Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 71 (7.9.1891)
- Date
- 1891-09-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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'.•».JJWJfr * Israelit««»Zeschumn Zrlislhrlfl M FSrdernng W. (Stiftes und jflö. Gebens in Ans. Gkmindr nnD Zlhnir. Kwtrak-Hrgan für das orthodoxe Judentum. Begründet von Pr. Lehmann in Mainz. Montag, den 7. September S«5I (I8S1). Leitender Artikel. Die Inden-Missten. Von Isaak Hirsch. Herr Sic. I. F. A. De le Roi, Pastor in Elberfeld, hat ein groß angelegtes Werk, „Die evangelische Christenheit und die Inden unter dem Gesichtspunkte der Mission geschichtlich betrachtet", verfaßt, dessen zweiter stattlicher Band soeben von dem „Jnstitutum Judaicum in Berlin" herausgegeben worden ist. Der Standpunkt des Verfassers kennzeichnet sich am besten durch seine Würdigung des Mannes, der im Vordergrund des wüstesten antisemitischen Treibens gestanden, des Hofpredigers a. D. Adolf Stöcker. Er zollt dessen „tiefem Schmerz, wie ungescheut die Judenschaft in der Hauptstadt ihren Einfluß geltend machte", vollkommene Anerkennung, und erblickt „das große und bleibende Verdienst" seines Auftretens in dem Umstande, daß er eine Bewegung positiv evangelisch gesinnter Christen ins Leben gerufen, welche sich „als eine Kundgebung des in der evangelischen Kirche waltenden Lebens dargethan." In dieser von Stöcker inscenirten Kundgebung „zeigte sich innerhalb der evangelischen Welt zuerst, daß man sich nicht einfach in die unerträglich gewordene Lage der Dinge fügen wolle, sondern daß noch ein lebendiges Verlangen im Volke vorhanden war, dem Christenthum im staatlichen, geistigen und öffentlichen Leben des Volks die ihm gebührende Stelle zu erhalten." Wir haben von der Moral und Ethik des Christenthums eine viel zu hohe Meinung, um in dem Antisemitismus, selbst demjenigen des Herrn Stöcker, eine Manifestation echten, wahren, evangelischen Geistes zu erkennen. Wenn Herr De le Roi den Juden das Christenthum predigen will, wenn er die Mission unter Israel als das höchste Liebeswerk betrachtet, so möge er sich doch zuvor mit dem Geiste der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe durchdringen, eines Geistes, von welchem weder der Stöcker'sche Antisemitismus, noch der le- Roi'sche Juden-Missions-Eifer zeugt. Denn die Wahrheit ist es, daß der Staat und die bürgerliche Gesellschaft nur insofern auf christlicher Grundlage beruhen, als diese in dem Judenthum wurzelt, — denn die Gerechtigkeit erheischt es, daß man seinem Nebenmenschen das Maß des ihm Zustehenden nicht zu verkümmern sich bestrebt — denn d«^ Liebe Gebot ist es, nicht den Splitter in des Andern Auge zu suchen und den Balken im eigenen zu ignortren. Das Buch des Herrn De le Roi bietetFeichwohl ein sehr reiches und interessantes AMerial der Geschichte der Juden-Mission, wofür wir.^ehr dankbar sind. Wir wollen daraus EiniAMmittheilen, wenn auch unsere Anschauung uMMNser Standpunkt diametral verschieden fit&tzv» De le Roi sieht die letzte positive Lösustg Hr ge-- sammten Judenfrage in dem Uebertritt der gefammten Judenheit zum Christenthum und meült, daß die Möglichkeit einer Ueberwindung der Juden durch das Evangelium erst seit Mendelssohn deutlich hervorgetreten sei. Worauf er diese Ansicht gründet, ist uns nicht klar. Es kanniKmöglich aus der innigeren Aneignung der deutschen Sprache seitens der deutschen Juden, welche das Verdienst Mendelssohns allerdings ist, diese Möglichkeit hergeleitet werden, da ja die Juden-Mission, wie sie behauptet, in den östlichen slavischen Ländern hervorragende Leistungen aufzuweisen hat, und in diesen Kreisen doch jenes Verdienst Mendelssohns gar nicht zur Geltung gekommen ist. Wenn in der Mendelssohnschen Zeit allerdings manche jüdischen Kreise dem Judenthum entfremdet worden sind, so ward dadurch in Wirklichkeit das positive Christenthum — und dem Verfasser ist dieses nur das einzige, wahre — kaum um einen nennenswerthen Zuwachs reicher. Ebensowenig wie „das humanistische Christenthum die Lebensmacht des Judenthums nicht erhöht hat", wie De le Roi mit Recht sagt, ebensowenig aber hat Mendelssohns Wirken die Perspective eröffnet, daß aus abtrünnigen Juden überzeugungstreue gläubige Christen werden. Es handelte sich in den da-