Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 74 (18.9.1890)
- Date
- 1890-09-18
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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XXXI. Zatzrgüng. Zweite ftl M 74 dk-„Israelit & Jeschurua Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 7. September. Zur Kassirung Der Wahl des Stadtverordneten Dr. Bachler wird der „Volksztg." geschrieben: In dem Verhalten des Oberpostdircktors Schiffniann, welcher ein Schreiben des antisemitischen Comiiäs, das die Postbeamten zur Wahl des königstreuen Dr. Bachler aufforderte, unter den Beamten der ihm unterstellten Postämter zirkuliren ließ, wurde eine unzulässige amtliche Wahlbeeinflussung zu Gunsten der Kandidatur des antisemitischen Dr. Bachler erblickt. Dr. Bachler erhielt nur 55 Stimnlen mehr als sein Gegner. Indessen stimmten bei der Stichwahl 87 Post- und Polizeibeamte mehr für Bachler als bei der ersten Wahl. Der Ausschuß war der Meinung, daß dieses Resultat lediglich die Folge der amtlichen Wahlbeeinslussung gewesen sei und entschied sich daher für die Ungiltigkeit. Die ^tadiverordneten-Versammlung wird sich am nächsten Donnerstag mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Berlin. Die hiesige Gesellschaft zur Förderung des Christenthums unter den Juden hat nach ihrem Jahresbericht im Jahre 1889 im Ganzen 11 Taufen von Juden zu verzeichnen, darunter vier Beamte, drei Kaufleute, ein Künstler. Bürgel. (Gr. Hessen). 10. Sept. Daß trotz dem Versuche, den Antisemitismus durch Hetzblätter hier einzuführen, dies nicht gelingen wird, beweist das Resultat der gestrigen hier stattgehabteu Ergänzungswahl des Gemeinderaths. Unser Glaubensgenosse Herr Siegmund Grüncbaum, Metzger, wurde mit großer Majorität gewählt. Derselbe erhielt von den vier Gewühlten die meisten, nämlich 223 Stimmen. Es ist dies um so mehr anzucrkennen, dahier nur 30 stimmberechtigte Israeliten wohnen, die übrigen Wähler sind katholisch und protestantisch. Gustav Katz. Mannheim, 6. September. Herr Stadtrath Reinhard Herschel, Mitinhaber der bekannten Tabaksirma Herschel, Enthoben u. Cie. in Mannheim und Amsterdam, hat aus Anlaß seiner heutigen silbernen Hochzeit der Stadt Mannheim den Betrag von M. 50,000 für Verschönerungszwecke zugewiesen. Herr Herschel ist der Schwiegersohn des Synagogenraths David Aberle hier, der ebenfalls am heutigen Tage ein seltenes Familienfest und zwar das des goldenen Ehejubiläums beging. Herr Aberle ließ dieses Familienfest nicht vorübergehen, ohne die hiesigen Wohlthätigkeitsanstalten mit reichen Zuwendungen bedacht zu haben. Jungholz, (Elsaß) 20. August. Auf einer steilen Anhöhe, in der Nähe unseres Dorfes, liegt fern vom menschlichen Wogen und Treiben der israelitische Friedhof, einer der ältesten unseres Landes. Zahlreiche Denksteine ans dem 15. und 16. Jahrhundert legen einen sprechenden Beweis ab. In den schweren Zeiten des Mittelalters hatten hier die aus der menschlichen Gesellschaft ansgestoßenen, von Mißgeschick arg verfolgten Inden eine Stätte gefunden, wo sie wenigstens ihren Todten ein sicheres Ruheplätzchen geben konnten. Deßhalb kamen sie auch aus allen Gauen des Elsaß mit den sterblichen Ueberresten nach dem Junghölzer Friedhöfe, da sie dieselben dort vor dem grausamen Pöbel sicher glaubten. Selbst heute noch dient dieser alte Friedhof weitaus der größten Anzahl der israelitischen Gemeinden des Kreises Gebweiler zur Vegräbnißstütte. Eine uralte Sitte besteht nun bei den Israeliten, während des Monats Elul an den Gräbern der Verstorbenen zu beten. Seit voriger Woche herrscht nun ein reges Leben auf diesem sonst so stillen Orte. Aus Nah und Fern kamen letzteii Donnerstag'unzählige Fremde hier an, um dieses Werk der Pietät auszuüben. O e st e r r. -Ungar. Monarchie. Wien. Der Unteroffizier Alois Denk, der sich durch sein Heldenstücklein an einem jüdischen Greis zur Tagesgröße emporgearbeit hat, steht leider nicht mehr vereinzelt in unserm Militär. Mit Attentaten an Greisen und Kindern bezeichnet man die höchste Bestialität, und im folgenden Falle hat ebenfalls ein Unteroffizier sein Müthchen an einem jüdischen Kinde gekühlt. Freitag den 29. v. M. kamen Dragoner auf dem Durchmarsch von Strelsried nach Korneuburg in Langenzersdorf an und hielten daselbst Rast. Einige Unteroffiziere blieben vor einem Hanse in der Hauptstraße stehen, wo zwei achtjährige Knaben spielten, und zwar der Sohn des Gemeindevorstehers Herrn Horezky und der Sohn des als Sommerpartei in Langenzersdorf wohnenden Chefs der geachteten Wiener Getreide- Commissions-Geschäfts-Firma Leopold Morberger. Da ging einer der Unteroffiziere auf den Knaben Horezky zu und fragte ihn, ob der andere ein „Jndenbub" sei, und als der Gefragte dies bejahte, zog der Herr Unteroffizier ein spanisches Rohr aus seinem Stiefelschaft hervor und befahl ihm, den „Judenbuben" durchzuhauen, was aber das christ-