Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 46-47 (12.6.1889)
- Date
- 1889-06-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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xxx. Jahrgang. Zweite Beilage M^465- 47 des „Israelit" & „Irschurun". Zeitungsnachrichten nn- Correspondenzen. Deutschland. Worms, 31. Mai. In würdig-ernster Weise wurde heute hier der zweihundertjährige Gedenktag der Zerstörung ver Stadt Worms durch die Franzosen (31. Mai 1689) gefeiert. Die Feier war einerein kirchliche. Nachdem gestern Abend (8—9 Uhr) das festliche Geläute von sämmtlichen Kirchen der Stadt den Bewohnern den wichtigen Gedenktag ins Gedächtniß gerufen hatte, folgte heute Nachmittag in den Kirchen aller Konfessionen (Protestanten, Katholiken und Israeliten) Festgottesdienst, an welchem sich die Behörden und die Schulen Ln eorxore betheiligten. Berlin, 1. Juni. Zu den gestrigen Auslassungen der „Kreuzzeitung" für den Antisemitismus bemerkt die „Norddeutsche": In der Dunkelheit dieser Sätze ist nur das Eine klar, daß die „Kreuzzeitung" auch in dieser Angelegenheit die Anschauungen der conservativen Parteien nicht vertritt. Leipzig, 30. Mai. In den ersten Tagen des Monats Juni begeht das sächsische Königshaus die Feier seines 800jährigen Bestehens. Reich an einer ruhmvollen Vergangenheit, hat das Volk der Sachsen stets mit Treue und Hingabe, mit Liebe und Verehrung seinem Fürsten gedient — und in den Zeiten der Noth nach besten Kräften und edelster Unterthanenpflicht Gut und Blut, Leben und Gesundheit für Erhaltung des theuren Vaterlandes und der Krone gegeben. Wenn nun das tiefbegeisterte sächsische Volk seine patriotischen Jubellieder ertönen läßt, und überall, so weit die theure Sachsenerde reicht, der Ruf ertönt: „Heil König Albert", so stimmen auch die sächsischen Israeliten mit ein in diese Jubelhuldigungen, denn Albert, unser theurer König ist allen Unterthanen ein treuer hochherziger Laudesvater. Wie sehr der königliche Held die konfessionellen Streitigkeiten haßt, geht aus einer Aeußerung hervor, die der edle Monarch einst im sächsischen Landtage that, als judenfeindliche Gesinnungen laut wurden. „In meinen Landen sind alle Unterthanen, welcher Glaubensgemeinschaft sie auch angehören mögen, gleichberechtigt!" — Also sagte der König kurz, aber energisch und hat damit ein für allemal seine Gesinnung kund gethan, obwohl durch diese königliche Aeußerung das frevelhafte Treiben der Antisemiten in Sachsen nicht aufgehört hat. Wir hoffen aber, daß unser allverehrter König von der Notwendigkeit durchdrungen sein wird, uns sein königliches Wohlwollen durch übelwollende Einflüsse nicht zu verkürzen, sondern er wird selbst anordnen, selbst befehlen, — und sein eigener Wille wird diejenigen Diener fern halten von seinem Werke der Huld und Gerechtigkeit, die feindlich im Keime die Frucht des Wohlwollens für uns zu ersticken und zu zertreten suchen. — In Sachsen mußten die Israeliten die schwersten Kämpfe bestehen, ehe man ihnen Menschen- und Bürgerrechte verlieh, umsomehr empört es uns, daß wir, eine kleine Zahl ruhiger Bürger, nicht in Frieden und Ruhe zu leben vermögen! Das unerhörte Treiben von Leuten: wie Fritzsch und Sonnenberg, die verblendete Hetzerei der Leipziger Zeitung erschweren uns nicht nur das Dasein, sondern lassen uns gereizt werden, denn welcher ehrenwerthe Mensch vermag Hohn, Spott, Schimpf und Verleumdungen zu ertragen, ohne sich zu verteidigen? Wir haben ja nicht zum Kampfe gerufen, wir sind noch müde des Streites von Alters her, es war ja von jeher die Absicht der Feinde uns zu verleumden und zu reizen — und dann unsere Verteidigung zu verdächtigen. Wahrlich, unsere Feinde sind nicht edelmütig! Gewiß, wir fühlen es, unser Frieden soll erkanft werden durch den Kampf, nun wohlan, so sind wir auch bereit, nicht mit heimlichen verkappten Waffen, nicht mit Schimpf- und Schmähreden, nicht mit Hohn und Spott, nein auf offenem Felde mit gerechten Waffen: mit Gründen, Beweisen und so wahr uns Gott helfe, durch die That! — Wird in Sachsen nicht bald der Anfang gemacht, Leute wie Fritzsch und Sonnenberg wegen Aufreizung zum Landfriedensbruch in Anklagestand zu versetzen, so werden wir bald die Folgen des gesetzeslosen Gebahrens merkbarer fühlen. Wie viele Hausirer, wie viele kleine Geschäftsleute sind nicht mehr im Stande sich zu halten, — der Antisemitismus hat sie ruinirt! So werden sie unfähig gemacht, Staatsbürger zu sein, so vermögen sie ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen — und so ist der Beweis geliefert, daß der Antisemitismus die Kräfte des Staates verzehrt! Endlich aber hoffen wir zu Gott, daß er König Alberts Regierung beschirme und der Geist der