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Der Israelit · 1879-09-10 · Heft 37 (10.9.1879) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 37 (10.9.1879)
Date
1879-09-10
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1010 Nürnberg. Nur noch einige Wochen und auch dieses Jahr ist in das Meer der Vergangenheit geschwunden. In diesen ernsten Stunden wirft jeder Denkende einen Blick in sich, in seinen eigenen Familienkreis und seine nächste Umgebung. Bei dieser Schau kann an Einsender dieser Zeilen das Hinscheiden einer der edelsten und frömmsten der Frauen unserer Gemeinde nicht vorüberziehen, ohne von tiefster Wehmuth ergriffen zu werden und sieht derselbe sich gedrungen, dieser schmerzvollen Theilnahme dadurch Ausdruck zu verleihen, indem er den Hintritt dieser Edlen in Israel zur allgemeinen Kenntniß zu registriren Veranlassung nimmt. Es soll dadurch constatirt werden, daß der Geist unserer frommen Stammmütter nie erlischt und daß die Träger der himmlischen Wahrheit ein alles Vergängliche überdauerndes Denkmal in den Herzen der Mit- und Nachwelt sich errichte. Die leider! allzufrüh Verblichene, Frau Hanna Goldberg dahier, geb. Rosenbaum aus Schwabach, von ihren sehr verehrungswerthen Eltern, Herrn M. B. Rosenbaum und Gattin, zur Gottesfurcht und pünktlichster Ausübung aller göttlichen Gebote durch Wort und lebendiges Bespiel erzogen, empfing auch gleichzeitig durch entsprechenden Unterricht in verschiedenen Lehrgegenständen einen gediegenen Grad von Bildung. So wie das Herz empfänglich war für Tugend und Frömmigkeit, so war der rege Geist geeignet, den Unterricht in anderen Disciplinen mit bestem Erfolge aufzunehmen. Die gestreute Saat entwickelte sich allseitig zur herrlichen Frucht. Mit männlichem Muthe und mit klarer Einsicht errichtete sie auf hiesigem Platze ein Bankgeschäft. In sturmbewegten Zeiten, die oft Männerherzen erzittern machten, blieb sie unerschütterlich in ihrem felsenfesteu Gottvertrauev. Sie war von der Ueberzeugung beseelt, daß bei aller Thätigkeit des Menschen deren segenreiches Gelingen nur von der leitenden Hand der Vorsehung bestimmt werde. Bei ihrer rastlosen Thätigkeit blieb sie unwandelbar fest in ihrem Princip. Zeitliche Güter sind nur die Mittel zu himmlischen Zwecken. Daher die äußerst strenge Gewissenhaftigkeit in der Führung des Geschäftes, daher die seltene Wahrhaftigkeit und dadurch das große Vertrauen, das der selig Entschlafenen von Allen zu Theil geworden und sie zu der angesehenen Stellung emporbrachte, die sie in der Geschäftswelt einnahm. Auf sie sind in; der That die Worte des Weifen anzuwenden, die derselbe an seinen Sohn richtete: 1121p' -ppya lipni' T»yoi, „Deine Thaten befreunden Dich (der Menschheit), Deine Thaten entfremden Dich (derselben). So lieferte die selig Entschlafene den Beweis, wie Treue und Redlichkeit es find, aus welcher Achtung und Liebe entsprießen. Nicht minder wie gegen die Nebenmenschen war die Verblichene auch treu gegen Gott und seine heilige Lehre. Mit einer Munificenz, die nur großen Seelen eigen ist, unterstützte sie die Thorabeflissenen, spendete fleißig jenen Instituten, worin Thora gelehrt wird, gedachte mit offener Hand der Armen des heiligen Landes, wie überhaupt ihre Wohlthätigkeit keine Grenzen kannte, und fand jeder Bedürftige, soweit sie es irgend nur vermochte, durch sie Trost und Hilfe. Es waren das ihre süßesten Freuden, so im Geiste der hl. Thora wirken zu können. Ihr für echte Frömmigkeit flammendes Herz suchte sie durch die rechte Erziehung in ihren Kindern sich zu verewigen. Sie begriff das Wort des weisen Königs: 'rra nma d'bu noan, „Der weise Sinn der Frau erbaut ihr das Haus. In diesem schmucken Kleide der reinsten Nächstenliebe und der innigsten Hingabe in den Willen Gottes wandelte sie. eine treue 8 Dienerin der Gotteslehre, bis das unerbittliche Geschick in ihrem Geburtsorte Schwabach, wohin sie zum kurzen Aufenthalt gereist, am 9. Juli, den Tag nach dem trauervollen iiona nyav, ihrem theuren Leben in kaum vollendetem 57. Lebensjahre, zum namenlosen Schmerze der Ihrigen, ein Ziel setzte. Ihre Lebenszeit überdauert aber die besondere Verehrung ihrer würdigen, frommen Eltern, da dieselbe einen besonderen Werth darauf legte, in der Nähe der Ruhestätte ihrer seligen Eltern bestattet zu werden. Das Leichenbegängniß zu Fürth war ein feierliches. Außer vielen Bekannten u. Freunden hies. Stadt eilten viele Bewohner Fürths auf den dortigen Friedhof, um dem Biederweibe 8 die letzte Ehre zu erweisen, der jeder der Beglei-8 teuden in das Grab Nachrufen konnte: 1111 nx» jnriN Di'^ prwni npnl, „Mit Glaubensstärke, mir g dem Schmucke edler Thaten ist sie umhüllt, sie mag sich freuen des letzten Tages." Am Grabe sprach^ Herr Rabbiner Wißmann aus Schwabach, der' langjährige Freund der Verewigten. Er entrolltes in beredten Worten das thatenreiche, nur von Got- \ teSfurcht geleitete Leben der Verblichenen, das er^ zum mustergiltigen Beispiele in erster Linie den! trauernden Hinterbliebenen u. allen theilnahmsvolleru! Umstehenden rührend und gerührt empfahl. Sie,! die mit vollem Rechte eine Perle des Jeschurunt genannt werden durfte, deren Seele wird gewiß int den Räumen der Frommen ihre Ruhestätte finden, k [27561

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