Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1889)
- Date
- 1889-03-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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_XXX. Jahrgang. Atvetle BeilageM^25ües„IsraM"L„IeschurM". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Kurnik, 21. März. Am 1. April d. I. verläßt Rabbiner Herr A. Wolff unsere Stadt, um nach Haigerloch in Hohenzollern überzufiedeln. Durch sein hervorragendes Wissen, durch seinen biederen, ehrbaren Charakter, durch seine Zuvorkommenheit, stete Bereitwilligkeit, den seines Rathes Bedürftigen mit aufrichtiger Hingebung behilflich zu sein, durch sein Streben, begabte Kinder ohne Ansehen der Person in uneigennütziger Weise weiter auszubilden und für höhere Schulen vorzubereiten, hat er sich den Dank, die Achtung und Verehrung der hiesigen Gemeindcmitqlieder in hohem Grade erworben. Auch von der Königlichen Regierung wurde ihm für seine ersprießliche Thätigkeit als Lokalschulinspektor Anerkennung zu Theil. Leider sind dem wackeren Manne ebensowenig, wie seinem bereits verewigten Vorgänger, Herrn Dr. H. Jaffg die Bitterkeiten des Berufes hier nicht erspart geblieben. Mit innigem Bedauern sehen wir ihn von hier scheiden, und aufrichtige Glück- und Segenswünsche begleiten ihn nach dem Orte seiner neuen Wirksamkeit. Dr. Pulvermach er, prakt. Arzt. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Dem sechsundvierzigsteu Jahresbericht des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten entnehmen wir: Unser Verein hat im laufenden Jahre einen — wie wir hoffen — dauernden Aufschwung genommen und eine ausgebreitetere Thätigkeit denn je zu entfalten vermocht; als die kennzeichnendsten Ziffern heben wir hier hervor, daß sich die Gesammtzahl unserer Zöglinge von 854 im Vorjahre auf 1026 erhöht hat, von welchen noch am Schluffe 799 gegen 620 am Beginn unter unserer Obhut verblieben sind. Die Möglichkeit, einer so großen Anzahl armer und hilfloser Knaben die Unterstützung unseres Vereines angedeihen und für die daraus entstehenden, unsere bisherige Jahres-Einnahmen bedeutend übersteigenden Kosten aufkommen zu können, verdanken wir in erster Linie Herrn Moritz Freiherrn vonHirsch, der unserem Vereine in wahrhaft munificenter Weise eine Jahres-Subvention von 14,000 fl. mit der Bestimmung überwiesen, daß wir hievon die Kosten einer Anzahl (zu je einem Drittel aus Galizien, aus den sonstigen österreichischen Kronländern und aus Ungarn) aufzunehmender Zöglinge bestreiten und in Folge der damit verbundenen Entlastung unseres Budgets haben wir verschiedene Verbesserungen eintreten lassen können. Seit Bestehen des Vereines mußten wir nämlich, um mit den uns zu Gebote stehenden Einnahmen das Auslangen finden und unserer ersten Pflicht, möglichst viel Kinder dem Handwerke zuzuführen, genügen zu können, darauf bedacht sein, die Erhaltungskosten des einzelnen Knaben auf das Allernothwendigfte zu reduciren, um auf diese Weise den Bedarf der in weit höherem Maße als unsere Einnahmen wachsenden Zöglingszahl auszugleichen. Begreiflicherweise vermochten wir dadurch unseren Kindern gar Manches nicht zu bieten, dessen sie dringendst bedurften und dessen Mangel wir selbst gleich schwer empfanden. Wir erwähnen nur beispielsweise, daß wir bis zu diesem Jahre nicht im Stande waren, unsere Zöglinge mit Winterröcken zu betheilen, sondern sie in dieser Richtung auf die Unterstützung ihrer Eltern oder sonstigen Verwandten verweisen mußten, daß wir weiters bei der Wahl des Handwerkes von vornherein alle jene Professionen ausschließen mußten, welche größere Auslagen an Lehrgeld rc. erfordern, und daß wir auch begabteren Zöglingen die Fortbildung im technologischen Gewerbemuseum und den höheren Gewerbeschulen wegen der damit verbundenen Auslagen nicht angedeihen lassen konnten. Wir mußten es uns endlich aus dem gleichen Grunde versagen, unsere Kinder zum periodischen Besuche von Badeanstalten zu veranlassen, wiewohl wir die Nothwendigkeit dieser Maßregel im Hinblicke auf das körperliche Wohl derselben schon lange erkannt haben. Durch den namhaften Betrag, welchen unS Herr Baron Hirsch für das verflossene Jahr zur Verfügung gestellt und dessen Verwendung in Gemäßheit der von uns erstatteten Vorschläge genehmigt hat, waren wir nun in die Lage versetzt, einerseits die obengeschilderten schwer empfundenen Uebelstände nach Möglichkeit zu beseitigen, andererseits aber auch bei der Neuaufnahme von Zöglingen die aus Rücksicht auf die Erhaltung des Gleichgewichtes in unserem Haushalte bisher geübte Rigorosität fallen zu lassen und insbesondere die Beschlüsse