Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1879)
- Date
- 1879-02-26
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Dritte Beilage;u Ar. 9 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Der Verein zur Unterstützung mittelloser isr. Studirender in Wien unterstützte vor Jahren einen Studirenden der Medicin mit 10 fl. Dieser etablirte sich in Newyork als Arzt und überschickte dieser Tage dem Verein 25 fl. mit dem Anerbieten, diese Summe jährlich zu senden. Es wäre zu wünschen, daß dieses Beispiel bei denen Nachahmung finde, die durch die Unterstützung des Vereins sich eine Existenz gründeten, da der Verein bei den jetzigen schlechten Zeitverhältnissen, welche viele Gesuche um Unterstützung Hervorrufen, dringend Beiträge bedarf. Pesth. Der oberste ungarische Gerichtshof hat neuerdings den Beschluß gefaßt, daß jüdische Trauungen, welche nicht gesetzlich vorgenommen wurden, auch dann leine Geltung haben, wenn dem jüdischen Gesetze entsprochen worden. (W. Isr.) Pesth. Die Pesther orthodoxe Gemeinde hat Herrn Rabbiner Sofer zu Munkacz einstimmig zu ihrem Rabbiner erwählt. Rumänien. Bukarest. 7. Febr. Der Senat und die Kammer haben sich gestern in den Sectionen mit der Vorlage zur Abänderung des Artikels 7 der Verfassung beschäftigt. Im Senate hielt der Minister des Aeußern, Herr Campineanu, eine überaus klare Rede, in welcher er die Nothwendigkeit der Emancipation der Juden — möge man dieselbe für wünschenswerth halten oder nicht — auseinandersetzte. Herr Campineanu führte an, daß sowohl die geographische Lage wie die politische Situation Rumäniens derartig sei, daß das Land sich in steter Bedrohung durch seinen übermächtigen russischen Nachbar befinde, welcher nur allzu großes Begehren nach rumänischem Territorium an den Tag lege und gleichzeitig große Lust zeige, seinen ausschließlichen Einfluß nach jeder Richtung in Rumänien zur Geltung zu bringen. In dieser Bedrohung und vor dieser Gefahr könne sich Rumänien nur durch die Gerechtigkeit, die Macht j und den Schutz der westlichen Staaten Europas retten, zu welchen die Bewohner des Landes sich außerdem durch Abstammung, Sitten, Bildung und staatliche Einrichtungen hingezogen fühlen. Die Rumänen müßten sich deßhalb die Sympathien der Bevölkerungen wie der Regierungen der westeuropäischen Staaten zu erwerben oder zu erhalten trachten, und dazu sei die politische Gleichstellung aller Religionsbekenntnisse unbedingt erforderlich, denn dieselbe werde von den Gesinnungen und Empfindungen der aufgeklärten und unterrichteten Classen Europas gebieterisch gefordert. Die Rumänen selbst aber schleppten in ihrem gneickennungs-- würdigen Streben nach Fortschritt, Kultur und Wissenschaft die NichtgleichberechtiguHg der Culte in ihrem Lande wie eine schwere, mit Centnerv belastete Kette nach, welcher sie sich so rasch als möglich entledigen müßten. Die Auseinandersetzungen Campiueanu's verfehlten ihren Eindruck im Senate nicht. Frankreich. Paris. Das junge isr. Mädchen, von dem wir berichtet, daß eS ohne Wissen seiner Mutter getauft worden, ist seit einigen Tagen in dem isr. Asyle zu Neuilly untergebracht, und ist nunmehr zu hoffen, daß es, dem Einfluß seiner Verführer entzogen, bald wieder zu seiner angestammten Religion zurückkehren wird. (Arch. iSr) Amerika. Toledo (Ohio). Auch unsere große Republic hat jetzt ihren Mortara-Fall, welcher aber aller Wahrscheinlichkeit nicht so endigen wird, wie der vor Jahren. Der Missionär I. Cooper Price dahier wußte ein noch nicht 10 Jahre altes iSr. Mädchen ohne Wissen der dahier wohnenden Eltern in seine Netze zu fangen; er brachte eS in sein Haus, taufte es, und hielt es gewaltsam in seinem Hause. Als der jüdische Prediger der hiesigen Gemeinde dagegen bei dem Missionär rcmonstrirte. gab ihm der saubere Seelenjäger zur Antwort, daß das, was er für das Mädchen gethan, nur zu dessen diesseitigem und jenseitigem Wohl geschehen sei. Die Sache ist den Gerichten übergeben, und unterliegt es keinem Zweifel, daß der Seelenräuber seinen Raub wieder herausgeben muß. (The Hebrew.)