Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 72-73 (11.9.1890)
- Date
- 1890-09-11
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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xxxl J-brga««. Zweite Beilage M M 72 & 73 ürs „Israelit" §- „Ieschurun" Zeituttgsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 26. August. Entsprechend den Veröffentlichungen über Gymnasien und Progymnasien bringt der „Reichsanzeiger" folgende Statistik der Schüler in den preußischen Realgymnasien und Realprogymnasien: Im vorigen Sommerhalbjahr bezifferte sich die Gesammtschülerzahl der 88 Realgymnasien und 81 Realprogymnasien des preußischen Staates auf 41,466, darunter 77 Proc. evangelisch , 13,2 Proc. katholisch, 0,4 Proc. sonst christlich und 8.5 Proc. jüdisch. Die verhältnißmäßigc Betheilignng am Realgymnasial - Unterricht ist Seitens der Evangelischen eine stärkere, dagegen Seitens der Katholiken eine merklich mindere, und Seitens der Juden eine etwas geringere, als an dem Gymnasial-Unterricht. In den Provinzen überschreiten die Evangelischen den ihnen zustehenden Procentsatz an der männlichen Bebölkerung theils mehr oder minder, theils bleiben sie hinter demselben zurück. Das erstere ist der Fall mit 36,4 bis 1.6 Proc. in Westpreußen, Posen, Rheinland, Westfalen, Schlesien, Ostpreußen, Hannover und Sachsen, das letztere mit 3,2 bis 8,3 Proc. in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Pommern, Stadtkreis Berlin und Hessen-Nassau. Die Katholiken bleiben hingegen überall hinter ihrem Procentsatz zurück, theilweise recht belangreich, und zwar mit 0,8 bis 42,8 Proc. in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Pommern, Sachsen, Hessen-Nassau, Stadtkreis Berlin, Rheinland, Westpreußen und Posen, während die Juden den ihrigen in allen Provinzen bedeutend übersteigen, und zwar um das Elf- bis Dreifache in Sachsen, Schleswig-Holstein, Schlesien, Westfalen, Ostpreußen, Hannover, Brandenburg, Rheinland, Pommern, Hessen-Rassau, Posen, Westpreußen und Stadtkreis Berlin. Die hohenzollerschen Lande haben weder ein Realgymnasium noch ein Realprogymnasium. Auf je 10,000 männliche Mitglieder der einzelnen Glaubensbekenntnisse bezw. Religionsgemeinschaften kommen im Staatsdurchschnitt: bei den evangelischen 36,3, bei den Katholiken 11,6, bei den sonstigen Christen 42,5, bei den Christen überhaupt 27,8 und bei den Juden 197,0 Realgymnasial-Schüler. Bei diesen Ziffern wurde bei der Statistik der jüdischen Schüler die ländliche Bevölkerung außer Acht gelassen. 82°/0 der jüdischen Bevölkerung befindet sich in den Städten und nur die Einwohnerzahl der Städte wurde berücksichtigt. Es läßt sich auch dies aus den angegebenen Prozentsätzen der männlichen Bevölkerung Preußens herausrechnen, welche 5,085,609 Christen und 148,178 Juden ergiebt. Rechnet man von sämmtlichen Gymnasiasten auf die ländliche Bevölkerung 10%, so bleiben 76,648 christliche und 7953 jüdische (bei rund 94,000 Gymnasiasten überhaupt). Dieses auf die angegebene Seelenzahl pro 10,000 männlicher Einwohner berechnet, ergiebt für die Städte 1507/lo christliche und 5367/10 jüdische Schüler. Das Berhältniß ist somit kaum 1:4, und die Angabe im „Reichsanzeiger", daß die jüdischen Schüler im Berhältniß achtmal stärker vertreten sind, als die Christen, entspricht nicht den Thatsachen." Aus der Rheinprovinz, 5. Sept. Nach einer hicrhergelangten Mittheilung hat das beim Unterrichtsministerium s. Z. eingereichte Gesuch der jüdischen Elementarlehrer der Rheinlande einen guten Erfolg zu verzeichnen. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, soll der Herr Minister v. Goßler die Königl. Negierung angewiesen haben, bei den städtischen Behörden dahin zu wirken. daß die nachgesuchte Umwandlung der jüdischen privaten Elementarschulen in öffentliche Schulen statifinden könne. Durch diese Umwandlung würden die mit Recht bedauerten Uebelstände in der Stellung des jüdischen Lehrers beseitigt werden, der dann definitive Anstellung und — was ebenso wichtig ist— einen Anspruch auf Pension erhielte. Möge Gott die Herzen der Stadtväter aller Orten zum Guten lenken, damit auch in den jüdischen Gemeinden gesicherte und gutgeregeltc Schulverhältnisfe Platz greifen. M. S ul mann, Lechenich. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Pesth, 5. September. Diesen Mittwoch fand der feierliche Einzug des neuen Rabbiners der authonomen orth. Gemeinde, Herrn Oberrabbiner K o p e l Reich »"j aus Verbo statt. Dieses freudige Ereigniß ist nicht blos für unsere Gemeinde, sondern sür die gesammte orthodoxe Judenheit des Landes von großer Tragweite. Die Repräsentanten der Gemeinde waren dem Seelenhirten bis Waizen entgegengefahren, woselbst auf dem Bahnhofe auch der Vorstand der auth. orth. Gemeinde Waizen mit ihrem Oberrabbincr, Herrn S i l b e r st e i n v,j, zum Empfange sich eingefunden hatte. Am hiesigen Bahnhofe hatten sich fast sämmtliche Gemeindemitglieder zur Begrüßung versammelt und fuhren alle in einer langen Reihe von Fiakern direkt zur Orzl'schen Synagoge, welche herrlich geschmückt und in heller Beleuchtung erstrahlte. Nach dem nniv-Gebet hielt Herr Oberrabbiner Reich seine Antrittsrede, welche von wahrhaft jüdischem Geiste durchhaucht, gleichsam mit elektrischer Kraft auf die das große Gotteshaus füllende Zuhörerschaft wirkte. Ein eigentliches Programm seiner Thätigkeit brauchte unser Rabbiner in seiner Antrittsrede nicht zu entwickeln. Ein Mann von solch hoher Bedeutung, der mit freudiger Genugthuung auf eine lange Reihe von Jahren segensreicher rabbinischer Wirksamkeit zurückblicken kann, hat es nicht nöthig beim Antritte eines neuen Rabinatspostens Ziel und Richtung seiner Bestrebungen zu kennzeichnen. Trotzdem enthielt diese einige Programmpunkte, die ganz geeignet sind, uns alle mit stolzer Zuversicht zu erfüllen und das Ver-