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Der Israelit · 1879-08-20 · Heft 34 (20.8.1879) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 34 (20.8.1879)
Date
1879-08-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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XX. Jahrgang. Zweite Beilage zu tlr. 34 -es Israelit. Leitendev Artikel. Bemerkungen zur rumänischen Iudenftage. Von rumänischer Seite werden anläßlich der wegen Erfüllung des Artikels XLIV des Berliner Vertrages entstandenen Bewegung irrige Behauptungen in Umlauf gesetzt. Lenen in der „Presse" von kundiger Seite einige berichtigende Bemerkungen entgegengesetzt werden: Geschichte. Die Behauptung, daß die Israeliten Rumäniens i erst seit kurzer Zeit ihres Handels oder vielmehr! ihres Schachers wegen dahin gekommen und daß! nur eine kleine Zahl derselben, nämlich die aus j der Türkei eingewanderten spanischen Juden, sich , seit Jahrhunderten dort befinde, steht mit der! historischen Forschung nicht im Einklänge. j Es soll die Annahme nicht unbedingt Glauben; finden, daß Juden noch vor den heutigen Rumänien! rm Lande Dacien sich aufhielten, wofür manche | Alterthümer im Lande sprechen, namentlich in der > Gegend von Kimpolung, wo von altersher ein Ort j Cetate jidovic (die Judenfestung) heißt und sich j Kirchen mit jüdischen Erinnerungen vorfinden sollen, doch hatte beispielsweise bereits im Jahre 1573 der walachische Fürst Alexander Mircea einen ungetansten jüdischen Sekretär und in einer im historischen Archiv von Rumänien veröffentlichten Korrespondenz vom moldauischen Stephan dem Großen mit dem Könige von Polen aus dem Jahre 1498 wird eines Juden erwähnt, der eine polnische Dame von den Tartaren um 120 ungarische Dukaten loskaufte. Erst unlängst veröffentlichte die „Romania Libera" in Nr. 629 vom 11. Juli 1879 ein Gesetz des moldauischen Fürsten Stephan des Jungen aus dem Jahre 1525, wonach es bei Strafe des Henkens verboten war, Juden, Griechen und Armeniern Gelder für gekauftes Eigcnthum zurückzuerstatten, wonach also Juden schon in jener Zeit in größerer Zahl im Lande anwesend waren. Auf einer minder allen Grabstätte, und zwar in dem erst im Jahre 1865 geschlossenen Bukarester jüdischen Friedhofe finden sich Grabsteine vor, die 187 und 163 Jahre! alt sind, in jenem von Jassy das Grab eines i jüdischen Arztes Josef Salomo, dessen Inschrift! auf 288 Jahre zurückreicht. Demeter Bolintineanu! in seinem „Leben Cuza'S" führt die Anwesenheit von Juden in Rumänien auf Jahrhunderte und auf die religiösen Verfolgungen in Deutschland zurück und Georg Lazar in einer in Bakau im Jahre 1868 erschienenen Schrift fitzt die Einwanderung der Juden in Rumänien in das Jahr 1373 zur Zeit der Niederlage König Ludwig's I. Die spanische Judenaustreibung erfolgte im Jahre 1492. Anzahl der Juden. Es wird konsequent von 4 b'.s 50o,000 Juden in Rumänien gesprochen, die emanzipirt werden sollen, denen das Wahlrecht verliehen werden soll. Die Gesammtbevölkerung Rumäniens ist heute weit über fünf Millionen Seelen. Die Juden, von denen die Rumänien eine so große Gefahr befürchten, betragen aber kaum knapp fünf Perzent. Bon den Maximalziffer von 265,000 kann etwa die Hälfte im europäischen Sinne als Ausländer angesehen werden. Die andere Hälfte von 135,000 bei Annahme von fünf Seelen per Familie würde ungefähr 27,000 Familienhäuptern entsprechen. Von diesen kann nach Lage der Dinge wohl nur ein Drittel den Vorschriften des rumänischen Wahlcensus entsprechen und es könnten also im Maximum 9000 Wähler in vier Wahl-! körpern in etwa 30 Distrikten mit nahezu 2000 i Wahlkollegien, von denen nur 13 mehr als einen i Abgeordneten wählen, Zuwachsen. Eine Desor-! ganisation der Wahlkollegien, wie sie das bekannte Rundschreiben Campineanu's in Aussicht stellt, ist also da nicht zu befürchten. Sprache, Kultur. Es giebt eine Anzahl von Juden, die nebst ihrer Muttersprache, der rumänischen, entweder den verdorbenen jüdisch-spanischen oder den jüdischdeutschen Dialekt sprechen. Demungeachtet ist der Kulturzuftand der Juden mindestens auf demselben Stande, wie bei den Rumänien selbst und der Perzentsatz der Gebildeten uud Europäisch-Civilisirten dürfte bei den Juden eher eine größere als I bei den Rumänien sein, wobei gleichwie bei den } Rumänien selbst, das Berhältniß in der Walachei! ein günstigeres ist als in der Moldau. (Bemer-

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