Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1890)
- Date
- 1890-03-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448046--29663-2477406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
WWWWWWM XXXI. Jahrgang. (flftc Beilage zu ^§2l ües ,Jsrnelit“&, Jefttjurun“ Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Cassel. Zur Interpellation des Abgeordneten Zelle über konfessionelle Unterschiede bei der Zuführung von Schöffen und Geschworenen schreibt man dem „Verl. Tagbl." aus Hessen-Nassau: Seit Einführung der Geschworenen- und Schöffengerichte in Kurhessen wurde kein Unterschied bei Auswahl der Geschworenen gemacht, und selbst unter der so viel verschrieenen kurhessischen Negierung wurden Juden als Geschworene und Schöffen herangezogen. Erst in den letziverflossenen fünf bis sechs Jahren ist.es hier ausgefallen, daß Juden nicht mehr zugezogen wurden. Da wir bestimmt wissen, daß in den letzten vier Jahren im hiesigen Bezirk durch die vom Kreisausschuß ernannten Vertrauensmänner Juden als Geschworene gewählt wurden, ohne daß die Gewählten zu den Geschäften herangezogen wurden, so ist zu vermuthen, daß ähnlich wie in Schlesien, auch von dem Oberlandesgerichtspräsidenten zu Cassel Verordnungen in diesem Sinne erlassen worden sind. Will sich der Herr Justizminister überzeugen, ob von Seiten der Oberlandesgerichtspräsidenten eine Anzahl Staatsbürger, die beim Tragen der Lasten des Staates gewiß nicht in der letzten Reihe stehen, gewissermaßen zu Bürgern zweiter Klasse degradirt werden, so ist ihm das leicht möglich, wenn er bei den Landgerichten die nöthigen Ermittelungen anstellen läßt. Aus Oberfchlefien, 9. März. Der am 6. Mürz in Gießmannsdorf bei Neisse verstorbene Staatsminister Dr. Friedeuthal war der Neffe des jüdischen Schriftstellers Markus Beer Friedenthal, des bekanntenTalmudisten, welcher in Groß-Glogau 1779 geboren wurde und in Breslau 1859 starb. Von seinen zahlreichen schriftstellerischen Arbeiten, die alle Hebräisch geschrieben und ins Deutsche übersetzt wurden, ist besonders eine 1821 bis 1823 erschienene Charakteristik der jüdischen Religion hervorzuheben, in welcher das Judenthum gegen die vornehmlichsten Anklagen vertheidigt wird. — Der zum Nachfolger des Dr. Steinschneider als Direktor der israelitischen Gemeindemädchenschule designirte und nach anderen Berichten bereits gewählte Oberlehrer Dr. Adler in Schneidemühl ist der Sohn einer ehrsamen und strengreligiösen Wittwe in Ratibor. — Dieser Tage hielt der Verein gegen die Hausbettelei auswärtiger jüdischer Armer in Kattowitz unter Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. Cohn seine erste Generalversammlung ab. Der Verein darf auf die schönsten Erfolge zurückblicken, seine Tendenz, die lästige Hausvettelei zu vermeiden, ist, Dank der gebotenen Mittel, nach jeder Richtung hin bestens erfüllt. — Regierungsbaumeister Marcuse ist von der Negierung mit der Bauleitung des Amtsgerichtes Lublinitz betraut worden. — Herr Rabbiner Dr. B l u m e n t h.a l in Ratibor hielt vor einem geladenen Publikum von vierhundert Personen im „Prinzen von Preußen" einen Vortrag über „die Stellung des Weibes nach Bibel und Talmud." — Das „Pädagogium Krohn" (früher Arnstein) in Kätscher erbaut zwischen der Synagoge und der evangelischen Kirche ein neues staatliches Anstaltsgebäude. — Für das zu errichtende Kinderheim im Sool-Bade J assrzemb macht sich die lebhafteste Theilnahme der oberschlesischen israelitischen Gemeinden kund. — In dieser Woche tritt der oberschlesischc Gemeindebund zu einer Sitzung unter dem Vorsitz des Sanitätsraths Dr. Freund in Gleiwitz zusammen. Auf der Tagesordnung stehen u. a. die Constituirung eines Schiedsgerichts und die feste Begründung eines B au so nds für das zu errichtende jüd. Waisenhaus für Oberschlesien. — Die Beschwerde des Abgeordneten Zelle, daß Oberlandesgerichtspräsident v. Kunow ski in Breslau eine Verfügung erlassen, Juden als Geschworene möglichst zu vermeiden, hat auch hier lebhaftes Aussehen und große Befriedigung hervorgerufen. Der conservative „Oberschl. Anzeiger" schreibt, daß von einer solchen Verfügung, die verfassungswidrig wäre, nichts bekannt sei, gleichwohl aber steht die Thatsache fest, daß nur äußerst selten Juden vom Staatsanwalt acceptirt werden. Es ist zu erwarten, daß die Antwort des Herrn Ministers auch hierin Wandel schaffen wird. r. Thorn, 26. Februar. Gestern beging hier unter lebhafter freudiger Theilnahme weiter Kreise Herr Louis Kali scher, der Sohn des berühmten Rabbi Hirsch Kalischer in Thorn, ein ebenso trefflicher Mensch wie Talmudist seinen 70. Geburtstag. Ein Sohn des Jubilars ist Arzt in Berlin, ein zweiter Chemiker in Charlottenburg, ein dritter Amtsrichter in Ratibor. pp u i . {: f j:' -- |l '