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Der Israelit · 1890-12-29 · Heft 102 (29.12.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 102 (29.12.1890)
Date
1890-12-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1834 Reichsherold unter der Spitzmarke „Die Juden haben Angst". Ein anderes Antisemitenblatt knüpft daran die Aufforderung, in der Verfolgung der Juden doppelt rührig zu sein. Es wäre daher unseren Glaubensgenoffenzu rathen, daß, wenn sie in Zukunft derartige Mitlheilungen über interne Angelegenheiten erhalten, sie mit den diesbezüglichen Schriftstücken vorsichtig zu Werke gehen, damit solche nicht in die Hände Unbefugter gelangen. Frankfurt a. M, 22. Dez. Nichts ist ergötzlicher, als das Schauspiel der Verkleidungen, unter denen sich der Antisemitismus einzuschleichen sucht; für jede Provinz eine andere Maske, darin ist namentlich Herr Liebermann von Sonnenberg Meister. Das stark katholische und ultramontane Münsterland bearbeitete er jüngst, indem er sich für die Beseitigung des Jesuitcngcsetzes ins Zeug legte und den Kulturkampf als ein Werk der Juden darftellte, während zu gleicher Zeit das christlich-soziale Organ in Berlin, das „Volk" gegen die Rückkehr der Jesuiten eiferte. In Hannover beliebte es Herrn v. Liebermann, mit den Welfen zu liebäugeln, worüber die Konservativen ganz außer sich sind. Das „christlich-soziale" Organ zu Hannover, die „Hannöv. Post", deren Redactcur Leuß Herrn v. Liebermann-Sonnenberg aus seinen Hctzversammlungen sckundirt, vertritt die welfische Sache mit solcher Ungenirtheit, daß die Konservativen ihre Anhänger ermahnen müssen, nicht aus ihren Rücken Riemen für die Antisemiten schneiden zu lassen. Wer weiß, ob wir nächstens nicht Herrn v. Licbermann als Apostel für die Simultanschulen in Nassau auftreten sehen werden. Frankfurt a. M., 24. Dezember. Der in Brüssel verstorbene Herr Julius May hat nicht allein M. 12000 für christliche und konfessionslose Arme Rödelheims, sondern auch M. 12000 für israelitische Arme jener Stadt und M. 35000 der hiesigen israelitischen Realschule (Philantropie) vermacht. Scine Gemahlin hat ferner an gemeinnützige und wohlihätige Anstalten und Vereine, wie an bedürftige Privatpersonen ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses M. 15,000 vertheileu lassen. Laupheim, 20. Dez. Es dürste sich empfehlen, die Vorstände der jüd. Gemeinden in Deutschland darauf hinzuweisen, daß Personen, welche gegen Lohn im Dienste von Gemeinden oder der Kirche stehen, nach dem neuen, mit 1. Jan. 1891 in Kraft tretenden Gesetze betr. Alters- und Jnvaliditätsversicherung, versicherungspflichtig sind, andererseits aber auch, gegebenen Falls, Anspruch auf die durch das Gesetz zugesicherte Rente haben. Es Werden also wohl überall die Gemeinde- (Synagogen-) Diener, in einzelnen Gemeinden vielleicht auch noch andere Bedienstete (Schächter, Friedhofaufseher) von diesem Gesetze berührt werden. Da nun in vielen Gemeinden gerade diese kleinen Dienste in den Händen älterer Männer liegen, die dem 70. Lebensjahre nahestehen oder dasselbe schon überschritten haben, so liegt es sehr im Interesse derselben, sich möglichst rasch die nöthigen Nachweise zu beschaffen, um sofort oder zur rechten Zeit in den Genuß der Altersrente zu gelangen. Es wird Sache der Gemeinde-Vorstände sein, ihre Diener alsbald hierauf hinzuweisen; im Uebrigen darf von den Gemeinden erwartet werden, daß sie nicht nur gerne den Versicherungsbeitrag für ihre Unterbedienfteten leisten werden, soweit das Gesetz den Arbeitgeber verpflichtet (Hälfte des Beitrags), sondern daß in den meisten Fällen der Arbeitgeber (die Gemeinde) den ganzen Beitrag leistet, wo es sich um sehr unbemittelte oder ganz gering besoldete Diener handelt. O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien. Herrenhausmitglied Baron Moritz Königswarter hat bekanntlich eine Stiftung mit dem Kapitale von 100,000 Gulden zur Einrichtung und Erhaltung von Wärmeftuben errichtet, und wurde dieses Kapital dem Wärmestuben- und Wohlthätigkeitsvereine übergeben. Nach der Bestimmung des Stifters dürfen aber die Wärmestuben nicht belastet und ohne Genehmigung der Statthalterei nicht veräußert werden. Sollte der Verein sich anflösen oder aufgelöst werden, oder sollten die Vereinsftatuten zu Gunsten einer Nationalität oder einer Consession abgeändert werden, so geht das von Baron Königswarter gewidmete Stiftnugsvermögen in den Besitz der Commune über. Der Gemeinderath bat nunmehr nach einem Referate Dr. v. Mießriegler's dieser Verfügung des Stifters zugestimmt. Ung. Brod. Unser neuer Rabbiner Herr Dr. M. Jung hat in der kurzen Zeit seines Hierseins schon recht günstige Resultate erzielt. Seine tiefe Religiösität, seine Bescheidenheit und seine allseitige Gelehrsamkeit und Bildung erwarben ihm die Sympathieen und Achtung sämmtlicher Gemcnidemttglieder. Auf seine Veranlassung wird ein religiös-wissenschaftlicher Verein ins Leben treten; für eine hiezu nöthlge Bibliothek sind bereits die Mittel gezeichnet. Außer den allsabbatlichen Vorträgen, die von einem echt jüdischen Geiste durchweht sind, häliHrri Dr. I. monatlich einen Vortrag über jüdische Geschichte und Literatur, was von Jedermann freudig begrüßt wird. Auch brachte er es dahin, daß die Vereinsmitglieder allabendlich im Vereinslokale sich versammeln, in welchem zwei von ihm beauftragte Herren abwechselnd "j": und maatoi nain vortragen.

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