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Der Israelit · 1882-07-12 · Heft 28 (12.7.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 28 (12.7.1882)
Date
1882-07-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Liegt nicht in diesen wenigen Worten die ganze Lebensanschauung der heutigen Alltagsphilosophen, die ganze Denkweise der Materialisten der Jetztzeit? Ein gleiches Loos trifft den Frommen wie den Bösen, den Tugendhaften wie den Lastervollen, den Hohen wie den Niedrigen, den Vornehmen wie den Geringgeschätzten; alle gehen sie in den Tod, alle werden gebettet in die Erde und Gewürm bedeckt sie ohne Ausnahme. Es bleibt sich schließlich gleich, wie man gelebt hat, wenn nur die kurze Spanne Lebenszeit ordentlich ausgenützt und gehörig genossen wird. Und man lebt nur, um zu genießen, man arbeitet, um zu genießen und fragt nicht erst, ob der Genuß erlaubt ist oder nicht. Wenn z. B. die Sabbat- oder Speisegesetze mit der persönlichen Bequemlichkeit oder mit dem Geschäftsinteresse in Collission kommen, so wird ohne lange Ueberlegung der materielle Vortheil vorgezogen und die höchsten Gottesgebote als unnützer Ballast bei Seite geworfen, und dem materiellen Gewinn wird das heiligste Ideal, das höchste Gut, das Gottespriesterthum leichtfertig hingeopfert. „Wir gehen ja ohnehin dem Tode entgegen, wozu soll uns die Bechauroh?" Der Prophet Jesaias schildert in lebendigen Worten diese epikurätsche Denkweise folgendermaßen: jwsp rum tJ'DN?' ninssn ieo ip3 nn nnatyi moi nno '3 inan. „Und siehe, nur Freude und Wonne ist ihr Streben, Rinder schlachten, Kleinvieh iödten, Fleisch essen, Wein trinken, nur essen und trinken, (sprechen sie) denn morgen sterben wir ja." Der Tod, der den Ernstdenkenden zur Einkehr in sich selbst und zur Umkehr von dem bösen Wandel zu Gott und zur Tugend mahnt, für den Epikuräer ist er ein Ansporn zum maßlosen Genuß. Wohin eine solche Philosophie führt, lehrt uns zur Genüge Esau's wahrer Character, der sich vornimmt, seinen Bruder zu tödten und der vor dem größten Verbrechen nicht zurückscheuen würde, wenn er in der Erreichung seines Zieles gehindert wird. So lange sein Leben ruhig wie ein sanfter Strom dahingleitet, kann sich seine Tugend noch behaupten, wenn aber Stürme und schwere Schicksalsschläge über ihn kommen, dann durchbricht sein unbändiges Verlangen nach Lebensgenuß und Behaglichkeit alle Schranken und er erhebt sich empört gegen das Höchste, wenn sein Lebenszweck ein verfehlter ist und er in seinen sehnlichsten Wünschen und Hoffnungen enttäuscht wird. ay-p '3 mm vptei 13^03 rppnm. „Und wenn er hungert, sagt Jesaias, so zürnt er und flucht seinen König und seinen Gott." So ist Esau der Repräsentant der materialistischen Weltanschauung. Ganz verschieden von diesem ist der Idealist Jakob. Er ist ein an tr«, ein frommer Mann um der Tugend willen. Er hat keine Nebenabsichten bei der Ausübung von guten Werken, 'pa '»n p ^3 r6w V33. Er kennt gar nicht ein anderes Verlangen, als das nach Gottgefälligkeit, wie er im Herzen fühlt, so spricht er auch; eine fromme Einfalt, die keine Ränke und Schliche kennt, »d dh Nipj nbx ’p3 uw. Er gehorchte seiner Mutter und griff zur Lift, um des Vaters Segen zu erlangen, ohne jeden Nebengedanken, nur weil es Pflicht ist, der Mutter gehorsam zu sein; er zog nach Charan und nahm sich Labans Töchter zu Frauen, nur weil es ihm die Eltern zur Pflicht gemacht hatten; er diente dem einzigen Gott in Liebe und Treue aus reiner Tugend; er ertrug sein böses Geschick, das ihm der betrügerische Laban, der haßerfüllte Bruder und das Verschwinden seines geliebten Sohnes Josef bereitet hatten, mit Hingebung und in Demuth, ohne zu murren, ohne mit seinem Schöpfer zu hadern. In seiner größten Angst um sein Leben, in der größten Furcht, die Seinigen dem Tode preisgegeben zu sehen, konnte er noch zu Gott ausrufen, DHonn teö 'Mivp „ich bin zu gering und nicht würdig, so viele Gnaden zu empfangen." Nirgends hat er seinen persönlichen Nutzen im Auge, nie sieht er auf seinen materiellen Vortheil, immer bleibt er Idealist, selbstlos, vornehm, erhaben, und wie sein Streben nur ideale Größe ist, so wurde auch der Segen, den ihm der Vater ertheilte, nicht zum irdischen Gewinn für ihn, sondern zu einem Gute hehrer, göttlicher Art, wodurch er zum Stammvater jenes Gottesvolkes wurde, welches der Welt das Heil, den idealen Segen und die wahre Glückseligkeit bringen sollte, welches alle materiellen Güter preisgibt in dem Kampf für Gott, für die Wahrheit, für die Tugend, für den Idealismus; zum Stammvater des Volkes Israel, welches kämpft für Gott und siegen wird für Gott. Zeitringsuachrichterr und Correspondeuzeu. Deutschland. Aus Rheinhesse«, 10. Nov. In Nieder-! Olm ist diese Woche ein Bubenstreich verwerflichste Art ausgeführt worden; bis jetzt unbekannte Bur-! sehen wußten sich nämlich in die dortige Synagog« Eingang zu verschaffen und die Thorarolle, Betmäi« tel 2c. .aufzufinden. Sie schichteten die Sachen m sammen und steckten sie in der Synagoge selbst « Brand. Es handelte sich hier zweifellos um ein» Racheakt, dessen Urheber hoffentlich bald ermitte» werden. I

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