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Der Israelit · 1878-11-20 · Heft 47 (20.11.1878) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 47 (20.11.1878)
Date
1878-11-20
Page
– (sequence 22)
Language
German
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if* 1172 Aufruf! Bereits vor einiger Zeit erhielten wir den „Aufruf" des unten Unterzeichneten UnterstützungS- Comitö'S mit der Bitte, denselben bekannt zu machen und für die Verunglückten Sammlungen zu veranstalten. Wir wollten nicht lästig fallen und hielten ihn einstweilen zurück. Die wiederholten Aufforderungen find jedoch so dringend, die Schilderungen der Nothlage so ergreifend, daß wir der Aufforderung Folge zu geben nicht länger unterlassen können. In dem betreffenden Aufrufe heißt es: Ein schwerer Schicksalsschlag hat unser freundliches Städtchen getroffen. Wo bisher frisches, freudiges, hoffnungsreiches Leben sich entfaltete, starren jetzt Trümmerhaufen. Mehr als zwei Drittheile IakobstadtS sind in wenigen Stunden von rasender Feuersbrunst in Schutt und Asche verwandelt worden. Bon etwa 6000 Einwohnern IakobstadtS sind — soweit sich das Unglück überschauen läßt — 4000 ihrer Habe, ihres Obdachs, ihres Arbeitsgeräthes beraubt. Die Noth ist grenzenlos. ES fehlt an Häusern die Unglücklichen unterzubringen, an Mitteln sie zu bekleiden, ja selbst an Nahrung ihren Hunger zu stillen. Die Hilfsbereitschaft Derer, die das Feuer verschont hat. reicht weitaus nicht hin, auch nur einem Theile der Noth zn steuern. Sie haben die Möglichkeit nicht, aus eigenen Mitteln zu helfen, nur das Mitgefühl Anderer vermögen sie für die Schwerbetroffenen anzurufen und die gebotene Hilfe zu organisiren, die eingegaugenen Liebesgaben zweckmäßig zu vertheilen, die Hilfeleistungen dorthin zu lenken, wo sie am meisten noth thun. Zu diesem Zwecke hat sich auf Anregung des Herrn Gouverneurs, der persönlich auf der Brandstätte erschienen war, Hierselbst ein Comitä gebildet. Dieses hier Unterzeichnete Comito wendet sich nun — erschüttert durch das Leid, dessen Zeuge es ist, doch unfähig allein zu helfen — an alle Menschenfreunde mit der dringenden Bitte, sein Wirken zu unterstützen und die Noth lindern zu helfen u. s. w. u. s. w. Unterzeichnet ist der Aufruf: Das Counts zur Unterstützung der Abgebrannten in Jakobstadt (bei Riga). Oberhauptmann C. Baron Mirbach, Präsident. Heinrich Heintz. O. Baron Behr, Kreutzburg. Graf Th Medem jr.. Stockmannshof. Pastor V. Lundberg, Buschhof. Rabb. MargoliS. Kaufmann I. Thalro)e. Kaufmann Abraham Notkin. Kirchenvormund Kahrkling. Kaufmann Chaim Borde. Mitbürger! Eine Dejntfche Stadt ist es, die so schwer heimgesucht worden ist und die Euer Mitleid anflehen, find Deutsche Brüder, welche jederzeit in Noth und Mißgeschick ihre Stammesverwandtschaft documentirt haben, wie sie noch jüngst Sammlungen für die Verunglückten des „Großen Kurfürst" veranstaltet haben. Mitbürger! Laßt uns den Unglücklichen um so mehr beistehen, als die Sammlungen in ihrer Heimath des jüngstverflossenen Krieges und anderer Mißverhältnisse wegen einen kaum nennenSwerthen Ertrag ergeben haben. Die Gaben sind zu richten an den Unterzeichneten, welcher für Quittung, Veröffentlichung und Beförderung der Gaben Sorge tragen wird. Im Namen des Unterstützungs ComitöS: I)r. ltüir, Rabbiner. Glaubensbrüder! An Euch wende ich mich noch besonders. Leider sind mehr als zwei Drittheile der Verunglückten Juden, die bei dem Brandunglück auch ihre zwei großen Gotteshäuser verloren haben. Damit ist jedoch das Unglück nicht erschöpft. Auch noch andere Städte hat das gleiche Schicksal betroffen. Ferner ist ein großer Theil der jüd. Stadt Szat, Gouvernement Kowno, niedergebrannt. Mehr als 100 Häuser mit allen Läden und Lägern und gleichzeitig auch ihre Synagoge und Beth-Hamidrasch sind von den Flammen verzehrt worden. Am schlimmsten haben die Flammenoje dch in dem fast nur von Juden bewohnten Städtchen Podselwi nahe bei Wilkomir gewüthet. Fast das ganze Städtchen, 130 Häuser, darunter drei Gotteshäuser, sind niedergebrannt. Nur etwa noch 30 Häuser, schreibt der dortige Rabbiner Juda L i fisch ütz, stehen da wie die Leichensteine auf den Gräbern unseres Besitzes und unseres Glückes. Glaubensbrüder! Was Abbrennen heißt in einem Lande, wo nichts versichert ist und nichts versichert werden kann, wo auf Unterstützung besonders in gegenwärtiger Zeit gar nicht zu rechnen, ist leicht zu ermessen. Euch, Ihr Cultus- und Gemeindebeamten, Euch, Ihr Volks - und glaubenstreuen Männer, bitte ich, Sammlungen zu vera - stalten. Mag doch ein Jeder geben so viel oder so wenig er will. Jeder Pfennig ist hier in Wahrheit eine rettende That. Euer und seines Volkes wahrer und ewiger Freund 3126) Dr. liiill. fCüi religiöser Lehrling, mit guter Handschrift, wird gesucht. Offerte: Elias Wolf AbeleS, Frankfurt a. M., Agentur- und Commissions- Geschäft. [[3234

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