Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1890)
- Date
- 1890-05-28
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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und beschämend für die Enkel derer, die sie ertragen mußten, wie Derer, die sie verschuldet haben. So, wie es nachher ausfiel, hat er cs sich doch wohl nicht gedacht, - als in die öde Welt Denkalion Kiesel zuerst ausstrcnie, daß Menschen wurden, das harte Geschlecht! vielleicht hätte er sein Kicselausstrcnen, wenn er Alles im Voraus gewußt, unterlassen. Bis zur Zeit Constantin's des Großen genossen die Inden in den römischen Staaten das volle Bürgerrecht, und Niemand siel cs ein, sie zu drücken; mit Constantin's Uebertritt zum Ehristenthum begann ihre Leidenszeit, die rasch sortschreitcndcVerkümmcrung ihres Rechtes und ihrer Ehre im römischen Reich. Eonstantin schon verbot bei Todesstrafe die Ehe zwischen Christen und Juden; unter Theodosins I. begann man ihre Tempel zu zerstören, zu verbrennen. Honorins schloß sie von dem Ehrenrechte des Kriegsdicnsles ans, und Theodosins II. verordnete unter himmelschreienden ungerechten Anklagen gegen sie, daß kein Jude mehr zu öffentlichen Aemtcrn und Würden zugelasscn werden sollte; Justinian fügte dem nach den entehrenden Erlaß hinzu, daß das Zengniß eines Inden gegen einen Christen nngiltig sei. Zur Zeit Jnsiinian's befand sich das weströmische Reich schon unter der Herrschaft germanischer Völker und so übernahmen diese auch das Unrecht mit gegen d/s Volk, das allein um seines Glaubens willen für heimathlos, rechtlos und ehrlos erklärt war; recht fühlbar wurde es den Inden erst gemacht zur Zeit der Krenzzüge, wo der religiöse Fanatismus Opfer suchte und vielfach bei den Inden fand. Trostlose Zeiten kamen für das arme jüdische Volk, „Tu suchest ihn täglich heim, und versuchest ihn alle Stunde", konnte man damals mit Hiob sagen. Gelegentlich der Pest wurden die Juden der Brnnncnvergiftnng beschuldigt, man quälte sie mit BekehrungSversuchungcn, und ließ ihnen oft nur die Wahl zwischen Tod und Taufe. Fürchterlich waren die Judenverfolgungen, von denen der Chronist uns berichtet, in ganz Deutschland, ganz Europa und man scheut sich von diesen Gräueln zu reden, möchten sie für immer vergessen werden können. Um ihres Geldes willen nahm man dann die Inden, wo man sie heute verjagt, in kurzer Frist wieder ans; unter dem Vorgebcn, den Preisgcgebenen, Schntzsuchendcn Schutz zu gewähren, preßte man ihnen enorme Geldsummen, als Entgelt für diesen „Schutz", der in Wahrheit nie und nimmer ein Schutz war, ab. Am genialsten verfuhr wohl der immer in Geldnoth steckende Kaiser Wenzel, der eines schönen Tages den guten Einfall hatte, in ganz Franken und Schwaben, Allen, wes Standes sie auch waren, welche Schulden an die Juden halten, diese Schuld, gegen Zahlung eines Theiles derselben an ihn, großartig zu erlassen; das war eine naive Finanzoperation, in der guten alten Zeit; man kann sich danach ein ungefähres Bild machen, von dem „Schutze", welchen die Inden genossen. Zügelloser Willkür und Rohheit preisgcgcben, lebten sie eine trauriges, stets gefährdetes Dasein, außerhalb des bestehenden Rechtes; sie hatten keine Hcimath, keinen Antheil an dem Wohl und Wehe des Landes, in dem sie wohnten. Und wie sie außerhalb des Rechtes standen, standen sie auch außerhalb der Gesellschaft; ihre Absperrung in die dunkeln schmutzigen Judengassen war das äußere Zeichen dieses Ausgestoßenseins; vom Ackerbau, den Handwerken und dem Großhandel war der Jude ansgeschlossen, Haß und Verachtung mußte er siihlen bei jeder Begegnung mit den Christen. (Fortsetzung folgt.) (Mit dem ersten Ureis gekrönt.) Motto: Leid bringt Legen. Zwei feindliche Brüder, von Abstammung fremd, bereisen die Völker der Erde. Der eine blutgierig den anderen hemmt, Oak er blühe und wachse und werde. Lo zogen sie einst vor langer Zeit Gen eine der mächtigsten Zinnen. Die dort dem ersten der Arnder geweiht, Dem zweiten galt ihr Entrinnen. Zlnd fragst Du, wer herrschte im fernen Äeich Damals, — so werd' ich's Dir künden, -Vereine die feindlichen Arnder. Logleich Virst auch die Lösung Du finden. Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wird gcloost und erhält der Gewinner: Einen Band von Dr. Lehmanns Erzählungen : „Aus Vergangenheit und Gegenwart?' Verantwortliche Nedaction: Dscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" n. „Jeschnrun" Schottstraße Nr. 2,Mainz Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbnchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.