Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1889)
- Date
- 1889-03-14
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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396 Malkeleben. Mit diesem Gelbe könnten sich die jungen Leute einen Hausstand gründen, ein Geschäftchen anlegen, könnten zufrieden, glücklich werden, und er der Pürez — der reiche Herr — würde diesen Verlust gar nicht verspüren. Eine Entdeckung ist so gut wie ausgeschlossen, denn wie mir Jean der Lakai erzählte, hat er den Rock schon vor 2 Wochen vom Grafen zum Präsente bekommen, wie er also bis heute das Geld nicht vermißt, so wird er vielleicht nie darauf kommen, daß es überhaupt fehle. Ich könnte damit das Glück meines Kindes begründen und der Magnat wäre nicht ärmer. Soll ich?" Er hielt in seinen: Monologe inne, schlug die Augen auf und sein Blick fiel aus Frau und Tochter. Die Letzteren bemerkten nichts von seiner Erregung, denn der Leib befand sich in einer.Nische und vor ihm waren diverse Kleidungsstücke pyramidenartig ausgestellt. „Soll ich", begann er wieder, „soll ich sie zu Rache ziehen? Rein, ich will diesen Kampf allein auskämpfen. Groß ist die Versuchung, denn es ist ja ein ganzes Vermögen. 500 Gulden! Wahrlich, lange, lauge schon war solch ein Betrag nicht in meinem Besitze. Also, soll ich das Geld einstecken? Es ist richtig, zu befürchten wäre nichts und Malkeleben könnte wirklich in Freuden heirathen. Aber, aber soll der Grundstein ihrer zukünftigen Existenz ein sündhafter sein? soll ich deshalb eine Sünde begehen? Soll ich auf meine alten Tage mein Gewissen belasten, meine bis! jetzt reinen Hände mit einer frevelhaften That besudeln? Nein und tausendmal nein. Ich bin arm, aber redlich und will Niemande« belügen. Wenn es Gottes Wille ist, daß meine Tochter heirathe, nun so wird er mir auf eine ehrliche Weise dazu verhelfen. Morgen mit Tagesanbruch stelle ich die Brieftasche nebst Inhalt ihrem rechtmäßigen Eigenthümer znrück und jetzt will ich von meinem Funde keine Erwähnung machen, wer weiß, man könnte es versuchen meinen einzig richtigen Entschluß zu erschüttern. Gott, Dir vertraue ich die Zukunft der Meinigen an, Du wirst sic nicht verlassen." * * * Kaum graute der Tag im Osten, als Leib, der Trödler, fein Lager verließ. Um aufrichtig zu sein, müssen wir gestehen, daß er die ganze Nacht kein Auge schloß und unruhig sich herumwälzte. Die Brieftasche unter seinem Kopfkissen lastete ihm zentnerschwer auf der Brust und sein ganzes Wesen war fieberhaft aufgeregt. Während der langen, schlaflosen Nacht kehrte die Versuchung mehr als einmal wieder und es bedurfte des Aufgebots all seiner Kräfte, um in diesem Kampfe nicht zu unterliegen. Er verließ früh Morgens seine Wohnung, machte sich auf den Weg und die frische Morgenluft wirkte wohlthuend auf seine aufgeregten Lebensgeister. Da es noch zu früh war, um zum Grafen gelangen zu können, trieb er sich in den noch wenig belebten Straßen herum. Endlich glaubte er beim Magnaten schon vor- > gelassen werden zu können und er betrat das Palais. Hier j begegnete er der noch schlaftrunkenen Dienerschaft, und die glotzte! den Trödler verwundert an, was der in so früher Morgenstunde! und obendrein am Sonntag, da zu suchen habe.! Leib bat, man möge ihn dem Grafen anmclden, da er! denselben in einer, ihn den Grafen betreffenden, wichtigen An-! gelegenheit sprechen müsse. Aber der Aristokrat ruhte noch in j den Federn, und Leib mußte über eine Stunde im Corridor warten. Endlich wurde er in ein Vorzimmer geführt und der Kammerdiener verlangte, daß er sein Begehren namhaft mache, denn sonst könnte er ihn nicht annonciren. Leib erwiederte, daß er dem Grafen, einen demselben abhanden gekommenen, kostbaren Gegenstand zurückzustellen habe. Die Dienerscele machte große Augen und eilte nach den innern Appartements. Wiederum verstrich gegen eine halbe Stunde, befangen antichambrirte Leib in dem luxuriös ausgestatteten Vorsaale und getraute sich nicht Platz zu nehmen. Endlich that sich die Thüre auf, und er befand sich dem Grafen gegenüber. Derselbe war noch im Schlafrocke, ruhte mi: vornehmer Nonchalance in einem Fauteuil, hatte die Beine übereinandergeschlagen und blies von sich die blauen, duftenden Wolken seiner Morgencigarre. Der Trödler betrat mit einer tiefen Verbeugung das Gemach, zog die Brieftasche hervor und sie hinhaltend erzählte er, auf welche Weise er in ihren Besitz gelangte, öffnete sie und zählte den Inhalt auf den Tisch. Der Graf konnte anfänglich seine Ucberraschung nicht unterdrücken, schnellte von feinem Sitze empor, aber gleich gewann er seine Fassung und sein stolzes Wesen wieder. „Es ist schön von Ihm", sprach er, „daß Er mir mein Eigenthum znrückstellt, denn bei Leuten Seinesgleichen ist man nicht daran gewöhnt. War wirklich kein größerer Betrag in der Tasche? denn ich kann mich darauf nicht erinnern." Leib war von dieser Arroganz empört, konnte aber für seine Entrüstung keine passenden Worte finden. Der Graf merkte seine Aufregung und sich stolz emporrichtend, meinte er: „Vergesse Er nur nicht, vor wem Er steht; Finderlohn kann Er nicht beanspruchen, denn die Brieftasche war ja nicht verloren, aber hier nehme Er", und er legte eine 5 Gulden-Note aus den Tisch. Jetzt richtete sich Leib stolz empor, seine Augen leuchteten, und mit einer verächtlich-zornigen Geberde schleuderte er die Banknote dem Grafen zu Füßen. „Dieses Benehmen war eines Grafen unwürdig und ein Almosen verlangt der Jude nicht", quoll es über seine Lippen, und ohne sich umzusehen verließ er das Zimmer. Gebeugt und langsamen Schrittes trat er seinen Heimweg an und sein Blut wallte auf ob der ihm widerfahrenen Behandlung. Dieser schnöde, gräfliche Dank raubte ihm beinahe die Besinnung, und in seiner begreiflichen Erbitterung war er nahe daran, seinen Schritt zu bereuen. In dieser Gemüthsverfassung langte er zu Hause an. Da kam Berel, der Belfer, herangestürmt, seine Wangen glühten, die Augen funkelten, sein Athem keuchte und „Malkele" kam es mit schwerer Mühe über seine Lippen. In seiner Rechten hielt er triumphirend einen langen, schmalen Lotteriezettel und „tausend Gulden gewonnen", kam es gurgelnd aus seiner Kehle. Leib richtete stumm und gerührt seinen dankbaren Blick gen Himmel. — S. Horowitz, Krakau. G h a r a d e. ‘i D y y 'j 'o ‘b "d " '♦ '* 'n ')')') 'n Obige 17 Buchstaben ergeben die fünf folgenden Worte: 1) Eine Beschützerin jüdischer Knaben. 2) Eine Sidra. 3) Ein Nachkomme Sems. 4) Ein Getränke. 5) Ein Gewürz. Die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben besagen was? Reilingen. A. Heimberger, Lehrer. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (OScar Lehmann) in Mainz.