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Der Israelit · 1879-10-29 · Heft 44 (29.10.1879) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 44 (29.10.1879)
Date
1879-10-29
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1188 (Nekrolog] Mönchsroth (Kreis Mittelfranken des Königreiches Bayern), den 19. October. (Unlieb verspätet.^ Die hiesige isr. Cultusgemeinde hat wieder einen schmerzlichen Verlust erlitten durch das Hinscheiden einer Person, die sich sowohl durch strenge Religiösiät, als auch durch anderweitige hervorragende Tugenden rühmlichst auszeichnete. Es war dies die, von allen Einwohnern hiesigen Ortes, ohne Unterschied des Glaubens, besonders geachtete und geschätzte Breindele Koch, gewesene Ehefrau des dahier ansässigen Geschäftsmannes Herrn Israel Koch, welche' den würdigsten der hiesigen Frauen beigezahlt zu werden verdiente und die nach einem kurzen aber schmerzvollen Krankenlager am 17. d. sanft und selig hinüberschlummerte in das jenseitige bessere Leben. Weit entfernt, in diesem engen Rahmen ein vollständiges Charakterbild ihres Seelenlebens aufstellen zu wollen, sollen hier blos mit einigen, flüchtig hingeworfenen Farbenstrichen die Grundzüge ihres Charakters angedeutet werden. Mit Umgehung aller ihrer anderweitigen guten Eigenschaften wird deshalb hier nur dies hervorgehoben, daß echte Religiosität, in Verbindung mit Leutseligkeit, Menschenfreundlichkeit und außerordentlicher Friedensliebe der Grundzug ihres Wesens war, daß diese gleichsam den rothen Faden bildete, der sich durch ihr ganzes Leben hindurchzog und in allen Phasen desselben, in ihrem thätigen Wirken, frommen Dulden und ruhigen Sterben, deutlich genug zu erkennen war. Ihren Schöpfer innigliebend, erfüllte sie die ihr obgelegenen Neligionsvorschriften mit der größten Gewissenhaftigkeit, machte sie sich's zur Pflicht, jeden Tag ihr Morgen- und Abendgebet zur gehörigen Zeit zu verrichten, jeden Sabbat die miD in deutscher Übersetzung zu Hause nachzulesen und nie etwas zu genießen, selbst in ihrer Krankheit nicht, ohne vorher die vorgeschriebene nzna darüber gemacht zu haben. Als würdige, fromme Gattin war sie während der 49 Jahre, da sie mit ihrem Manne in der glücklichsten Ehe lebte, eifrigst bestrebt, seinen Wünschen immer zuvor zu kommen, ihm durch freundliche Begegnung und liebevolle Behandlung das Leben zu versüßen, und Alles das ihm zu verheimlichen und zu verschweigen, was nur im Entfernsten ihn unangenehm hätte berühren können. Ja, ihre zärtliche Fürsorge für ihn erstreckte sich noch über ihr Grab hinaus, indem sie auf ihrem Krankenlager noch Anordnungen traf, wie eS nach ihrem Tode gehalten werden solle, damit seine gewohnte Bequemlichkeit durch ihr Ableben nicht allzusehr beeinträchtigt werde. Dabei ließ sie ihre Pflichten als Hausfrau nicht außer Acht und war sie stets bestrebt, ihrem Hauswesen mit Umsicht, Eifer und Fleiß bestens vorzustehen. Ganz besonders aber ließ sie es sich angelegen sein, ihren Kindern eine gute Erziehung < zu geben, sie zu guten und brauchbaren Menschen \ heranzubilden, und diese ihre edeln Bestrebungen I blieben nicht ohne den erwünschten Erfolg. Sie hatte die Freude, alle ihre Kinder in den schönsten | und glücklichsten Verhältnissen leben zu sehen. , Fromm und echt religiös zeigte sie sich auch j in ihren Leidenstagen. Wie groß die Schmerzen; auch waren, die sie in ihrer Krankheit zu ertragen hatte, nie entfuhr ihrem Munde ein Wort der { Ungeduld oder der Unzufriedenheit, vielmehr suchte , sie ihre, ob ihres leidensvollen Zustandes tiefbekümmerten Angehörigen mit den Worten noch zu trösten und zu beruhigen, daß Gott die Menschen durch Leiden nur prüfe und daß er um so eher wieder helfe, wenn dieselben von ihnen geduldig hingenommen werden. — Freundlich dankend reichte sie auch jedem die Hand, der ihr in ihrer Krankheit irgend einen Liebesdienst erwiesen hatte und wenn derselbe auch noch so geringfügig gewesen sein sollte. Voll Vertrauen und Ergebung in den gött- 1 lichen Willen sah sie ruhig und furchtlos dem Tode entgegen, betete selbst mit den umstehenden Frauen die Sterbegebete mit und corrigirte manche Frau, wenn sie dasjenige Gebet nicht verrichtete, welches üblicher Weise verrichtet werden sollte. Nachdem sie noch die Freude hatte, alle ihre Kinder diesseits des Oceans, von denen sie sich in rührender Weise verabschiedete, an ihrem Sterbe- ‘ lager versammelt zu sehen; nachdem noch an ihrem letzten Lebenstage ^ihre jüngste Tochter, von Un- * ruhe und banger L>orge um die schwer erkrankte < Mutter getrieben, aus weiter Ferne herbeigeeilr l war und sie ihr die, vom Todeshauche schon eri kältete Hand zum Gruße dargereicht und mit halbi gebrochenen, thränengefüllten Augen ihr einen freundlichen Willkomm noch zugelächelt hatte, entschlief sie am 17. d. Mts., Morgens 3 Uhr, ohne sichtbaren Todeskampf m^no vxrpju 'mwDD zuni bessern Erwachen. Ihre irdischen Ueberreste wurden heute unter zahlreicher Leichenbegleitung der Erde übergeben: Sanft ruhe ihre Asche! — Möge die Seligentschlafene dort den Lohn ihrer Frömmigkeit unö Tugend empfangen! Möge sie der Seligkeit theilhafrig werden, die der Herr seinen Frommen verheißen und beschieden! ".V'ii'W'n ) 3193] M. Braunschweig,! deutscher Schul- und isr. Religionslehrer.

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