Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1879)
- Date
- 1879-08-27
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Dritte Beilage;u Ar. 35 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Von -er Saar. Die Reformer zu Trier, welche so leichten Herzens die Spaltung in der dortigen Gemeinde hervorgerufen, scheinen mit der Schlappe, die sie erlitten haben, noch nicht zufrieden zu sein. Sie haben bereits auch in den Gemeinden des Bezirks ihre Arbeit begonnen, hoffentlich mit demselben moralischen Erfolg, wie zu Hause. Sie behaupten auch ihrerseits einen Rabbiner engagiren zu wollen, der an Frömmigkeit rc. nichts zu wünschen übrig lasse. Die Herren vergessen aber in wie hohem Grade sie selbst das Vertrauen zu ihrem zu erwählenden Rabbiner im Voraus erschüttern. Wie der „Israelit" kürzlich berichtete, muß die Gemeinde das Gehalt ihres Rabbiners sehr reduciren; es ist nun sehr begreiflich, wenn die Bezirksgemeinden das Deficit decken sollen, aber sie sind doch nicht unvernünftig genug, so leicht auf den Leim zu gehen. Bis jetzt haben die Briefe, die diese Herren zur DiSereditirung der Trierer Religions-Geselli schaft und ihres Rabbiners ausgesandt, sowie die j Agitationsreisen, welche sie zu diesem Zwecke unj ternommen haben, recht erfreuliche Resultate erj zielt. Die Bezirksgemeinden^ sind begierig, i den Rabbiner, der ihnen als so pechrabenschwarzes Ungeheuer geschildert wird, doch einmal zu sehen und zu hören, während man sich sagt, daß damit I demjenigen Rabbiner, der den Gemeinden so „gez schäftSmäßig" durch Reisende aufgedrungen werden! soll, keine so große Eile haben kann; denn dieser! wird uns keinesfalls entgehen. So hat bereits Herr Rabbiner Dr. Ehrj mann auf vergangenen nen 's rüt? eine Einladung nach Saarwellingen, einer der bedeu-! tendsten Saargemeinden, erhalten, und dieselbe! auch acceptirt. Der Erfolg seines dortigen Auf-! tretens war ein so großartiger, daß sofort die! ganze Gemeinde ihn einstimmig zu ihrem Rabbiner j erwählte, und sich dem Rabbinat der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Trier anschloß. Die Bewegung zu Gunsten des Rabbiners der Trierer Religionsgesellschaft nimmt hiedurch täglich größere Dimensionen an, und hoffe ich darüber gelegentlich weitere Mittheilungen machen zu können. Frankreich. Paris. Monatsbericht (Juni und Juli) der „All. Jsr. Univ.". (Die Israeliten der Türkei.) Die Repatriirung der Flüchtlinge vollzieht sich in größeu^Maßftvbe; sie hat am 26. Mai mit der Abreis? .iner ersten Gruppe von 20 Familien nach Kazanü^ begonnen. „Ich war," schreibt H. Veneziani, „persönlich bei ihrer Einschiffung zugegen. Alle, Mänmr, Frauen und Kinder waren sehr froh, und ich habe die Genugtuung, Ihnen zu sagen, daß es ihnen auf der Reise an Nichts fehlen wird, auch da nicht, wo es keine Eisenbahnen gibt; Pferde und Wagen, Alles ist zu ihrer Weiterbeförderung bereit." In Adrianopel angekommen, fügt H. Veneziani hinzu, werden sie ihre dort concentrirten Landsleute mitnehmen, sodann werden sich ihnen in Philippopel diejenigen derselben anschließen, die sich noch dort befinden, und Alle zusammen werden bis zu ihrem Reiseziel einen Zug bilden. Diese erste Earavane ist glücklich an ihrem Bestimmungsorte angekommen; alle diese armen Leute, denen H. Daniel Veneziani vorangeeilt war, um ihnen eine gute Aufnahme zu sichern, waren beglückt über die Art, wie sie ausgenommen worden siud. In einer späteren Mittheilung meldet H. Veneziani, daß er von Stunde zu Stunde Telegramme erhielt, daß der Eintritt der Flüchtlinge in ihre Häuser sich fortwährend unter den besten Bedingungen vollzieht. Sobald er alle die befördert haben wird, welche in ihre früheren Wohnorte zurückkehren oder an neuen sich niederlassen wollen, wird er sich selbst auf die Reise begeben, um die verschiedenen Centre» der Repatriirung zu inspiciren. Die Repatriirung vollzieht sich mit Ruhe; nur in Earlova entstand bei Rückkehr der von H. Veneziani geführten Flüchtlinge ein Auslaus, in Folge dessen die Israeliten die Stadt nicht betreten konnten. H. Em. Fel. Veneziani und sein Bruder H. Daniel Veneziani setzen ihre edle und unermüdliche Thätigkeit zu Gunsten der so lange von ihrem häuslichen Heerd entfernten Glaubensgenossen fort; H. Daniel Veneziani begleitete dicstlben selbst nach Earlova; in einen: an die Zeitung von Philippopel, Mariza