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Der Israelit · 1890-02-24 · Heft 16 (24.2.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 16 (24.2.1890)
Date
1890-02-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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' je v ,!* WM?». '-.ledWHW^VKrWV WVIMWW^WWWWWWWWWWW 275 Hand der liebreizenden Emmi7zu erringen, fortan einen streng religiösen Lebenswandel zu führen. — Wie sich sein Vater freuen würde — wie er ihm sicherlich alles verzeihen würde. — Wenn nur — ja, wenn nur — Der Greis verweilte noch einige Zeit bei dem jungen Manne, für den er sich in Wirklichkeit interessirte. „Aber nun wird es doch Zeit, daß ich gehe. Gute Nacht, mein lieber Herr Bärwald, schlafen Sie wohl, und machen Sie nur, daß Sie bis morgen wieder ganz gesund sind." „Ich bin schon gesund," ries Adolf, und er hatte in Wirklichkeit seine gewöhnliche frische Stimme wieder. „Ihre freundliche Theiluahme hat mich gesund gemacht. Wenn ich wollte, könnte ich gleich aufftehen." „Freut mich, daß Sie's könnten — aber ich denke, für heute ist's gescheidter, daß Sie schlafen, als daß Sie aufftehen. Also nochmals gute Nacht! und auf Wiedersehen morgen aus dem Verdeck!" „Gute Nacht," widerholte Adolf, „und aus Wiedersehen morgen aus dem Verdeck. — Und —" fügte er zögernd hinzu, „wenn ich Sie ersuchen dürfte — Fräulein Emmi meinen achtungsvollen Gruß überbringen zu wollen." „Werde ihn bestellen", entgegnete der Alte dem Andern freundlich zunickend, indem er langsamen Schrittes die Cabine verließ. Adolf blieb allein, er fühlte sich in der That nicht mehr krank — im Gegentheil, er fühlte sich frisch und froh und leicht — ein unnennnbar süßes Gefühl wie er es ehedem nie gekannt hatte, erfüllte seine Brust. „Emmi!" flüsterteer, „Emmi! — Du wirft mein guter Engel sein!" Ob sie es auch würde sein wollen, das fragte er in seiner gegenwärtigen hoffnungsseligen Stimmung nicht. — Er hatte die Theilnahme ihres Großvaters, den Gruß, den derselbe ihm von seiner Enkelin überbracht hatte, vielleicht allzuhoch angeschlagen. — Ein glückliches Lächeln umspielte seine Lippen, und während sein Blick in die Ferne gerichtet war, zogen vor seinem inneren Auge freundliche Bilder, glückverheißende Zukunftsträume vorüber. — „Emmi!" flüsterte er abermals, „Emmi! —" Mit dem festen Vorsatze, ein anderer Mensch zu werden, wähnte er bereits ein anderer geworden zu sein — wähnte alle die unlauteren Leidenschaften, alle die Vergehungen und selbst die Verbrechen, deren er sich schuldig gemacht hatte — nur geträumt zu haben. Er wähnte sich wieder unschuldig wie er als j Kind gewesen, bevor er das Böse auch nur dem i Namen nach gekannt hatte. — -Uftit Emmi's Namen | auf den Lippen schlief er endlich ein, ruhig, sanft,! glücklich. — Als hätte er Lethe getrunken, so hatte! er sein ganzes bisheriges Leben vergessen.? Als er am anderen Morgen erwachte, fühlte! er sich wunderbar gestärkt. Die Sonnenstrahlen! fielen durch die mit rothseidencn Vorhängen verhängten Fenster der Cabine und hüllten den ganzen Raum in rosiges Licht. In rosigem Lichte erschien dem jungen Manne auch seine Zukunft. Rasch erhob er sich und kleidete sich an. Im Aufsein empfand er doch noch eine gewisse Schwäche, doch hielt er sich stark genug, sich auf's Verdeck zu begeben, und hoffte auch, sich in der frischen Lust rascher vollständig zu erholen. Indem er sich mit beiden Händen fest an dem Geländer hielt, schritt er langsam die Stiege hinan. Oben angekommen, mußte er doch einige Augenblicke ausruhen, bevor er weitcrgehen konnte. Emmi hatte ihn jedoch von Weitem bemerkt, mit ausgeftreckter Hand eilte sie ihm entgegen. „Guten Morgen, Herr Bärwald! — wie geht es Ihnen? — Der Großpapa wird sich freuen, daß Sie wieder hier oben sind." Mit leicht vibrirender Stimme erwiderte er ihren Gruß, aber ihre Hand ließ er nicht sofort aus der seinen und wagte es sogar, sie leise zu drücken. Sie erröthetc leicht und zog ihre Hand zurück. „Sie scheinen doch noch ziemlich schwach zu sein. Wollen Sie sich ans meinen Arm stützen, so führe ich Sie zum Großpapa." Er mußte lächeln über ihr Anerbieten, er, der baumstarke Mann sollte sich aus das zarte Mädchen stützen! — Dennoch sprach er, und seine Stimme war abermals nicht ganz sicher -. „Sie sprechen immer nur von Ihrem7'Großpapa, Fräulein — haben Sie mich denn gar nicht vermißt in diesen zwei Tagen? — und ich habe doch unablässig an Sie gedacht." „O, wir haben auch oft von Ihnen gesprochen, der Großpapa und ich", versetzte sie unbefangen, „und ich freue mich auch herzlich, daß Sie wieder gesund sind. — Aber schwach sind Sie doch noch — Sie scheinen sehr gelitten zu haben." „Sehr", bestätigte er. Und plötzlich trat wieder alles, was er gelitten, lebhaft vor seinen Augen, nicht nur seine pysischen Schmerzen, sondern auch was er Psychisch und moralisch gelitten. Wie er geglaubt hatte, sterben zu i: l’j i j 1 I

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