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Der Israelit · 1891-07-30 · Heft 60 (30.7.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 60 (30.7.1891)
Date
1891-07-30
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXH. Jahrgang. Zweite Beilage,u JW 60 „Israelit & Ieschurun" Zur Lage der Juden in Kußland. Thor«, 17. Juli. Hier ist schon wieder eine russischpolnische Familie von der Ausweisung ereilt worden, und zwar diejenige des seit langem hier ansässigen Arbeiters Kielkowski. Ebenso soll in Czarny Brinsk im Kreise Straßburg der Kleinbauer Maciejewski sammt seiner Familie ausgewiesen werden; die Ausweisung verzögert sich aber, weil M. wohl in Russisch-Polen geboren ist, sein Geburtsort aber nicht festgestellt werden kann und die russischen Behörden in Folge dessen den Maciejewski vorläufig noch nicht „übernehmen". Die Einwanderung russisch-polnischer landwirthschaftlicher Arbeiter in die preußischen Grenzkreise dauert unvermindert fort; diese Arbeitskräfte sind überall gesucht. Thorn, 17. Juli. Jüdische Auswanderer aus Rußland treffen hier täglich ein. Sie werden jedoch jetzt nicht weiter befördert, da die Unterstützungskomites in Berlin und Charlottenburg es abgelehnt haben, die fernere Sorge für die Auswanderer zu übernehmen und diese selbst mittellos sind. Die genannten Komites verlangen, daß die Glaubensgenossen in den Grenzorten sich der Auswanderer annehmen und sie unterstützen. Das geschieht auch, indeß genügt das nicht. Vorgestern mußte daher ein Trupp mittelloser jüdischer Auswanderer seitens der Kreisbehörde im Kreisgefängnitz untergebracht werden. Sobald sich die russischen Behörden zur Wiederaufnahme der meist mit ungenügenden Ausweispapieren versehenen Auswanderer bereit erklärt haben, erfolgt deren Rücktransport. Wahrscheinlich werden die russischen Behörden in Anbetracht dieser Sachlage die jüdische Auswanderung in Zukunft ebenso verhindern, wie die der polnischen Arbeiter. Heute Nachmittag trafen mit dem russischen Passagierdampfer wieder 90 jüdische Auswanderer ein, die nach Brasilien wollen. Nach einer in London eingelaufenen Petersburger Trathmeldung, von welcher die „Voss. Ztg." durch einen eigenen Trathbericht Kenntniß erhalten hat, wird die Judenverfolgung in Rußland neuerdings weniger streng betrieben. So wurde die Ausführung des Ausweisungsbeschlusses gegen die jüdischen Handwerker in Petersburg auf unbestimmte Zeit verschoben. Gleichzeitig mit dieser Nachricht wird die Meldung des „Daily Chronicle" aus Petersburg übermittelt, daß Baron Alphons von Rothschild demnächst in der russischen Hauptstadt eintreffen werde, um mit dem Finanzminister v. Wischnegradsky ein Abkommen betreffs der Konversion der letzten russischen Anleihen zu treffen. Diese Meldung, wenngleich im Zusammenhang mit der ersten Nachricht nicht unglaublich klingend, ist doch mit Vorsicht aufzunehmen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Belgien. 8. Blankenberghe. Der bädergesegnete Küstensaum Belgiens besitzt in Blankenberghe einen prächtigen Zufluchtsort für alle die, welche einige Wochen Ruhe und Stärkung für ihre abgespannten Nerven suchen. Nicht jedem ist es gegeben, in dem luxuriösen Ostende sich die Erholung zu gönnen, manchem ist auch dieses Baja der Neuzeit ein viel zu geräuschvoller Platz, als daß er das Leben an demselben als eine Erholung ansehen könnte, so ist j denn das benachbarte Blankenberghe, das die Vorzüge eines angenehmen gesellschaftlichen Lebens mit bürgerlicher Einfachheit vereinigt. Besonders ist für den strenggläubigen Juden dieser Platz so recht, wie man ihn nur wünschen kann; der Besitzer des Hotel Mayer bietet alles mögliche aus, seinen Güsten den Aufenthalt recht angenehm zu machen, seine streng koschere Küche stellt auch den verwöhntesten Gaumen zufrieden. Die freundliche Behandlung, welche die Gäste seitens des Hotelbesitzers und seiner Familie erfahren, das Eingehen auf die Wünsche des Publikuums, das liebevolle Entgegenkommen, das man hier findet, machen das Leben recht behaglich. Vor allem ist zu bemerken, daß Herr Mayer, als der einzige jüdische Hotelbesitzer hier am Platze der Ruf des nntco, in welchem sein Haus steht, nicht zum Nachtheil seiner Gäste ausbeutet; die Preise sind sehr mäßig. Syrien. Beyruth, 22. Juli. Entgegen Ihrer Constantinopeler Meldung kann ich Ihnen mittheilen, daß Palästina und Beyruth Gottlob gänzlich seuchenfrei sind, daß die pal äst ine fische Erndte brillant ist, (noch vor 14 Tagen hat ein christliches Haus 2000 Tons — ca. 4 Millionen Pfund Getreide äußerst billig bezogen und ich habe gestern in Kaiffa 400 Tons Gerste und 200 Tons Weizen gekauft). Die einwandernden russischen Juden sind sämmtlich gesund und guten Muthes. Dieselben werden, soweit solche nicht begütert sind, als Handelsleute ihren Verdienst gut in Palästina finden und ein Theil wird auch auf den Kolonien als Tagelöhner mit 60 Centimes pro Tag ihren kärglichen Unterhalt finden. Unterstützung in Paar seitens Europa für die erste Zeit wäre also bei diesen Glaubensgenossen wenigstens zweckdienlich angebracht, da diese Juden in Palästina sich binnen Kurzem allein werden ernähren können und vielleicht noch ebenso gut später Millionäre in Palästina werden können, wie e^ einige christliche Württemberger (Streich in Jaffa und Deich in Kaiffa) geworden sind, die vor 18 Jahren noch nicht mit 100 M. nach Palästina kamen und sich durch Handel in Palästina theils eine Million Fr., theils V2 Million Francs verdient haben. > vermischtes. «$- Wien, 29. Juli. Das Krakauer Hilfscomitö expedirte gestern 194 aus Rußland vertriebene Juden nach Argentinien. Auf dem Bahnhofe spielten sich herzzerreißende Scenen ab. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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