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Der Israelit · 1892-06-08 · Heft 45-46 (8.6.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 45-46 (8.6.1892)
Date
1892-06-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Zweite Seil, zu M 45 & 46 des „Israelit". Literarischer Bericht. Mor-Dror oder Freie, reine Myrrhe, enthaltend 215 gründlich erläuterte und 520 kurz gefaßte wissenschaftliche Borträge über Pentateuch, Talmud und deren Commeutare gehalten in den Jahren 5600—5652 vonRabbinerJ. Hirsch in Wien, Sechshaus. Selbstverlag. Es ist ein hochinteressantes, eigenartiges Werk, das uns hier vorliegt. Schon bevor wir an das eigentliche Buch gelangen, fesselt uns die eine ganze Abhandlung darstellellende Einleitung, in welcher der Verfasser von den Kämpfen und Errungenschaften seines eigenen Lebens und Wirkens handelt. Es wird uns hier in vollendeter Form ein Lebensbild entrollt, wie es sonst selten ein Selbstbiograph thut. Der Verfasser ist ein würdiger Schüler seines großen Lehrers, Rabbi Moscheh Sofers ^"p'sr. In gedrungenen Zügen sehen wir hier das erfolgreiche Streben gezeichnet, das hohe Ideal des Meisters im eigenen Leben und Streben zur Verwirklichung zu bringen. Die innige, kindliche Verehrung, mit welcher alle Schüler R. Mosche Sofers zu ihrem Lehrer emporblicken, kommt hier in geradezu ergreifender Weise zum Ausddruck. Wo und wann auch die Schüler dieses großen Meisters von diesem ihrem Lebensideal berichten, es sind immer neue Tugenden und Wahrheiten, je nach der Individualität des Darstellers, die uns aus dem unerschöpflichen Quell dieses hohen Geistes und tiefen Gemüths ansprechen. Wir heben. aus der reichen Fülle des uns gebotenen Reuen hier besonders die mit verschiedenen Belegen begründete Behauptung hervor, daß R. Moscheh Sofer durchaus nicht der Beschäftigung mit fremden Sprachen und dem wissenschaftlichen Studium, sondern nur den verderblichen Auswüchsen abhold war, die besonders in damaliger Zeit davon unzertrennlich schienen. Es ist dies ein Moment, das vielen Verehrern des großen Mannes unbekannt zu sein scheint, die ihre Antipathie gegen jede wissenschaftliche Bildung mit Hinweisen aus R. Moscheh Sofer zu begründen pflegen. Die Erklärungen verschiedener Aussprüche der geschrieben und mündlich überlieferten Thora, lehnen sich an das Beispiel des Chasam Sofer an, und enthalten vieles von demselben, was bis jetzt wohl nicht allgemein bekannt war. Aber auch die reiche Fülle des von dem Vers, selbstständig Gebotenen, enthält ungemein viel Anregendes und Beherzigenswerthes. Aus jeder Zeile spricht nicht nur der klare, tiefe Denker, sondern der begeisterte und begeisternde Freund seines Volkes und der Thora. Besonders die Erklärungen der Aussprüche unserer Weisen sind reich an Belehrungen und Hinweise auf unsere zeitgenössischen Verhältnisse, die oft mit feiner, scharfer Ironie gegeißelt werden. Es wäre sehr zu wünschen, daß dieses Buch und der Geist, der es erfüllt, in recht viele Kreise dringe, damit das geschriebene Wort wie das gesprochene die Geister und Gemüther für unsere heilige jüdische Sache gewinne. Hätten wir an dem Buch etwas auszusetzen, so wäre es höchstens der Wunsch nach einer mehr übersichtlich geordneten Eintheilung des reichen hier aufgeschichteten Materials und ein Jnhaltsverzeichniß. — Doch das ist nur ein äußerer Fehler, der bei der inneru Gediegenheit des Ganzen von keiner wesentlichen Bedeutung ist. — Rabbiner und Prediger werden dieses Buch besonders mit großem Vortheil benützen können, es sei ihnen deßhalb recht warm empfohlen. E. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Berlin, im Mai. Der jüngst verstorbene berühmte Chemiker A. W. v. Hoffmann war ein entschiedener Gegner des Antisemitismus. Als solcher zeigte er sich namentlich während seines Rektoratsjahres 1879/80/ wo die Judenhetze ihre üppigsten Blüthen zu treiben begann. Während er auf der einen Seite den Statuten des „Vereins deutscher Studenten" wegen seiner bildungsfetndlichen an das finstere Mittelalter erinnernden Tendenz seine Genehmigung versagte, suchte er, nachdem besagter Verein doch durch einen Appel an den damaligen Kultusminister Herrn v. Puttkammer das Licht der Welt erblickt hatte, auf jede Weise die Entstehung eines Gegenvereins zu fördern und übernahm das Protektorat über die in diesem Sinne gegründete „Freie wissenschaftliche Vereinigung". Berlin, im Mai. Anknüpfend an die Mittheilung, daß der Kriegerverein zu Labes einen jüdischen Kameraden, der wegen Umzuges die Stadt verlassen mußte, zum Ehrenmitgliede ernannte, ist folgende Thatsache erwähnenswerth. Der in Berlin bestehende „Unisormirte Krieger-Verein ehemaliger Waffengefährten" hat bereits vor mehreren Jahren den Bäckermeister M. Jacob daselbst zum Lieutenant und Ehren-Major erwählt, was um so beachtenswerther, da derartige Ernennungen, weil das Offizierkorps berechtigt ist, die der preußischen ähnliche Uniform zu tragen, vom Kriegsministerium und vom Polizeipräsidenten bestätigt werden muß. Daß der er-

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