Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1891)
- Date
- 1891-03-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. Zweite Beilage;it M 21 in Israelit LIeschurun ZeitungSnachvichren uub rLorrcfpondenzen. lj e u t l ch 1 a n D. Altona. Dir herein zur Förderung der israelitischen Gerueindeschule hielt dieser Tage seine Generalversammlung ad, in welcher die Abrechung über die letzten beiden Jahre vorgelegt und dann vorn Vorstand der Antrag gestellt wurde, den Verein aufzulösen. Nach längerer, sehr lebhafter Dabatte beschloß die Versammlung, den Verein vorläufig noch ein Jahr fortbestehen zu lassen; dann soll ein bestimmter Vorschlag über die Verwendung des Vereinsvermögens gemacht werden. Es waren in dieser Beziehung ans der Versammlung verschiedene Anträge gestellt, von denen jedoch keiner Billigung fand. Der bisherige Vorstand verbleibt auch für das laufende Jahr in Function. O e st c r r. -Ungar. Mona r ch i e. I Wien. Einer vor längerer Zeit an ihn ergangenen Einladung folgend, erschien während der Wahlperiode der bisherige Abgeordnete Dr. I a q u e s im Wählerverein „Israelitische Union" zu einem Vortrage, in welchem er die parlamentarische Haltung der Opposition während der letzten zehn Jahre in beredter und lichtvoller Weise schilderte. Die politischen Ausführungen des Redners wurden in sympathischer Weise ausgenommen, doch erhob sich bei der Bemerkung, daß die Abgeordneten jüdischer Konfession dem Antisemitismus oft und in kräftiger Weise ^entgegengetreten seien, ziemlich lebhafter Widerspruch. Dr. Jaqncs hatte nicht als Reichsrathskandidat gesprochen, und cs wurde demgemäß auch vermieden, an ihn eine Interpellation oder Anfrage zu richten. Nachdem Dr. Jagues sich entfernt hatte, gaben mehrere Redner ihrer Ansicht dahin Ausdruck, daß die Abgeordneten jüdischer Konfession die Vertheidigung der Inden im Abgeordnetenhause gegenüber den Anwürfen, Beleidigungen und Verleumdungen der Antisemiten in unzureichender Weise geführt hätten. Kein Antisemit, sagte einer der Redner, Herr Sigmund Mayer, kann mit seinen Reden so viel schaden, als die jüdischen Abgeordneten mit ihrem Schweigen. In Worten dankbarster Anerkennung wurde des Dr. Kronawetter gedacht, weil er im Parlamente stets seine Stimme laut für das gleiche Recht aller Staatsbürger erhoben. In einer Resolution wurde Dr. Bloch für seine Haltung im Abgeordnetenhause der Dank ausgesprochen. Wien. Das allgemeine österreichische israelitische Taubstummeninstitut in Wien veröffentlicht seinen 37. Jahresbericht. i Die Anstalt zählte im abgelaufenen Schuljahr 99 Zöglinge, wovon im Monate Juli 17 als gebildet entlassen und im Seprember dafür wieder neu 16 ausgenommen wurden, so daß sich gegenwärtig 98 in derselben befinden. Nicht unbedeutend ist die Zahl derjenigen Unglücklichen, die ohne Hilfe des Vereines allen Arten von Launen und Bedrückungen, Verführung und Entartung ausgesetzt sind und als vernuuftlose Wesen die irdische Laufbahn durchwandern müssen. Viele .vunderte sind bereits durch Unterricht und Erziehung befähigt worden, eine Kunst oder ein Handwerk zu erlernen, und sich dadurch gleich anderen vollsinnigen Menschen ihren Lebensunterhalr durch eigene Betriebsamkeit zu erwerben. Besonders bervorgehoben zu werden verdient die Thatsache, daß von den ausgetretenen Zöglingen dieser Anstalt, zwei Herausgeber und Redacteure vielgelesener Blätter für Taubstumme sind, wovon ein Blart hier in Wien unter dem Namen „Taubstilmmen-Eourier" und eines unter dem Namen „Taubstummen-Weltblatt" in New-Bork erscheint. „Diese höchst erfreulichen Resultate" — sagt der Bericht — „haben wir nur den unserem Institute entgegengebrachreu Sympathien zu danken und es freut uns, constatiren zu können, daß auch in diesem Jahre die allseitige Theilnahme für das menschenfreundliche Wirken unserer Anstalt in zahlreichen Spenden und Unterstützungen werkthätigen Ausdruck gefunden hat. Allein trotz der zahlreichen Spenden stehen die Zuflüsse nicht auf der vollen Höhe der Bedürfnisse. Noch immer wiederholt sich die traurige Thatsache, daß nicht allen sonst gerechtfertigten Bitten um Aufnahme in die Anstalt entsprochen werden kann, weil die vorhandenen Milte! dazu nicht ausreichen. „Insbesondere ist es zur materiellen Kräftigung unserer Anstalt dringend geboten, daß der Kreis der ständige Beiträge leistenden Mitglieder sich erweitern möge. „Daher richten wir an alle hochherzig fühlenden und wohlwollend denkenden Förderen der humanitären Bestrebungen die inständige Bitte, daß jeder Einzelne in seinem Kreise dahin wirken möge, gleichgesinnte Wohlthäter zur Unterstützung unserer Anstalt zu bewegen. Hierdurch allein wird es möglich sein, den Ausfall an ständigen Beiträgen zu decken und dem Institute diejenigen materiellen Mittel zuzuführen, deren es bedarf, um die angeftrebten idealen Ziele zu erreichen." Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.