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Der Israelit · 1881-07-13 · Heft 28 (13.7.1881) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 28 (13.7.1881)
Date
1881-07-13
Page
– (sequence 25)
Language
German
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XXII. Jahrgang.. Dritte Beilage M tlr. 28 -cs Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hirschberg (Schlesien). Obgleich es heute rächt zu den Seltenheiten gehört, Gemeinden anzutreffen, aus denen aller Sinn sür's Religiöse geschwunden ist, dürfte es dennoch nur wenige geben, in denen die jüdisch-religiösen Zustände so arg dauiederliegen, wie in hiesiger Stadt. Hier ist theils durch die Schuld jenes bekannten modernen Apostel, der Jahre lang seine, das echte Judenthum intermiuirenfce Thätigkcit hier entfaltete, jetzt aber bereits zu den „Seligen" gehört, — theils durch den leichtsinnigen Frevelmuty einer Anzahl sog. tonangebender Gemeindemitglieder — alles speciell Jüdische aus dein Gemeindewesen entfernt worden. Daß die Hirschberger Orgel, Chor und allen sonstigen Firlefanz, der sie zu fortgeschrittenen, aufgeklärten Jehudim stempeln soll, sich angeschafft haben, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden; interessant dürfte i aber die Mittheilung sein, daß dieser Luxus auf > Kosten vieler, wichtiger, für ein jüdisches Gemeindewesen unentbehrlicher Institutionen geschieht. Die moderne Richtung in der Gemeinde-Verwaltung macht cs einem frommen Jehudi fast unmöglich, hier zu leben. Würde sich die Modewuth dieser Herren darauf beschränken, die Synagoge und andere derartige Institutionen in ihrer Weise umzugestalten, so wäre dieses für einzelne Mitglieder der Gemeinde, die sich zu diesem informatorischen Geist nicht zu erheben vermögen, zwar unangenehm und höchst bedauerlich, immerhin wäre ihnen jedoch die Möglichkeit geboten, dieser, ihren orthodoxen Gefühlen hohnsprechenden Institution fernzubleiben und in anderer Weise — sei es durch ein Privat-Minjan, sei es in stiller, einsamer Andacht — ihr religiöses Bedürfniß zu befriedigen. Wenn aber eine Gemeinde, bestehend aus circa hundert jüd. Familien, von denen viele noch dem orthodoxen Judenthum angehörcn, trotz des Widerspruches dieser, eine solch' unentbehrliche jüd. Institution wie es eine Mikwah ist, auflöst und ihnen somit die Möglichkeit benimmt, ihren religiösen Bedürfnissen zu genügen, — so ist dies eine Vergewaltigung, ein Gewissenszwang, wie er ärger nicht gedacht werden kann. Dieses ist aber in Hirschberg geschehen. Trotz der vielfachen Proteste des Herrn Hirschstein und mehrerer anderer gleichgesinnten Personen, hat die Gemeinde die seit Jahrhunderten bestehende Mikwah verfallen lassen. Auch in den andern benachbarten Kehiloth fehlt diese unentbehrlichste aller religiösen Institutionen; so in Waldenburg, einer Stadt von über 60 jüdischen Familien. In Landeshut gibt es zwar eine solche, dieselbe ist aber durch die Lässigkeit der dortigen jüd. Gemeinde nicht mehr zu benutzen, und verfällt immer mehr. Warum doch alle diese Gemeinden, die so sehr unter der Judenhetze leiden und die so oft nach einem Grunde für diese traurigen Vorkommnisse suchen, nicht auf das schuldbewußte Bekenntniß kommen: uv™ by um« o’dpn ^as». Wir glauben, daß diese ernsten Zeiten die Herren doch daran gemahnen sollten, zurückzukehren zu den Bahnen der Väter, in denen allein der einzig wahrhafte Fortschritt liegt. D. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Aus Jllava wird dem „P. L." geschrieben: Am 21. d. beging die hiesige isr. Gemeinde in feierlicher Weise die Einweihung ihres neuen Tempels. Die christlichen Bürger des Ortes nahmen an der Feier in hochherziger Weise Theil und bezeugten dies ohne jede demonstrative Absicht durch namhafte Beiträge zu den Baukosten. Besonders zu erwähnen ist die bedeutende Spende Sr. Erlaucht des Grafen Königsegg - Aulendorf. In herzerhebenden Worten feierte Rabbiner David Lewin gelegentlich des Festgottesdienstes die brüderliche Gesinnung der christlichen Bürger von Jllava und Umgebung. Rußland. Man schreibt aus Kiew, daß bisher noch immer nicht die Stadt zur Ruhe gekommen sei. Die Juden fürchten das Schlimmste, die Russen fühlen sich als Sieger, Kosaken-Patrouillen durchstreifen beständig die Stadt. Die sonst belebtesten Straßen sind merklich stiller geworden. Alles deutet darauf hin, daß die Aufregung sich noch lange nicht gelegt hat. Besonders drückend wirkt die Lage der Dinge auf die Angereisten ein. Im Militärgerichte allein macht sich eine fieberhafte Thätigkcit bemerklich. P a l ä st i n a. Palästina. Der ,,N. Fr. Pr." wird aus Jerusalem geschrieben: Pilger und andere Reisende,

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