Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1879)
- Date
- 1879-12-31
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XX. Jahrgang. Zweite Leitagc;» tlr. 53 des Israetit. Leitendes Artikel. Literarischer Bericht. Von 8. Juden und Judenhetze. Von Enoditus. Loebau (Skrzeczek) 33 S. kl. 80. Auch diese kleine Schrift empfehlen wir dem Publikum. Sie enthält eine treffliche Abfertigung aller der Vorwürfe, die man gegen die Juden erhebt, deckt die Bosheit der lügenhaften Anklagen auf und erweist, daß, wenn sich bei manchen ungebildeten Juden noch unangenehme Eigenschaften finden, dies die Frucht der chrsi'tli<., Behandlung sei, deren die Juden sich zu erfreuen hatten. Wenn aber der Vers, die Juden gegen den Vorwurf, sie erlaubten sich si'dcs Unrecht gegen Christen, weil der Talmud es gestattete, dadurch in den Schutz nehmen will, daß er behauptet, das könne nur von früheren Zeiten, aber nicht von der Gegenwart gelten, da unter Tausenden von Juden kaum einer den Talmud kenne, also man sich im Handel und Wandel gar nicht nach diesem Buche richte: so ist diese Vertheidigung darum sehr unglücklich, weil sie auf der falschen Voraussetzung beruht, als ob im Talmud was enthalten sei, das die Unredlichkeit gegen Christen verstatte. Das ist aber nicht der Fall, und wir bedauern es, daß der Berf. in dieser Beziehung nicht besser unterrichtet war. Ein Satz des Talmuds existirt, der jeden weitern Nachweis über das Verhalten der Juden zu den Christen unnöthig macht und von vornherein jeden Gedanken beseitigt, daß die normgebende Halachah des Talmud eine Unredlichkeit im Handel und Wandel gegen Christen gestatten könnte, und dieser Satz lautet: „Staalsgesetz ist vor Allem zu befolgendes Gesetz." Im Uebrigen ist genanntem Schriftchen eine weite Verbreitung zu wünschen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Württemberg. In dem Berichte pro 1878—1879 über den Verein zur Unterstützung 1 von Wittwen und Waisen armer israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg spricht der Vereinsvorstand. Herr Oberlehrer Liebmann a. D., im Vorwort seine Freude darüber aus, daß trotz der herrschenden Geschäftsstockung, des mangelhaften Ernteergebnisses in manchen Gegenden und der vielfachen Ausrufe um Hilfe für die leidende Menschheit, dennoch dieser Verein auch im verflossenen Jahre im Stande war, seine Aufgabe zu erfüllen und ansehnliche Unterstützungen an Lehrer- Wittwen und deren unmündige Kinder zu verabreichen. Man müsse es dankbar anerkennen, daß fort und fort Herzen und Hände thätig sind, um das wohlthäligc Institut zu erhalten und zu heben. Die 54 ordentlichen Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 2 M. sind active oder penstonirte Lehrer und Vorsänger in und außerhalb Württembergs; außerdem zählt der Verein 2 Ehren- und 3 anßerordcntliche Mitglieder. Der deutsch-israel. Gemeindebund in Leipzig hat die Vereinszwecke mit 30 M. und Ihre Majestät unsere Königin mit 45 M. gefördert. Von 23 württ. Gemeinden sind durch Opfer beim Aufrufen zur Thora und Beiträge aus der Gemeindepflege zusammen 1423 M. 61 Pf. gespendet und aus Äctivcapitalien 697 M. 28 Pf. Zinsen erhoben worden. Außer den Ausgaben für Verwaltungskosten, die, weil Vorstand und Cassier ihr Amt gratis versehen, nur 135 M. 52 Pf. betrugen, sind in 10 Portionen an Wittwen und deren minderjähr. Waisen 9tzö M. vertheilt worden. Das Vereinsvermögen beträgt pr. 1. Juli 1879 — 17747 M. 90 Pf., nachdem es in diesem Jahre um 1112 M. 76 Pf. zugenommen hat. Amerika. Washington. 23. Dec. Der Staatssecretar Evarts hat den amerikanischen Gesandten in Wien. Mr. Kasson, augewiesen, den Abschluß eines Handels-Vertrages mit Rumänien zu verschieben, bis das Fürstenlhum den Bestimmungen des Berliner Vertrages, welche sämmtlichen rumänischen Unlerthanen bürgerliche und Glaubensfreiheit verbürgen, Folge geleistet haben.