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Der Israelit · 1889-05-02 · Heft 35 (2.5.1889) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 35 (2.5.1889)
Date
1889-05-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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626 erbauen lassen und zeigte sich stets den Ortsarmen gegenüber als wahrer Wohlthätcr, wobei er von einem Glaubensunterschied nichts wissen wollte. Er vertheilte oft Brod und Fleisch den Armen. Um den jüdischen Armen die Annahme seiner Spenden zu ermöglichen, ließ der katholische Priester Kälber vom Schächter schlachten und das Koscherfleifch an die jüdischen Armen vertheilen. Ehre dem Andenken eines so edlen Priesters! Pretzburg, 23. April. Heute versammelten sich die Wähler des ersten Wahlkreises, um das offene Sendschreiben anzuhören, das der Abgeordnete dieses Bezirkes, Juftizminister Desider Szilagyi, aus Anlaß seiner Mandats-Niederlegung an seine Wähler gerichtet hat. Dem offenen Brief, welcher mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde und das Programm des neuen Ministers enthält, entnehmen wir folgende Stelle: Es war eine beständige Leit-Idee unserer politischen Bemühungen, welche sich namentlich seit den Vierziger-Jahren entschieden geltend machte und den Hauptzielpunkt der Reformen von 1848 bildete: eine einheitliche politische Nation, ein einheitliches Ungarn zu schaffen. Das ist ohne Rechtsgleichheit zu. erreichen unmöglich. Unsere Geschichte dieses Jahrhunderts ist erfüllt von ernsten, in dieser Beziehung auf Erfahrungen basirten Beweisen. Religion, Nationalität, sociale Lebensstellung, wirthschaftliche Interessen bringen Unterschiede mit sich und erhalten dieselben; so vielen auftheilenden Factoren gegenüber ist das verbindende Glied in der Einheitlichkeit des Rechts, der Cultur und des inneren staatlichen Organismus auf Grund dieser Einheitlichkeits-Ideen zu finden. Die Einheit der auf jeden Staatsbürger sich erstreckenden Rcchtsinstitutionen ist ein mächtiges Bindemittel und eine aufrechterhaltende Kraft in Bezug auf den Staat. Doch nur dann, wenn sie der Idee der Gleichheit der Staatsbürger entspricht, wenn sie den Unterschieden keine gesetzliche Sanction ertheilt, wenn sie keine gesetzlichen Scheidewände zwischen die Staatsbürger zieht, sondern sich über jeden Unterschied erhebt und das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit und das Gefühl der Verschmelzung erweckt, und wenn dieses Prinzip in der Vollziehung der Gesetze und in dem Genüsse der Wohlthaten der staatlichen Funktionen erweckt wird. So oft die Nation in kritischen Zeiten gelebt, so oft sie zu großen nationalen Kraftanstrengungen aufgerufen werden mußte, war es das Prinzip der Gleichheit der Staatsbürger, auf welches wir uns stützten, war dies die Quelle der Kraft, aus welcher wir schöpften. Doch die Nation lebt nicht nur in kritischen Zeiten, und was die Quelle unserer Kraft in solchen Zeiten war, möge auch in den Institutionen verkörpert sein, auf daß die gegenwärtige und kommende Generation in deren Athmosphäre heranwachse. Es gibt keine Nation, welche die politische Freiheit mehr lieben würde, als die ungarische, es gibt keine Nation, welche heiklicher darauf sehen würde, daß über sie nur eine gesetzliche Herrschaft geübt werde. Die politischen und persönlichen Freiheitsrechte, sowie die Staatsgewalt müssen gleich gesetzlich bestimmt sein. Budapest, im April. Wie wir erfahren, sprach am 11. d. M. eine Deputation der ung. orth. Rabbiner unter Führung des Papaer Oberrabbiners Dr. Salomon Breuer beim Cultusminister, Graf Alb. C sa ky, vor und unterbreitete demselben ein von nahezu 300 orth. Rabbinern gefertigtes Memorandum in Angelegenheit der Zurücknahme des von weil. Cultusminifter Trefort erfolgten Erlasses die Ordnung der jüdischen Cultusangelegenheiten betreffend. Herr Dr. Breuer setzte in einer gediegenen ungarischen Rede dem Minister den Standpunkt der Orthodoxen auseinander und wies auf die nachtheiligen Folgen hin, welche der bezügliche Erlaß bereits hervorgerufen hat und in der Folge noch Hervorrufen dürfte. Der Minister empfing die Deputation aufs freundlichste, dankte für die erhaltene gründliche Aufklärung und versprach, alles Mögliche im Interesse der Orthodoxen auszubieten. Nachdem noch Herr Oberrabbiner Dr. Breuer die einzelnen Mitglieder der Deputation dem Minister vorgestellt, wurde dieselbe mit freundlichen Händedrücken entlassen. Budapest. Nach längerem Leiden verschied am 26. März in Preßburg der Stadtpfarrer Bischof Karl Heiller. Es soll dem Verstorbenen unvergessen bleiben, daß er 1848, als der trunkene, aufgehetzte Pöbel in den Oftertagen die Theresiastadt plündernd und zerstörend durchzog und sich der Altstadt zuwandte, um auch dort in den Judenhäusern sein Zerstörungswelk fortzusetzcn, im Ornate, das Kreuz in der Hand, den Tobenden entgegentrat und LMh die Macht seiner Rede dem Wüthen EinhalEMt. Zum Danke erwählte die jüdische Gemeinde ihn zum Inspektor der jüdischen Volksschule und gab ihrer Hochachtung und dankbaren Gesinnung bei den verschiedensten Gelegenheiten, so bei seinem 50jährigen Priesterjubiläum, wiederholt Ausdruck.

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