Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1881)
- Date
- 1881-03-09
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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XXII. Jahrgang. Dritte Beilage zu Ar. 10 des Zsraclit. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. F r a it f r e i ch. Paris. (Monatsbericht (Januar 1881 j der „All. Jsr. Univ."). (Die Israeliten von Marocco.) Eine Zeitung in Oran, der Atlas, hat in seiner Nr. vom 23. Dec. L'i'. unter der Ueberschrift: „Unsere Consuln" einen 'Artikel veröffentlicht, der im Wesentlichen meldet, daß eine jüdische Frau aus Tanger aus Besehl des J. Dragoman der dortigen französischen Gesandtschaft, Hecquard, die Lastonnade erhalten hat. Der Artikel war unterzeichnet „Levy-Abr. Cohen aus Tanger, Agent und Vertreter der Londoner Anglo-Jewish Association in Tanger, Mitglied des Bezirkscomittzs der „Alliance Jsr. Univ." daselbst, und beglaubigter Agent des Board of Deputies der Israeliten von Rew-Aork, Bevollmächtiger zum Schutze der bürgerlichen und religiösen Rechte der Israeliten." Aehnliche Mittheilungen waren nach London gerichtet worden und haben in der Sitzung des Unterhauses vom 17. Jam eine Anfrage an die Regierung veranlaßt, auf welche Sir CH. Dilke antwortete, daß nian an die französische Regierung wegen des angeblichen Verhaltens der französischen Consularbellörden geschrieben habe und man die Antwort von Frankreich erwarte^ und daß nöthigenfalls Vorstellungen an die maroccanische Regierung gerichtet werden sollen. Das Central-ComitH, höchlichst betroffen über diese Meldung einer Thatsache, von der cs nicht die geringste Mittheilung seitens des Countys von Tanger erhalten hatte und welche der ganzen Vergangenheit eines ehrenwerthen Staatsbeamten zu heftig widersprach, um nicht vor Allem eine gründliche Untersuchung zu fordern, ersuchte den Präsidenten des Bezirkscomitös von Tanger, H. H. Benschimol, um detaillirte Auskunft über den vom Atlas berichteten Vorfall und bat ihn, bemerklich machen zu wollen, daß die von H. Levy Cohen in dem vom Atlas veröffentlichten Document hervorgehobene Eigenschaft eines Bezirkscomittz-Mitglieds der Alliance in einem öffentlichen Document nicht ohne vorher eingeholte Zustinmmng des Ceniral-Comittzs angenommen werden kann. H. Benschimol und seine Collegen halten die Freundlichkeit hierauf mit der Zusendung mehrerer Piecen zu ant-! Worten, von denen wir nachstehendes Schriftstück mittheilen wollen: Schreiben des Bezirkscomittzs vonTanger an das Central-Comitö. Tanger, 10. Januar 1881. Herr Secretär! Wir hatten die Ehre, Ihr Schreiben vom 26. Dec. pr., den im Atlas unter der Ueberschrift „Unsere Consuln" erschienenen Artikeln betreffend, zu erhalten. Wir waren bei der Lectüre des in Rede stehenden Artikels des Atlas ebenso überrascht als empört, unl so mehr, als wir gegen die in diesem Artikel enthaltenen Angaben, wie Sie sehen werden, sofort Schritte gethan hatten. Diese Affaire der jüdischen Frau Toledano war vor c. 5 Wochen an einem Samstag vorgefallen. H. Hecquard, erster Dragoman der französischen Gesandschaft, hat einen Negerknaben in seinem Dienste, der sich beklagte, daß er von der genannten Frau betrogen worden wäre und sich von ihr eine schlimme Krankheit zugezogen hätte. H. Hecquard ließ dem Gouverneur durch einen Soldaten der Gesandtschaft sagen, daß er dieses Weib bestrafen möchte. Sei es, daß der Soldat diese Ordre falsch wieder gegeben, sei es, daß der Gouverneur sie falsch verstanden hat, genug, das Weib erhielt die Bastonade und wurde ins Gefängniß geworfen. Sofort lief das Gerücht durch die Stadt, daß dies auf Befehl des Herrn Hequard geschehen sei, der sich seinerseits beeilte, 2 Briefe an uns zu richten, in denen er uns die umfassendsten Details gab und Diejenigen dementirte, welche ihn verdächtigt hatten, als ob er einen solchen Befehl gegeben habe. Er ließ den Soldaten der Gesandtschaft ins Gefängniß setzen und legte ihm eine Strafe von 50 Fr. auf, weil er einen Befehl überbracht hatte, der ihm nicht ertheilt worden war. Die Briefe des Herrn Ch. Hecquard waren von dem schriftlichen Zeugniß des Registrators der Gesandschaft unterstützt, das gleichfalls an unser Comittz gerichtet war; der Herr Registrator, der zugegen gewesen war, als Herr Hecquard den Befehl zur Bestrafung jenes Weibes gab, bestätigte/ daß von der Bastonnade nicht die Rede gewesen, sondern nur von der Verhaftung. Unser Comits trat sofort zusammen und richtete, da es von den Erklärungen des Herrn Hecquard befriedigt war, an denselben seinen Dank und eine Abschrift seines Sitzungsprotokolls. Ter französische