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Der Israelit · 1890-03-06 · Heft 19 (6.3.1890) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 19 (6.3.1890)
Date
1890-03-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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MWWWMWWWWWW XXXI. Jahrgang. Ztveite BeilageM^19de8„I8rllM^L„Ieschurun". Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Frankfurt a. M., 21. Febr. Die Handelsleute Josef Süß und Hessekiel von hier reisten heute Nacht in Begleitung mehrerer anderer israelitischer Geschäftsleute von Kassel nach Frankfurt zurück. Sie benutzten einen Wagen 4. Klasse, woselbst sie auf ihren Reisekörben Platz nahmen und zum Theil einschliefen. In Marburg traten etwa 10 von der Wahl kommende Burschen in den Wagen mit dem Rufe: Böckel ist gewählt, Juden, steht auf, jetzt müßt Ihr nach Palästina. Es gab ein Schieben und Drängen in dem Wagen, den Worten folgten Thätlichkeiten und die mit Stöcken bewaffneten Burschen schlugen auf die Handelsleute los und mißhandelten sie erheblich. Herr Süß hat eine Verletzung am Finger, eine starke Beule an der Stirne und Wunden am Hinterkopf. Herr Hessekiel hat u. A. eine nicht unbedenkliche Wunde am Auge erlitten. Die rohen Gesellen schlugen so wild um sich, daß die im Wagen anwesenden Frauen um Hilfe schrieen und eine von ihnen die Rothlcine zog, worauf der Zug vor Frohnhausen zum Stehen gebracht wurde. Die meisten der Raufbolde, welche ohne jede Veranlassung über die ihnen persönlich unbekannten Israeliten hergefallen waren, suchten nun das Weite, doch gelang es, einige derselben festzuhalten und ihre Namen zu ermitteln. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der Hausbesorger Wolfgang und dessen Frau Maria hatten sich vor dem Strafgericht des Bezirksgerichtes Leopoldstadt zu verantworten, weil sie eine in ihrem Hause wohnende jüdische Partei, den Milchhändler Moritz Kraus mit antisemitischen Schimpfworten belegten und zwar in der eigenen Wohnung des letzteren. In der eingebrachten Klage wurde erwähnt, daß das Haus, woselbst der heißblütige Antisemit Wolfgang Geiger als Hausmeister bedienstet ist, ein jüdisches Stistungshaus sei, und daß das Haus, in welchem eine israelitische Religions- und Volksschule sich befindet, nur von Juden bewohnt werde, welche von dem Herrn Hausbesorger mit jüdischer Bagage u. s. w. titulirt wurden. Vom Richter zur Verantwortung aufgefordert, erklärte der Angeklagte, „daß er gegen die Juden im Allgemeinen nichts habe; denn er sei ni t in Worten und Thaten, sondern nur seiner Gesinnung nach ein Antisemit." Aus den Aussagen der Zeugen ging jedoch hervor, daß er und seine Frau diese Gesinnung in der Wohnung des Klägers auch in deutlichen Worten zum Ausdrucke brachten. Der Richter fand sowohl den Hausbesorger, als auch dessen Frau der Uebertretung des Ehrenbeleidigung schuldig und verurtheilte beide zu je 48 Stunden mit Fasten verschärften Arrest. Frankreich. Paris, 24. Febr. Ein Artikel des „Figaro" von Maurice Barr es über den Antisemitismus erregt hier allgemeines Aufsehen und wird wohl auch in Deutschland Beachtung finden. Der Verfasser konstatirt in demselben zunächst die lebhafte Zustimmung, die der Ruf „Nieder mit den Juden!" im Publikum, von den sozialistischen Boulangisten bis zu dem alten Adel, in deren Namen der Marquis von Mores in der Versammlung von Neuilly der Drumont'schen Losung zustimmte, also von einem Extrem der Gesellschaft zum andern, gefunden habe. Die Menge brauche immer ein Kriegsgeschrei, um sich zu sammeln, einen Ruf der Leidenschaft, der in faßlicher Form abstrakte Ideen darstelle. So war es mit dem „Vive Boulanger“, so sei es jetzt mit dem „A bas les Juifs!“ Dieser Haß sei eines der kräftigsten Gefühle, die unsere Eivilisation, namentlich in großen Städten erzeuge. Der große Gegensatz von übertriebenem Luxus und krassem Elend schaffe und nähre ihn unaufhörlich. Arme, Arbeitslose, mit ihrem sozialen Loose Unzufriedene jeder Art, die im Bois de Boulogne die Wagen junger jüdischer Bankiers an sich vorübersausen sehen, ergreifen die in der Luft liegende Losung und geben ihr die bestimmte Form. „A bas les Juifs“ heißt nichts weiter als „A bas les inegalites sociales!“ Die Juden seien Nebensache; der Zorn richte sich gegen die furchtbare Organisation des Kapitals, von der man sich bedrückt fühle. Der Antisemitismus sei kein Programm, sondern nur ein Sammelruf. „Sehen wir klar", fährt der Verfasser dann wörtlich fort. „Im Grund ist der Jude nur ein Adjektiv, das Alle, welche die Allmacht des Geldes mißbrauchen, bezeichnen will. Drumont erklärt, daß er gewisse Jsraliten sehr hoch schätzt, und wer würde den Großrabbiner von Paris

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