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Der Israelit · 1891-02-26 · Heft 17 (26.2.1891) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 17 (26.2.1891)
Date
1891-02-26
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Natürlich wird dasselbe Fechterkunststück in bcm kleineren Auszug ans dem Antisemiten-Katechismus: „Thatsachen zur Judenfrage" wiederholt. Die Osman Bey'sche Erzählung mit dem aus Gerichtssälen bekannten „großen Unbekannten" trägt den Stempel der Unwahrheit an der Stirn. Daß Montefiore von Fritsch hinzuerfunden ist, haben wir gezeigt. Wir haben uns trotzdem die Mühe gemacht, weiter zu forschen und Folgendes festgestellt: 1. Von einer Rathsversammlung, oder wie der Katechismus schreibt, einem „Sanhedrin" 1840 in Krakau ist nichts bekannt. Ein Sanhedrin hat in diesem Jahrhundert nur 1807 in Paris stattgefunden. 2. Moses Montefiore war weder 1840, noch zu anderer Zeit in Krakau, wie uns sein Neffe Claude Montefiore mittheilt, auch aus seinen Tagebüchern ersichtlich ist, die über alle Reisen Montefiore's Auskunft geben, von einer Reise nach Krakau aber, die damals keine .Kleinigkeit war, nichts melden. 1840 war Montefiore in Aegypten und der Türkei, vr. Loewe, der langjährige Sekretär Montefiore's und Herausgeber seiner Tagebücher, schreibt Bd. II, S. 310, unter Bezugnahme auf den Antisemiten-Congreß von 1882, auf welchem der angebliche Ausspruch Montefiore's eine Rolle spielte: „Da ich mit Sir Moses von Beginn des Jahres 1840 bis zu Ende zusammen war, kann ich positiv erklären, daß Sir Moses nie in Krakau war, niemals einer Rabbiner- Versammlung in dieser oder in einer anderen Stadt beigewohnt und niemals den ihm zugeschriebenen Ausspruch gethan hat." „Natürlich gaben antisemitische Zeitungen diesen Ausspruch wieder. Als ich durch Güte eines Elberfelder Herrn eine solche ZeUungsnummer erhielt, sandte ich mit Sir Moses Genehmigung ein Dementi. Die betreffende Elberfelder Zeitung erklärte, wie ich zur Ehre derselben an'führen muß, sie sct bezüglich der Anwesenheit Sir Moses in Krakau und seines angeblichen Ausspruchs falsch unterrichtet gewesen." In England, wo man Montefiorcs menschenfreundliches Wirken für Christen und Juden kennt, würde sein angeblicher Ansspruch nur Lächeln erregen über die Leichtgläubigkeit antisemitischer Leser, in Deutschland hat Dank dieser Leichtgläubigkeit diese Fälschung vielen Haß erregen können. Ein anderes Beispiel der antisemitischen Kampfesweise aus allerjüngster Zeit wollen wir noch hier anfügen. Im ersten Heft des Antisemiten-Spiegels hatten wir die Lügen über bic Alliance israelite, welche der „A n tis emiten - Katechi s m n s" und sein Ableger verbreitet, aufgedeckt. Es war dort nachgewiesen, daß das, was über diese Gesellschaft verbreitet wurde, erlogen und erdichtet war, daß schon vor einer Reihe von Jahren der Nachweis dafür geführt war, und zwar durch Herrn Sanitätsrath I)r. Neumann in Berlin, durch dos Centralcomite der Alliance israelite in Paris und durch den französischen Minister Waldek-Ronsscan. Trotzdem hat der „Antisemiten-Katechismus" in jeder neuen Auflage dieselben Lügen wiederholt. Was antwortet nun das Hauptorgan der Antisemiten Fritsch und Genossen auf die Kritik in dem ersten Heft des Antisemiten-Spiegels? Es schämt sich nicht, Folgendes zu sagen: „Ist der Aufruf nicht echt (wir werden darüber noch in Frankreich Erkundigungen einziehen lassen), so ist er wenigstens vortrefflich erfunden." Diese Art zu kämpfen übersteigt das Maß alles dessen, was man bisher erlebt hat. Also jetzt e r st, nachdem in dem Antisemiten - Spiegel den Herren das Unverantwortliche ihrer Kampfesart vorgehalten, werden sie Erkundigungen e i n z i e h e n über eine Fabel, die sie trotz aller Widerlegung seit Jahren in Broschüren und Flugblättern verbreiten. Und wenn sich nun Herausstellen sollte, daß die ganze Geschichte von Ä bis Z erfunden war, so beruhigt sich so ein Antisemit in dem Bewußtsein, daß die Erfindung eine vortreffliche war! Das ist das Christenthum des Antisemitismus! -oco Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deL „Israelit" n. „Ieschurnn", Schottsir. Nr. 2, Mainz. Drn.l und Verlag der Joh. Wirlh'schcn Hofbuchdruckerei-Actien-GeseNschaft in Mainz.

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