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Der Israelit · 1889-06-17 · Heft 48 (17.6.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 48 (17.6.1889)
Date
1889-06-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. J5 tilnj t ju M48 ö tsjteraellf & „Ieschurun Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Die Geschichte Josefs von Mar Narses nach einer syrischen Handschrift der Königl. Bibliothek in Berlin, herausgegeben, übersetzt und kritisch bearbeitet von Dr. Victor Grabowsky. 1. Theil. Berlin. 35 S. 81. Kaum eine zweite biblische Gestalt ist so sehr zur Lieblingsfigur in den Literaturen der verschiedensten orientalischen Völker geworden, wie Josef, der Sohn des dritten Patriarchen. So bunt aber auch die Sage seine Gestalt mit ihrem Flitter schmückt, keine dichterische Feder hat den Hauch der keuschen Reinheit nachzuzaubern vermocht, wie ihn die nüchterne und dabei so ergreifende Wahrheit der Bibel uns überliefert. Es ist durchaus kein Wunder, wenn die Geschichte Josefs, die, um mit Voltaire zu sprechen, eines der kostbarsten auf uns gekommenen Denkmale des Alterthums ist, sehr viele poetische Bearbeitungen erfahren hat. Außer den agadischen Deutungen des Talmuds, des Midrasch, der Targumim und später des Sefer hajäschar haben besonders die christlichen Völker des Orients und die Muhamedaner diese Ueberlieferungen sich angeeignet und sie nach ihrer religiösen Anschauung bearbeitet. Sa erhielt sich die Geschichte Josef's von Jahrhundert zu Jahrhundert. Berühmt ist Firdusis Allegorie „Jussuf und Suleicha." Auch das in nestoriamscher Schrift geschriebene Manuskript, welches die vorliegende Arbeit bis zur ersten Hälfte edirt, enthält ein längeres Gedicht über Josef. Als Verf. des Gedichtes gilt der berühmte Hymnendichter der Nestorianer Mar Narses, welcher wohl das Griechische, aber kaum das Hebräische verstand, Ephrem stark benutzte und auch häufig altjüdische Traditionen den griech. Uebersetzungen entlehnte. Die vorliegende Schrift enthält den ersten Theil des syrischen Textes mit deutscher Uebersetzung. Der Inhalt des Gedichtes zeigt, wie mich bedünken will, auf den ersten Augenblick, daß wir es hier mit einer fast wörtlichen Entlehnung oder Uebersetzung aus hebräischen Quellen zu thun haben; ganze Stellen haben wir anderswo schon gelesen. Gleichwohl durchzieht eine poetische Empfindung das Gedicht, und es wäre nur zu wünschen, daß der Verfasser welcher in der correcten Edirung des Textes und in zahlreichen Anmerkungen sein tiefes syrisches Wissen kundgethan hat, recht bald des Gedichtes zweiten Theil der Oeffentlichkeit übergeben möge. * * * Die Scholien des Bar-Hebräus zu Ruth und den apokryphischen Zusätzen zum Buche Daniel nach den vier in Deutschland befindlichen Handschriften von Bar-Hebräus' ndn Tsn» edirt, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von vr. A. Heppner. Berlin. 33 S. LI. Auch diese Arbeit ist ein Produkt ernsten Fleißes und eindringlicher Forschung. Mit der vorliegenden Schrift ist von dem berühmten jacobitischen Schriftsteller ein weiterer Theil seines theologischen Werkes „Schatz der Geheimnisse" zur Veröffentlichung gelangt. Zur Herstellung eines möglichst genauen Textes hat der Verf. vier Handschriften verglichen. Die Einleitung beschreibt kurz die Handschrift. Zahlreiche Anmerkungen bringen einige werthvolle Deutungen schwieriger Wörter; im Uebrigen hat die Arbeit zur spezifisch-jüdischen Wissenschaft keinerlei Beziehung. Interessant ist nur die Meinung des Barhebräus über die Absicht der Abfassung des Buches Ruth: es zeige das Prototyp der Völkervereinigung in Ruth, der Ammoniterin und Moabiterin, welche ihr Volk und ihr Vaterhaus vergaß, der gläubigen Noemi sich anschloß und zu ihr sprach: Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott! * * * Einleitung in d en Talmud von Prof. Hermann L. Strack. Sonderabdruck aus der Realencykloplädie für protestantische Theologie und Kirche. Leipzig. Verlag von Hinrichs. 76 S. Preis 1.20 Mk. 81. „Zur Einleitung in den Talmud" oder „Literarhistorische Einleitung in den Talmud" wäre vielleicht der richtige Titel für diese verdienstvolle Arbeit gewesen, welche mit echt deutschem Fleiße überaus viel literarhistorisches Material über den Talmud in übersichtlicher Gruppirung darftellt. Eine wirkliche „Einleitung in den Talmud" ist von jüd. Autoren schon wiederholt versucht, aber bis heute wegen der unendlichen Schwierigkeiten auch nicht entfernt erschöpfend geschrieben worden. Gleichwohl darf das, was der Verf. an sich in dieser Schrift bietet, alle Freunde der Talmudforschung zu lebhaftem Danke verpflichten. Die Schrift enthält

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