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Der Israelit · 1892-01-04 · Heft 1 (4.1.1892) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 1 (4.1.1892)
Date
1892-01-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
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18 der Schlacht am weißen Berge" (Frankfurt a. M., I. Kauffmann). Der 14. Cheschwan wurde bis vor hundert Jahren als Fasttag gehalten, dem Abends die Purimfreude folgte. Die Einnahme Prags durch die Kaiserlichen nach der Schlacht am weißen Berge (10. November 1620) erfüllte besonders die Juden mit Furcht, da sie es ja gewohnt waren, daß jeder Wuthausbruch sich gegen sie zuerst zu wenden pflegte. Sie wußten aber nicht, daß Kaiser Ferdinand schon vor der Einnahme der Stadt an Maximilian von Bayern den Befehl hatte ergehen lassen, „bei seinem Vormarsche in Böhmen den Juden gleiche Schonung wie den Katholiken angedeihen zu lasten, da sie sich mehr oder weniger offen zur kaiserlichen Partei bekennen." In der That zeigten sich auch hier die Juden gesinnungstreu und gaben ihre Anhänglichkeit an das angestammte Fürstenhaus nicht um die Gunstgewinnung der neuen Herrschaft preis. So wandelte sich die Furcht plötzlich in Freude, und der damalige Oberrabbiner von Prag, R. Jesaias Hurwitz, setzte diesen Tag als Gedenktag ein, für welchen R. Lippmann Heller, der berühmte Verfasser der er.’ 'Din aio eine Liturgie ausarbeitete und eine Elegie dichtete. Das Titelblatt dieses Heftchens, das Wenige kennen und einem Selichothbnche, das sich in Prag befindet, beigebunden ist, ist historisch sehr wichtig, und deßhalb vom Verf. in wörtlicher Uebersetzung in vorliegendem Schriftchen mitgetheilt. — Recht zeitgemäß ist die Monographie des Rabb. Dr. L ö w e nstein in Tauberbischofsheim „DerProzeß Eisenmen ge r", die als Sonderabdr. aus dem „Magaz. für die Wissenschaft des Judenthums" vor Kurzem erschienen ist. Das Eisenmengersche Buch, jene Giftquelle, aus welcher noch die judenfeindliche Gegenwart ihre lügenhafte Gelehrsamkeit schöpft, hat seine ganz besondere Geschichte. Auf Intervention Samson WertheimerS verbot Kaiser Leopold die Verbreitung des Buches bis nach Vornahme einer genauen Prüfung. Hieraus entstand nun ein interessanter Schriftwechsel, und alle Bemühungen Eisenmengers, das Verbot aufzuheben, fruchteten nichts. Eisenmenger forderte von den Frankfurter Juden, auf deren Betreiben, wie er meinte, Wertheimer eingegriffen hatte, Schadenersatz, und die Forderung wurde noch gesteigert, da unterdeß ein Nachdruck erschien, der dem Autor noch größeren Schaden bringen mußte. 1704 starb Eisenmenger, seine Erben setzten den Prozeß fort, bis die Frankfurter Juden im Jahre 1773 durch kaiserliches Reskript von jeder Entschädigung freigesprochen wurden. Der Schrift sind fünf Beilagen beigegeben: Reskript Kaiser Leopolds, Gesuch Eisenmengers an den Kaiser, Brief des Kurfürsten Lothar Frantz von Mainz an den Hofkanzler, Baron von Wieser, und zwei Briefe an den Kurfürsten von Mainz. — Es wäre merkwürdig, wenn an der Neige des 19. Jahrhunderts unter einem halben Dutzend Bücher, das zur Berichterstattung eingereicht wird, nicht mindestens eines zu Ehren unserer fortgeschrittenen Zeit die „Judenfrage" behandelt; es ist demnach ganz selbstverständlich, daß die gegenwärtige Besprechung auch den genannten Artikel aufzuweisen hat. Ein recht wohlgemeintes, aber in Voraussetzung und Schlüssen vollständig verfehltes Bestreben zeigt sich in der Schrift des Dr. Johannes Müller „Der Weg zur Verständigung zwischen Judenthum und Christenthum". (Leipzig 1892. Akadem. Buchhandlung.) Der Verf. ist von den besten Absichten beseelt, das Aufwerfen der Rassenfrage und das Auftauchen des Rassenhasses sind ihm ein Greuel, und er sucht nach einer Verständigung, die aber nur dann gefunden werden könne, wenn man sie auf dem religiösen Gebiete zu erzielen suche. Daß man dies bisher nicht gethan, sei ein verhängnißvoller Fehler, und sie sei bei einigem guten Willen doch so leicht. Eine Einigung sei um so eher gefunden, als Juden und Christen die Bücher des A. T. gleich heilig seien; die Juden hätten nur anzuerkennen, daß die Weissagungen der Propheten sich in dem Stifter der christlichen Religion erfüllt hätten, dann sei der Frieden leicht herzustellen. Es handle sich hier weder um Massen--, noch um Einzelübertritte, weder „um eine konfessionelle Union noch um Proselytenmacherei, überhaupt nicht um irgend eine neue Veranstaltung, sondern um eine Annäherung der Herzen, um eine gegenseitige Vergewissernng der gemeinsamen Glaubensquellen und eine daraus sich ergebende Allianz." Geben wir fürs erste auf einen Augenblick dem Gedanken Raum, eine solche Anerkennung im Geiste oder im Herzen wäre dem Judenthum, ohne daß es sich selbst aufgäbe, möglich, — wäre das wirklich das Mittel, den Antisemitismus, der aus niederen Beweggründen hervorgegangen, sich mit dem Mantel der Religion und der Vaterlandsliebe würdevoll drapirend, die niedersten Volksleidenschaften aufstachelt, zu bekämpfen, den Antisemitismus, vor dessen Verfolgungswuth nicht allein der Getaufte, sondern nicht einmal der Ur-Urenkel der Getauften geschützt ist? Aber selbst, wenn dieses Mittel ein so vorzügliches wäre, wie es es nicht ist — der Jude wird sich dessen nicht bedienen. Anerkennen, die Weissagungen der Propheten hätten sich in dem Stifter der christlichen Religion erfüllt, hieße ja geradezu das Judenthum aufgeben, forderte ja geradezu als die richtige Konsequenz das Christenthum annehmen. Unsere Vorväter hätten sich alle Verfolgungen und Niedermetzeleten ersparen und sich ein behagliches Leben schaffen können, wenn sie zu die-

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