Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1889)
- Date
- 1889-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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25 heilt entlassen wurden, als wahrhaft vorzügliche bezeichnet werden. Dieses günstige Ergebniß haben wir nach Ansicht unseres dirigirenden Arztes ganz besonders unseren sehr kräftigen Soolbädern zu verdanken, deren Heilwirkung durch die zumeist folgenden kälten Seebäder auf's wohlthätigste unterstützt wird. Hierzu kommt noch die gute und rationelle Verpflegung in der Anstalt, bei welcher je nach ärztlicher Verordnung auch Wein, Milch und Bier, oder andere Stärkungsmittel zur Verwendung kommen. Diese günstigen Erfolge bei unseren Patienten kommen auch in ihrer Körpergewichtszunahmc zum Ausdruck, indem von 114 nur bei 3 als ungeheilt oder wenig gebesserten Kranken eine Abnahme des Gewichts festgestellt wurde, während bei 11 Patienten weder Zunoch Abnahme des Gewichts stattgefundcn hat. Bei den übrigen 100 Patienten aber betrug durchschnittlich die Gewichtszunahme für die Person 3,7 Pfund, — im Einzelnen zwischen I und 16 Pfund. Es ist demnach unzweifelhaft, daß unsere Pfleglinge einen erheblichen Gewinn an Körperkraft und Gesundheit mit in ihre Heimath genommen haben, und dieser Gewinn war sichtbar an dem Aussehen aller unserer Patienten, auch derer, die an Körpergewicht weder zunoch abgenommen haben. Ganz besonders sichtbar aber zeigte sich dieser Segen an den Kindern, die blaß und abgezehrt in unsere Anstalt cingetreten sind und sie frisch, munter und wohlgenährt wieder verlassen haben. Zu den schönsten unserer Erfolge rechnet der Anstaltsarzt drei Fälle von erblicher Tuberkulose, welche zwei Knaben aus Berlin und einen aus Posen betrafen, die nicht nur beide Eltern, sondern auch bereits eine Reihe von Geschwistern an dieser verheerenden Krankheit verloren hatten. Hier gerade handelt es sich ganz besonders darum, die zarten, wenig widerstandsfähigen jugendlichen Körper, in denen der Keim jenes unheilbaren Leidens verhängnißvoll schlummert, zu kräftigen und abzuhärten, um somit den Ausbruch des tückischen Nebels möglichst ganz aufzuhalten. Dazu eignen sich, wie allseitig immer mehr anerkannt wird, die Colberger Kurmittel in vortrefflicher Weise. Durch Sool- und Seebäder, nach rationeller Verordnung genommen, — durch dauernden Aufenthalt in der frischen Seeluft am Strande, oder bei schlechtem Wetter im geschützten Garten, in welchem auch durch geeignete Vorkehrungen Gelegenheit zu gymnastischen Uebungen geboten ist, — bei reichlicher und gleichzeitig kräftiger Kost — konnten wir die schwächlichen und kränklichen Kinder in unserer Anstalt zu unserer herzlichen Freunde sichtlich aufblühen und an Muskulatur und Körperfülle zunehmen sehen. Sehr bemerkt wurde ferner auch die glückliche Kur eines äußerst seltenen Falles von nervöser Lähmung eines Augenlides bei einem jungen Mädchen aus der Baruch Auerbach'schen Waisenerztehungs- Anstalt in Berlin, welches nach neunwöchentlichem Aufenthalte in unserem Hospitale durch unsere Kurmittel mit Hülfe von Hypnose und Suggestion als sehr wesentlich gebessert entlassen werden konnte. Nicht unerwähnt wollen wir endlich lassen, daß auch in diesem Jahre eine Anzahl von Patienten, welche im Krankenhause der jüdischen Gemeinde in Berlin eine schwere Operation überstanden hatten, in unserer Anstalt die gewünschte Erholung fanden, während andere wieder durch unsere Heilmittel hier erst für die ihnen daselbst bevorstehenden schweren Eingriffe die nöthigen Kräfte sammelten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. E. J. Prag, 3. Januar. Bei den gestern im Saale der Beerdigungsbrüderschaft und in der Klaussynagoge abgehaltenen Vorträgen haben Oberrabbiner Hirsch und Stark, Rabbiner der Stadt Weinberge (Vorort von Prag), dem unvergeßlichen Rabbiner S. R. Hirsch einen ergreifenden Nachruf gehalten, welcher in jeder Beziehung des großen Verstorbenen würdig war. Der Oberrabbiner hat auch der im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen großen Männer: Rabbinowitsch in München und Oberrabbiner Stern in Hamburg, in auerkenuendster und wärmster Weise gedacht. Prag. Herr Regicrungsrath, Prof. Dr. S. I. Kämpf hat sich in Folge vorgeschrittenen Alters und aus Gesundheitsrücksichten entschlossen, nach 43jähriger Thätigkeit als Prediger und Rabbiner der Tempelgemeinde, in den Ruhestand zu tteten. Frankreich. Paris, 13. Dezember. Der „Univers", das Leiborgan des apostolischen Nuntius, hat um seinen Haß gegen die Juden zu bethätigen, wieder einen neuen Angriffspunkt ausfindig gemacht. Man höre und staune! Die Juden „bedrohen durch ihre immer mehr anwachsende Einwanderung ernsthaft das heilige Land Palästina", wo sie nicht wenig dazu beitragen sollen, die „blinde Verbissenheit der ottomanischen Behörden gegen die dort lebenden Ehristeu zu schüren". Da haben wir's! Selbst Palästina gönnt dieses Blatt den Juden nicht mehr, und, um die Katholiken hier und anderswo wirksamer gegen