Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1882)
- Date
- 1882-10-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXIIL Iabrgan M LS. er Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von »r. Lehmann in Mainz. Mittlpod), den SS. Oktober 5648 (1882). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Nan abonnirr ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserat? 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitende Artikel: Die Nächstenliebe im Judenthume — Vierter Monatsbericht des deutschen Central-Comitö's für die russischjiid. Flüchtlinge. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Höchberg bei Würzburg. Berlin. 2mal Frankfurt a. M. Aus Mitteldeutschland. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pesth. — Feuilleton: Der Sohn der Wittwe. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Breslau. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. Pesth. Budapest. 2mal Preßburg. — Feuilleton: Lob Munitz. Inhalt der zweiten Beilage: Leitende Artikel: Ueber die Affaire von TiSza-Eszlar. — Gutachten des Herr» Prof. Dr. A. Merx in Heidelberg. — Gutachten des Herrn Professor Dr. Carl Bernhardt Stade in Gegen. — Die theologische Facultät der Staatsuniversität in Leiden über die Blutbeschuldignng. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Würzburg. Posen. Stadtoldendorf. — Oest. - Ungar. Monarchie: Brünn. Pesth. Prehburg. — Leitende Artikel. Pie Nächstenliebe im Judenthume. (Zu Paraschath Wajera.) Mainz, 19. Oktober. „Und es erschien ihm der Ewige im Haine Mamre, und er faß am Eingänge des Zeltes wie die Wärme des Tages." Wie die Wärme des Tages, wie die Sonne chre wohlthätigen Strahlen sendet für Reich und Arm, für Vornehm und Gering, für Fromme und Gottlose, für Gläubiae und Ungläubige, für Gute und Böse, für Alt uno Jung, so saß Abraham am Eingänge seines Zeltes, um thätige Menschenliebe zu üben an allen seinen Mitmenschen. Und siehe. drei Wanderer ^kommen des Weges; Abraham hält sie für Götzendiener. Trotzdem läuft er ihnen entgegen und bittet sie dringend, bei ihm einzukehren und mit einem Stückchen Brod ihren Hunger zu stillen. Und da sie eingewilligt, läßt er schnell ein großes Mahl bereiten, läßt schlachten und backen und herbeiholen von Allem, was er an köstlichen Speisen vorräthig hat. Die thätige Menschenliebe, wie sie Abraham an allen Menschen übte, ohne zu unterscheiden zwischen Mensch und Mensch, ohne Rücksicht auf die Unterschiede des Standes, der Religion, der Nationalität, der Race, der Hautfarbe, diese allgemeine Menschenj liebe und Menschenfreundlichkeit ist ein Erbtheil des jüdischen Stammes geblieben. Der Jude findet eine wahrhafte Herzensfreude darin, wenn er in der Lage ist, seinem Mitmenschen Wohlthaten zu erweisen. Nackte zu bekleiden, Hungernde zu sättigen, und das Elend, in welcher Form es auch auftreten mag, zu vermindern. Als Gott den Nachkommen Abrahams die heilige Lehre verkündete, hat Er diese allgemeine Menschenliebe zum Gesetz erhoben. „Und Du sollst lieben Deinen Nächsten wie Dich selbst" (III. B. M C. 19, V. 18). In der mündlichen Lehre, im Talmud, wird diesem Gebote die größte Bedeutung beigelegt. Rabbi Akiba, der größte Talmudlehrer, erklärt diesen Grundsatz für den größten der Gotteslehre ranso. miro bbj ni noi« nrrpj; ’m ijn*? (Thorath Kohanim zur Stelle). Ein allgemein bei den Nichtjuden herrschendes Vorurtheil, das aus Unkenntniß der jüdischen Lehre entspringt, findet in dem von dem Christenthume mit denselben Worten ausgesprochenen Grundsätze einen