Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1889)
- Date
- 1889-03-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447969--28189-2475859- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXX. Jahrgang. Zweite Beilage des „Israelit" L„Ieschurun". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Kör-orf, 4. März. Am 1. März fand dahier eine, der gegenwärtig hier lebenden Generation ganz fremde, aber dennoch herrliche Feier statt. Der Kaufmann Herr Gerson Löwenberg dahier hat der hiesigen Gemeinde ein mir, tdd zum Geschenk übergeben. Gegen die Annahme wurden von Seiten des hiesigen Cultus-Vorstandes Protest erhoben, so wurde z. B. zum größten Erstaunen Aller, dem hiesigen Lehrer, einen Tag vor der Einweihung, vom Vorsteher, Herr Salamon Arnstein, jede religiöse Handlung mit derselben untersagt, mit der Bemerkung, er solle seine Hände davon Lassen. Nach großer Mühe und vielen Kosten ist es doch dem Herrn Löwenberg gelungen, die Annahme des herrlichen Geschenkes zu erwirken und so wurde das schöne Fest in folgender Weife gefeiert. Gegen Abend des obenbezeichneten Tages versammelte sich fast die ganze jüdische Gemeinde, mit Ausnahme der drei Vorsteher, im Hause des Herrn Löwenberg, wo das nmv Gebet verrichtet wurde; von da wurde die min ibd unter einer nein feierlichst nach der Synagoge getragen, wobei sich fast die ganze hiesige christliche Gemeinde betheiligte. Unter entsprechenden Gesängen und nach einer gehaltvollen Rede unseres Lehrers M. Eisenberger über die Bedeutung der min, anschließend an die Worte u»n xin »d wurde das “iöd in das mpn px gesetzt, rrmy n?sn und der Gesang schloß die schöne Feier. Die Freude mit dieser nun nsv ist für unsere Gemeinde eine doppelte: 1. Unsere bisher gebrauchten cmsD sind in einem sehr fchlechen Zustande, deren Renovirung uns große Kosten verursacht hätte. 2. sind wir nicht mehr genöthigt in einem min ibd *?idd zu leienen. (Schöne Zustände! — Red.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die Gesellschaft dunkler Ehrenmänner, die unter dem Deckmantel des Antisemitismus lügen, fälschen, stehlen und betrügen, hat einen interessanten Zuwachs erfahren. Ein engerer journalistischer College der antisemitischen Zeitungsherausgeber Vergani und Vetter ist als Dieb verhaftet und dem Landesgerichte eingeliefert worden. Vor wenigen Tagen wurde, wie die Tagesblätter meldeten, bei der Band- und Seidenwaaren- Firma Adolf u. B. Hofbauer, Wien, I., Tuchlauben, ein großer, seit längerer Zeit fortgesetzter Waarendiebstahl entdeckt. Als Diebe wurden verhaftet ein in dem genannten Geschäfte bediensteter Commis und Mitherausgeber eines an tis emitischenWochenblättchens der erbärmlichsten Art, der „Jllustrirten Volkszeitung", „Organ der Antisemiten." Daß in diesem Blättchen öffentlich gegen die jüdische Corruption gewettert und heimlich nach bekanntem Muster verschiedene unsaubere Geschäfte gemacht werden, wäre seit dem Jnslebentreten des „Deutschen Volksblattes" für einen Antisemiten nicht allzu belastend. In den Mußestunden aber, die ihm der Kampf für die heilige (!) und ehrliche (!) Sache des Antisemitismus übrig ließ, betrieb er ein einträglicheres Gewerbe — er war Diebshehler und besorgte den Verkauf von gestohlenen Maaren. Der Mann ist ein Märtyrer, der mit bewunderungswürdiger Selbstaufopferung das jüdische Capital anzapfte und sich hiebei kühn über die Bestimmungen des Strafgesetzes hinwegsetzte. Er hat die antisemitische Theorie in's praktische Leben eingeführt und ist bei diesem Experiment verunglückt. Ein allerdings noch unverbürgtes Gerücht will nämlich wissen, daß die antisemitischen Journalisten Wien's beabsichtigen, den Herrn nach seiner Entlassung aus dem Kerker auf ihren Schultern im Triumphe nach Hause zu tragen. Er ist ein echter und rechter Vertreter der antisemitischen Rasse, und der antisemitische Geist, den er in seinem Wochenblatte vertrieb, ist ebenso unverfälscht wie die gestohlene Waare, die er verkaufte. Der Werth der Letzteren beläuft sich auf 10,000 fl.; wie hoch seine Mitwirkung im Kampfe gegen die jüdische Corruption anzuschlagen ist, darüber ist nur Herr Vergani ein competenter Richter. Bei der gerichtlich vorgenommenen Haussuchung fand man bei dem Dieb das Gebet eines Antisemiten. Sende, Herr, den Moses wieder, Daß er seine Glaubensbrüder Hinsühr' ins gelobte Land. Lasse dann das Meer sich theilen Und die hohen Wassersäulen Feftstehen wie im ehernen Band. Wenn dann in diesen Rinnen Alle Juden sind darinnen, Mache, Herr, die Klappe zu Und wir Christen haben Ruh''. Amen.