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Der Israelit · 1891-11-26 · Heft 92 (26.11.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 92 (26.11.1891)
Date
1891-11-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Zweite Beilage!U J\/i 92 des „Israelit & Ieschurun" ZeitnngsnachrrehLett tmb Corresponbenzcu. Deutschland. Darmstadt, im November. In dem vom Großh. Kreisschulinspektvr Müller in Oppenheim unter Mitwirkung des Geh. Oberschulraths G re im in Darmstadt hercmsgegebenen Buche „Das Volksschulwcsen im Großherzogthum Hessen" ist folgender Erlaß des Großh. Ministeriums an die Kreisämter vom 31. Januar 1891 abgedruckt: „Nach vielfachen uns zngcgangcnen Mittheilnngen scheint cs, daß die Errsteilnng dcS israelitischen Religionsunterrichts sehr iin Argen liegt. An manchen Orten, wo die israelitischen Gemeinden mir ans wenigen Gliedern bestehen, fällt der Neligionsunterrichr wegen Mange! an Mitteln zur Besoldung eines Lehrers vollständig ans, in anderen hat man denselben an Persönlichkeiten übertragen, welche nur höchst unvollkommen oder auch gar nicht die zur Ertheilung desselben erforderliche Befähigung bcnvcn, und nur in verhältnismäßig wenigen größeren israelitischen Änltnsgcmeinden liegt dieser höchst wichtige Unterricht in der Hand von Männern, welche nach Bildungsgang, Befähigung und Charakter für eine zweckmäßige und erfolgreiche Ertheilung desselben volle Gewähr vieren. Es wird nun ungeordnet, daß die llcbcrtragung dieses Unterrichts an eine Persönlichkeit, die nicht durch vorznlegendc amtliche Zeugnisse einer berechtigten Prüsungsbehörde über Befähigung und seitherige Führung sich vollständig anszuweiscn vermag, in keinem Falle mehr zu gestatten sei. Weiter wird emvsoblen, mehrere kleinere Gemeinden, welche für sich die Mittel zur Gewinnung und Erhaltung einer tüchtigen Lehrkraft nicht ansznbringen vermögen, zur Bildung von Schnlvcrbänden zu veranlassen ober wenigstens zum gemeinsamen Ausbringen des erforderlichen Gehalts für einen befähigten Lehrer zu bewegen, der dann gewissermaßen als Wanderlehrer an den einzelnen Wochentagen in den verschiedenen Gemeinden den Unterricht zu ertheilen haben würde." Breslau. Herr Liebermann von S o n n e n - berg sagte auf dem Breslauer Parteitage: von dem Posten, auf den ihn nach seiner Auffassung Gott hillgestellt hat, werde er nicht weichen, so lange noch ein Athem in ihm sei. — Bekanntlich ist Herr Stöcker von seinen Anhängern der „zweite Luther" genannt worden; auch Herr Dr. Böckel hat sich in seinem eigenen Blatte als den „zweiten Luther" preisen lassen. In seiner Breslauer Rede entwickelte der deutschsoziale Führer eine wahrhafte „Unzucht der Sprache" — um einen Lieblingsausdruck seines Freundes Stöcker zu gebrauchen. Was an uuqualifizirbaren Schmähungen in der antisemitischen Presse geleistet wird, das enthält in concentrirter Form des „gottg'sandten" Mannes Rede, aus deren Inhalt einzugchen wir uns aus ästhetischen Rücksichten versagen müffen. Karlsruhe, 18. November. Gestern hielt der bekannte Lizentiat Gräbner einen Vortrag gegen den Antisemitismus, aus dem eine Mittheilung desselben über den famosen Ordensmakler Director Ahlwardt Verbreitung verdient. Besagter Biedermann hatte vor einigen Wochen in Pforzheim einen seiner hetzerischen Vorträge gehalten und war, wie Herr Gräbner mittheili und sich zu dieser Mitthetlung autorisirt erklärte, von einem jüdischen Kaufmann privatim befragt worden, warum er denn eigentlich antisemitische Vorträge halte und auf die Juden schimpfe. Darauf habe Ahlwardt geantwortet, er sei gar nicht Antisemit, habe aber Frau und Kinder und sei ohne Erwerbszweig. Gebe ihm der jüdische Kaufmann eine Stelle, so würde er seine Stellung als Agitator sofort mederlegen. Der betreffende Pforzheimer Kaufmann ist jeder Zeit bereit, die Aeußerung des Rektors Ahlwardt eidlich zu erhärten. (Fr. Zt.) > Vermischtes, «?r Berlin. Nachdem die Deutschsozialen den ehemaligen oesterreichischen Abg. Schönerer zu einigen Vorträgen engagirk haben, wollen die Böckelianer nicht nachstchen. Sie haben sich einen anderen oesterreichischen Antisemitenführer, Ernst Vergani, den Todfeind Schönercr's, kommen lassen. Derselbe soll am 23. und 25. November in Berlin, einige Tage später in Potsdam aimreten. Ans äi'öln wird gemeldet, daß von antisemitischer Seite sogar RcichSkassenscheinc mit einem Farbenstemvel: „Die Juden sind unser Unglück" versehen werden. Nun die Herren baben's ja dazu. Paris. Die Gemeinde Norrköping in Schweden hat sich an das hiesige Seminar mir dem Wunsche gewendet, einen französischen Rabbiner anznstcllen. Das Seminar hat in Entsprechung dieses Wunsches einen der besten Hörer des Institutes, welcher eben seine Studien zu beenden im Begriffe stand, für diesen Posten designirt: cs ist die? Mr. Isaac L«vv ans Ballberon, welcher auf Einladung dieser Gemeinde daselbst am ersten Neujabrstage seine Probepredigt hielt, welche allen Berichten zufolge solchen Anklang fand, daß Mr. Levh einhellig als Rabbiner acceptirt wurde. London. Die Königin Victoria von England hat den Major Julian John Leverson als Commissär zur Abgrenzung des englischen und portugiesischen Interessengebietes ernannt. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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