Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1891)
- Date
- 1891-08-13
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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1220 Jahre 1853 ein Comit« gebildet, das sich zur Aufgabe machte, die nöthigen Mittel zu beschaffen, um eine ganze Anzahl sehr alter Grabsteine vor gänzlichem Untergänge zu retten. Die treibende Kraft des Comitös, dem auch der sel. Rabbiner Bamberger von hier angehörte, war jedoch der damals hier angesteüte, jetzt in Stockholm lebende Prediger vr. Levysohn. Er ließ viele Steine, die über die Hälfte versunken gewesen, heben, und suchte mit großer Mühe die schon vielfach verwitterten Buchstaben an der Hand von alten Manuskripten aus Büchern zu entziffern. Dieselben beginnen aus dem Jahre 905 und gehen abwärts bis auf die neuere Zeit. Bon den vielen werthvollen Schriften wollen wir nur aus eine näher hier eingehen. Links vom Wege zum neueren Theil des Friedhofs erhebt sich ein.großer Stein, es ist der des Rabbi Me Ir von einem Thurme zu Ensißheim (Elsaß) gefangen hielt. Der Kaiser Rudolf forderte eine große Summe als Lösegeld, welche zu entrichten auch mehrere Gemeinden sich bereit erklärten. Es verhinderte dies jedoch der Rabbi selbst, indem er in frommer Bescheidenheit den Preis um seine Freiheit für allzuhoch erachtete. Während seiner Haft wurde jedoch Rabbi Me'ir in seinem Studium nicht gestört und er verfaßte vielmehr um diese Zeit mehrere Werke, namentlich mehrere Rabbinatsgutachten. Er starb im Gefängnisse 1293, wo seine sterblichen Ueberreste bis zum Jahre 1307 lagen. Süßkind Wimpfen aus Frankfurt a. M., ein hochherziger Mann, löste dieselben mit Aufopferung vielen Geldes aus und ließ sie hier beerdigen. Der einzige Lohn, den Wimpfen für diese edle That beanspruchte, bestand in der Gewährung seiner Bitte, einst an der Seite des frommen U.' i r T^> Rothenburg, kurz genannt „Mehram". Er war einer der hervorragendsten Gelehrten des 14. Jahrhunderts. Er unternahm mit Frau und Kindern eine Reise über das Meer und gelangte nach einer (--tadt, die zwischen hohen Bergen, welche man das lombardische Gebirg nannte, lag, und wollte daselbst so lange verweilen, bis alle Mitreisenden bei ihm sich eingesunden haben würden. Da reiste durch jene Stadt der böswillige Bogt von^Bafel, den ein Proselyt Namens Knippe begleitete. Der letztere erkannte den Rabbi, theilte dies dem Vogte mit und bewirkte, daß ihn der Graf Meinhard von Görtz 1286 gefangen 'nahm und ihn dem Kaiser Rudolf von Habsburg auslieferte, welcher ihn in Rabbi ruhen zu dürfen. Es dauerte nicht lange, und die Gemeinde zu Worms erhielt die schmerzliche .'Gelegenheit, jene Bitte erfüllen zu müssen. (Näheres über den israelitischen Friedhof giebt die Schrift von vr. Levysohn: Sechzig Epitaphien von Grabsteinen des israelitischen Friedhofes zu Worms.) * Aumerk. der Redakt: Herr Dr. Lehmann hat vor etwa acht Jahren in Mainz einen Grabstein aufgefunden, aus welchem eine noch ältere Grabschrift sieht als die in Worms sich befindliche. Verantwortliche Redaction: Os c a r L e h m an n in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei - Actien-Gesellschaft in Mainz.