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Der Israelit · 1891-03-19 · Heft 23 (19.3.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 23 (19.3.1891)
Date
1891-03-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Zweite Beilage zu M 23 Des „Israelit & Jefdjurun“ Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Münster, 2. März. In verschiedenen jüdischen Zeitungen und auch in Ihrem Blatte wurde als Beleg für die hier betriebene antisemitische Hetze unter Anderem mitgetheilt, daß fast alle Fenster nächtlicher Weile zertrümmert und viele Denksteine auf dem israelitischen Friedhöfe zerstört worden seien. Diese Vorkommnisse sind weniger erheblich und finden hier auch allgemein nicht die Deutung, welche jene Mittheilung zuläßt. Freilich sind eine Anzahl Scheiben in der Front der Synagoge eingeworfen worden, aber es ist dies schon im Frühjahr und Sommer vorigen Jahres geschehen, und zwar durch verwahrloste Knaben, welche um dieselbe Zeit außer den Fenstern an der Straßenseite der Synagoge auch noch die einer nahebei gelegenen christlichen Schule sich als Zielscheibe für ihre Handschleuder ausersehen haben. Derartige Straßenjungestreiche auf Antisemitismus zurückzuführen, dürfte doch als zu gewagt erscheinen. Ebenso wenig kann ein Zusammenhang mit solchem daraus festgestellt werden, daß um Mitte October vorigen Jahres sieben Denksteine auf dem israelitischen Friedhofe von ruchloser Hand um geworfen wurden. Gleicher Frevel ist nämlich kurz zuvor auch auf verschiedenen Friedhöfen hier mehrfach verübt rmd war auf dem israelitischen gelegentlich zu verüben um so leichter, als dieser wegen vorgenommener Erweiterung zur Zeit offen lag. Oesterr.-Ungar. Mouarchie. Wien. Nach Ausweis des neuen Militär- Schematismus sind gegenwärtig im k. und k. Heere und in der Kriegsmarine Tapferkeitsmedaillcn in folgender Zahl vorhanden: Leibgarden: 4 goldene, 10 große silberne und 12 kleine silberne. Generale: 2 goldene, je 4 große und kleine silberne; Stabs¬ und Oberofficiere des Ruhestandes und außer Dienst: 39 goldene, 130 große und 136 kleine silberne; Generalstab: 1 kleine silberne; Infanterie: 8 goldene 29 große nnd 109 kleine silberne; Jäger: 4 große, 31 kleine silberne; Dragoner: 2 große, 3 kleine silberne; Husaren: 1 goldene, 3 große, 2 kleine silberne; Uhlanein je 2 große nnd kleine silberne, 2c. 2c. Eine beträchtliche Anzahl der Besitzer dieser Auszeichnungen sind unsere Glaubensgenossen. Besonders hervorzuheben ist der Umstand, daß die einzige goldene Tapferkeitsmedaille, welche in den gesummten 16 Husarenregimentern vorhanden ist, die Brust eines unserer Glaubensgenossen ziert. WZ Der glückliche Besitzer dieser hohen Auszeichnung, Herr k. und k. Rittmeister Wolf Bardach Edler vonChlumberg des 9. Husaren-Regiments hat dieselbe durch eine muthvolle, fast tollkühne Heldenthat erworben, indem er als Wachtmeister sich zur Rückholung einer vom Feinde bereits eroberten Fahne freiwillig meldete, und an der Spitze blos einiger muthvoller Reiter, dieses bravouröse Husarenstückchen auch vollführte. Seine Majestät der Kaiser, welchem gelegentlich einer Revue dieses Zeichen besonderer Tapferkeit auf der Brust eines Wachtmeisters aufgefallen war, befragte den Escadrons-Eommandanten um den Grund der Nichtbeförderung dieses Helden zum Osficier, und dieser entgegnete, daß die Confession das einzige Hinderniß bilde, worauf Seine Majestät den Herrn Oberlieutenant Bardach vor die Front befahlen und demselben bei Verleihung dieser Charge die allerhöchste Anerkennung auszusprechen geruhten. Im Vorjahre wurde dieser verdienstvolle Officier, der inzwischen zum Rittmeister avancirte und dessen Abneigung ^gegeu die Taufe seine Charakterfestigkeit documentirt, in den Adelsstand erhoben und ihm das Prädicat „von Chlumberg" allergnädigst verliehen. (Oestr. Wschr.) Rußland. Petersburg, 2. März. Gestern hielt die im Justizministerium tagende Spezialkommission zur Ausstellung einer neuen Verordnung über die Advokatur ihre letzte Sitzung. Der neue Gesetzentwurf wird dieser Tage dem Reichsrath zur Sanktion vorgelegt werden. In diesem Entwurf heißt es unter Anderem: „Da sich die Zahl der jüdischen Advokaten stets vermehrt und dieses einen zersetzenden Einfluß auf die Korporation der Rechtsanwälte haben muß (?!), so ist beschlossen worden, zur Ausübung der Advokatur die Juden blos in einer solchen Zahl zuzulassen, welche deren schädlichen Einfluß neutralisiren könnte. Als eine solche Norm ist 10 pCt. anerkannt worden. Auf je 100 christliche Rechtsanwälte dürfen von nun an nur 10 jüdische kommen." Die Zahl der jüdischen Advokaten hat sich aus dem ganz einfachen Grunde vermehrt, weil für jüdische Juristen der Staatsdienst und andere Laufbahnen verschlossen sind, so daß ihnen nur die Advokatur übrig blieb. Diese wird ihnen nun auch fast ganz verschlossen. Abgesehen von der erwähnten drakonischen Maßregel enthält der neue Gesetzentwurf noch andere Paragraphen, die einen völligen Ausschluß jüdischer Rechtsanwälte aus der Korporation bezwecken. Denn es wird dem Conseil, in welchen von nun au kein Jude gewählt werden darf, freigestellt, nur solche Juden auszunehmen, die dessen

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