberschrift „Die früheren Cholera Epidemien uud ihre Lehren" veröffentlicht die „Pos. Ztg." einen größeren Artikel, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Wahrhaft patriarchalisch erscheint das Verhalten und die Fürsorge des Dberprändenten Flottwell, der unablässig in seinen Bekanntmachungen die Einwohner zn einem vernünftigen, diätetischen Verhalten, zum Gehorsam gegen die ärztlichen Anordnungen zes kehlte nickt an Volkskrawallen, welche sich wie heute in Nnßland, gegen die Aerzte richteten) ermahnte, vor Allem aber vor der Trunksucht warnte. Als Beweis, daß das Jnnehalten eines strengen Regiments das beste Schutzmittel sei, giebt er am ä. September bekannt, daß die Inden, obschon sie den fünften Theil der Bevölkerung ansmachten, nur 24 Personen durch die Eholera verloren hätten, während die Gesammtzahl der bis zum genannten Tage in der Stadt Gestorbenen 411> betrug. Er betont, daß die geringe Sterbeziffer unter den Inden nur dadurch erreicht worden sei, daß selbst die Aermsten die diätetischen Vorschrfften genau beobachteten, daß die Armen genügend mit Nahrnngs- und Heilmitteln unterstützt werden, die >iranken sich genügend der Pflege und Wartung erfreuen. Ein Habinetsbefehl Liönigs Friedrich Wilhelm III. empfiehlt unter dem 10. September das Verfahren der Posener Iudenschaft allen Gemeinden zur Nachahmung. Die Sterblichkeit unter den Inden in den Eholera-Epidemien ist übrigens aller Srten eine verhältnißmäßig geringe gewesen und ist mit ihren seit Jahrhunderten organisirtcn ^rankenverpstegnngsgesellschaften in Zusammenhang zu bringen. Es ist auch in Anschlag zu bringen, daß gerade die unteren Schichten der Inden streng rituell leben und dem Gebot, vor jeder Mahlzeit (wie nach Abgängen von Auswurfsstoffen) die Hände zu waschen, noch heute Folge leisten. Es ist überraschend, wie diese Gebote, sich mit den Anschauungen decken, welche aus der Entdeckung der bakteriellen Krankheitserreger hervorgegangen und auch der in dem Ministerialreskript von 1874 mtb 1892 ausgesprochenen Warnung, in von Eholerakranken benutzten Räumen nichts zn essen und zu trinken, zu Grunde liegen."