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Der Israelit · 1889-01-21 · Heft 6 (21.1.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 6 (21.1.1889)
Date
1889-01-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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103 Das war es wohl auch, was den Regierungsrath zum Verbrechen getrieben hatte. Ich fand kein Wort des Trostes, auch Frau von Bronnfeld schwieg. Das Dienstmädchen erschien und meldete, daß ein Mann, anscheinend niederen Standes, vorgelassen zu werden wünschte. Auf Wunsch der Dame empfing ich ihn und er präsentirte mir eine Schuldverschreibung, für die er mit Zins und Zinseszinsen viertausend achthundert Mark verlangte. In dem Heftchen waren auf diesen Namen nur viertausend vierhundert Mark eingetragen, der Schein war vor kaum zwei Monaten ausgestellt auf 4600 Mark, ein Procentsatz nicht normirt. Ich ließ mich in Unterhandlungen mit dem Manne ein, doch er wußte mir genau vorzurechnen, wieso er 4800 Mark bekomme und keinen Heller weniger; er ließ auch nicht das Geringste nach. Ich rieth der bedrückten Wittwe den unverschämten Förderer abzuweisen, es eventuell auf eine gerichtlich Klage ankommen zu lassen, indeß sie wies einen solchen Vorschlag weit von sich. „Wir wollen mit solchen Leuten keinen Streit haben, lieber Freund", sagte sie, „ein ferneres in Berührung kommen mit denselben zu vermeiden, kann nicht theuer genug bezahlt werden." „Aber was wollen sie dann beginnen?" fragte ich. „Das ist eine spätere Frage. Bitte, befriedigen Sie zuerst den Unhold." Ich konnte mich nicht entschließen, ein solches Unrecht gelassen zu ertragen, noch viel weniger mochte ich zu seiner Ausführung eine Hand rühren. Da ergriff sie selbst den Rest des Geldes und tauschte die Verschreibung dafür ein. „Was nun?" fragte ich, als sie das Cabinet wieder betrat. Sie ließ den Kopf auf die Brust sinken. „Ich weiß es nicht", hauchte sie und seufzte schwer. Ein anderer, diesesmal sehr nobel gekleideter Gläubiger ließ sich melden. Ich wollte wiederum hinaus, doch sie wehrte ab. „Wir dürfen den Leuten nicht zuviel Ehre erweisen", sagte sie matt lächelnd, „sie sind es nicht werth, daß wir uns mit ihnen besprechen." Dann eilte sie in ihr Schlafzimmer, brachte eine Brillantbroche von außergewöhnlicher Schönheit und ließ sie durch die Magd dem Harrenden anbieten. Dieser nahm, wie die Dienerin sagte, mit großer Freude den Schmuck und händigte seinen Zettel dafür aus. Mit schwerem Herzen entsprach ich nun der Aufforderung der Baronin eine ungefähre Schätzung des Vorhandenen vorzunehmen. Zwar wußte ich, daß bei solchen, durch die Noth erzwungenen Verkäufen nur Schleuderpreise erzielt zu werden pflegen, aber unter den Sachen befand sich soviel Schönes und Kostbares — bei Manchem wußte auch die Baronin den hohen Einkaufspreis zu nennen — daß ich doch etwa zwanzigtausend Mark als Erlös in Voranschlag bringen konnte. „Zu wenig, gnädige Frau, um von den Zinsen zu leben, auch für die bescheidensten Verhältniffe zu wenig. „Haben Sie keine Verwandte, die sich in günstigen Verhältnissen befinden?" „Viele wohl, aber lieber möchte ich den Tod suchen, als ihre Hilfe. Das Gnadenbrod bei einer hochnäsigen Schwägerin oder einer launischen Tante zu essen, niemals! Der Gedanke schon, von dem Mitleid Fremder zu zehren ließ mir jede Speise zu Gift werden. „Nein, mein Lieber, ich hoffe mich von meiner Hände Arbeit ernähren zu können." „Ist leichter gesagt als gethan." „Und sieht sich doch wohl schwerer an, als es ist. Erst kürzlich erzählte^ mir^ Professor von L., daß die Stelle einer Oberin an seiner Klinik seit dem Tode der guten, alten Freifrau B. unbesetzt sei. Ich hätte es gewiß gehört, wenn sich Jemand seitdem dafür gefunden hätte, und es ist zweifellos, daß ich sie erhalten werde, wenn ich mich darum bewerbe. Ein Gehalt ist allerdings nicht damit verbunden, nur die Verpflegung wird vom Staate bestritten, aber wozu brauche ich nun noch^Geld? „Was sich aus unserem Schiffbruche retten läßt, mag Friedrich nehmen und außerdem hat er das Wittthum, das ich vom Staate sowohl als aus Beamtenftiftungen erhalten werde. Sind Sie nicht der Meinung, datzz ersdavon-lebknIann,»M er selbst eine auskömmliche Stelle erhalten wird?" „Sicherlich, gnädige Frau." „Denken Sie, guter Herr, ich freue mich schon auf meine Stellung in der Klinik. & Die Welt wird natürlich nicht ahnen, wie sich unsere Verhältnisse gestaltet haben. O! werden sie sagen, alle die Dämchen und Herrchen, die Bronnfeld-Stahlburg will sich nun ganz der Menschenliebe, der Krankenpflege widmen. Wie schön, wie edel. Wir hätten nie geglaubt, daß sie ihren Gatten so sehr liebte, so tief betrauert. Sehen Sie, so mache ich aus der Noth eine Tugend, im wahrsten Sinne des Wortes, und",

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