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Der Israelit · 1892-07-07 · Heft 54 (7.7.1892) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 54 (7.7.1892)
Date
1892-07-07
Page
– (sequence 18)
Language
German
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994 Marburg, 2. Juli. Als wahrhaft herzerfreuend dürfte folgende Thatsache Ihren gesch. Leserkreis interessiren: Die vor Kurzem hier abgehaltene Versammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus ergab wieder einmal ein sehr günstiges Resultat, indem gedachter Verein durch Gewinnung eines neuen gewandten Sachwalters Herrn Lehrer Runtze Gelegenheit hatte, Zweck und Ziel wie durch seine weitere Stellungnahme zu dem rohen Treiben der antisemitischen Agitatoren entwickeln zu lassen. Nach den höchst interessanten Ausführungen des bewährten Redners, Herrn Archivar Dr. M o t e r, zeichnete auch Herr Lehrer Runtze in einem fast 3stündigen spannenden Vortrage die Schattenseiten des in seinem ganzen Wesen schädlichen und verwerflichen Antisemitismus. Ausführlicher darauf einzugehen wird wohl nicht nöthig sein, wenn ich als erwähnenswerth konstatiren kann, daß die Versammlung — worunter auch eine beträchtliche Anzahl Studenten — den Worten des Herrn Runtze mit sichtlichem Interesse und Beifalle gefolgt. Angesichts dieser böswilligen Angriffe, wie sie hier so häufig zu Tage treten, wird unwillkürlich das Bedürfniß rege, das ideale Volksbewußtsein unter uns zu pflegen. Diesem Bedürfnisse folgend hat ein Theil der hiesigen jüdischen Studentenschaft einen Verein gegründet, dessen Zweck eben darin besteht, jüdische Geschichte und Literatur zu pflegen. Es wird allwöchentlich am Sonntag Abend von einem der Mitglieder über ein gegebenes Thema ein Vortrag abgehalten, woran sich auch regelmäßig eine lebhafte wissenschaftliche Diskussion anschließt. Dieser neugegründete Verein, dem wir ein ferneres Gedeihen wünschen, erfreut sich auch der Sympathie des Herrn Prov.-Rabb. Dr Munk, welcher mit einem überaus geistvollen Vortrage den Reigen eröffnete. Wie verlautet, interessirt sich auch Herr Pros. Cohen hiefür. S. M. Fürth, 29. Juni. Wie mitgetheilt wird, hat der Bamberger Erzbischof Herr Dr. v. Schork gelegentlich der Vornahme der Firmung in Fürth eine Ansprache gehalten, in der er als Oberhirte die Mahnung an die Anwesenden richtete, sich nicht bei dem Hasse und der Hetzerei gegen die Andersgläubigen zu betheiligen, welche Hetze eine Schmach für unsere Zeit sei und gegen den Geist des Christenthums in schärfster Weise verstoße. Man müsse dem Irrthum widerstreben, aber es gehe nicht an, die Angehörigen eines anderen Glaubens zu hassen, da die Worte: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" alle Menschen ohne Ausnahme mit inbegriffen habe. Schlüchtern, 1. Juli. (Unlieb verspätet.) Fünfundzwanzig Jahre waren am 5. Juni verflossen, seitdem unser allverehrter und geliebter Herr Lehrer More Schwarzschild seine segensreiche Wirksamkeit in unserer Gemeinde begonnen, und daher hatten sich seine Schüler und andere Freunde es sich nicht nehmen lassen, diesen Tag festlich zu begehen. In der That bezeugte denn auch die allgemeine Theilnahme von hier und auswärts, wie sehr die hiesigen Schüler, die zu einem Jubiläums-Komite zusammengetreten waren, mit der Anregung zur Feier dem allgemeinen Wunsch vieler Schüler, Freunde und Collegen entsprochen hatten. — Am Vormittag des 5. Juni überbrachte das Festcomite unter passender Ansprache an den Jubilar die Glückwünsche der Schüler und Schülerinnen nebst einem werthvollen Ehrengeschenke; dann folgten in ununterbrochener Reihe die Besucher alle, die persönlich ihre Wünsche zum Festtage aussprechen wollten. Wir bemerkten insbesondere fast vollzählig die Lehrer hiesiger Anstalten, während der Herr Kgl. Regierungsrath und Landrath und der Herr Bürgermeister, die am Erscheinen verhindert waren, mit lebhaften Ausdrücken des Bedauerns über ihr Fernbleiben huldvolle Glückwunschschreiben übersandt hatten. — Die Festrede bei dem Nachmittags 2 Uhr unter großer Betheiligung aus allen Klassen der Bevölkerung, ohne Unterschied der Consessionen, abgehaltenen Festgottesdienst hielt Herr Provinztal-Rabbiner Dr. Koref aus Hanau, der in 5/4ftünbiger Rede, anschließend an das erhabene Beispiel der erfolgreichen Amtsthätigkeit des Jubilars, die Pflichten des Lehrers und die Mittel zur Erfüllung seines Berufes besprach. Er schloß seine mit ungetheiltem Beifall aufgenommene Rede, mit einem herrlichen Gebete für den Jubilar und seine Familie, für das Gedeihen unserer Gemeinde und für die Fortdauer des einträchtigen Zusammenlebens aller Bürger hiesiger Stadt, das namentlich in unserer Zeit so bedeutungsvoll und erfreulich von den auswärtigen Zuständen in der näheren und ferneren Nachbarschaft abstehe. Beim Festmahl eröffnete Herr Dr. Koref die Reihe der Toaste mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser, sodann dankte Herr Kretsvorsteher Stern dem Jubilar für sein aufopferungsvolles Wirken, im Dienste der Gemeinde, im Namen der Collegen vom Lehrer- Bezirksverein Hanau sprach Herr Lehrer Strauß- Gelnhausen und im Namen der ehemaligen Schüler und Schülerinnen Herr Leo Stern. Noch viele ernste und heitere Reden verschönten die Feier, die die vielen Theilnehmer lange gemütlich zusammenhielt und sicherlich allen lange im Gedächtniß bleiben wird. —

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