Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1878)
- Date
- 1878-11-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XIX. Jahrgang. des Israelit. Zweite Leilage M Ar. 46 Zeitungsnachrichten nn- Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Wie bereits in diesen Blättern berichtet wurde, hat der Gemeindebnnd zu Leipzig sich der Aufgabe unterzogen, betreffs vollständiger Rücksichtnahme auf die jüdischen Schüler am Sabbat und an Festtagen bei den zuständigen Behörden vorstellig zu werden. So sehr dieses Vorhaben aus allseitige Anerkennung Anspruch hat, so müssen wir wiederholen, daß der Weg, den der Gemeindebund zur Regelung dieser hochwichtigen Angelegenheit einschlägt, ein verfehlter ist. Der Bund appellirt nämlich an die Unterstützung aller hierbei Betheiligten und versende! überallhin Fragebogen, aus deren Beantwortung er das Material zu einer Coüectiveingabe schöpfen will. Es läßt sich nicht leugnen , daß die vorgelegten Fragen eine genaue Orientirung über alle diese Angelegenheit betreffenden Punkte zum Zwecke haben, wir halten indeß, wie gesagt, diesen Weg für viel zu umständlich und nicht schnell genug zum Ziele führend. Irren wir nicht, ging die Anregung hierzu von Berlin aus, weil hier in der Thal die Schuldirection und Lehrer yrehr als irgendwo anders rücksichtslos gegen die gerechten und billigen Forderungen jüdischer Schüler handeln. Besonders hat sich auf dem Gebiete derartiger Rücksichtslosigkeit der Director des Sophiengymnasiums hterselbst einen mindestens sehr zweifelhaften Ruhm erworben, ein Mann, der mit der ihm eigenen Energie systematisch den jüdischen Schülern die Lust an der Heilighaltung des Sabbats und der Festtage zu benehmen sucht. Und wenn nun von einem solchen tactlosen Benehmen wiederholt Fälle in jüdischen Blättern verzeichnet wurden und wenn wir beispielsweise auch heute noch berichten können, daß der Herr Director trotz dringendster Vorstellungen seitens betheiligter Eltern in der von ihm geleiteten Prima die Extemporalien auf kein-n andern Tag verlegen will, als auf den Sonnabend und bei dem Abiturier ten- Examen Semester für Semester alle erdenkliche Anstrengungen macht, um jüdische Abiturienten zur Entweihung des Sabbats zu zwingen, wenn also solch eclatante Beispiele höchster Intoleranz vorliegen; so bieten diese doch wohl, meinten wir. Handhabe genug, um gegen derartiges Benehmen zuständigcnorts zu protesiiren und nicht bloß momentane' Abhilfe derartiger Mißstänve, sondern sogar sichere Garantie dafür zu verlangen, daß solcher Gewissenszwang sich nicht wiederholen kann. Wir glauben, daß bereits ein Ministerlalrescript vom Jahre 1859 diese Angelegenheit zu ordnen versucht. Da wir uns jedoch keinen Emblick in diese Verfügung haben verschaffen können, so haben wir auch keine Gewißheit über den Inhalt derselben, ob nur Dispens vom Schreiben oder auch völlige Befreiung vom Schulbesuch zugestanden wird. Jedenfalls setzt eine solche Verordnung eine Rücksichtnahme aus die von dieser Erlaubniß Gebrauch machenden Schüler und Schülerinnen voraus. Irren wir aber und es besteht kein solches Gesetz; nun denn, so haben wir das Recht, das unbestreitbare Recht, ein solches entschieden zu verlangen, selbst wenn auch nur eine verschwindende Minorität vom Segen desselben betroffen werden. Allein wir müssen unser Recht auch verlangen; die Regierung selbst, so liberal und tolerant sie auch sein mag, hat keine Veranlassung, uns dasselbe anzubieten, wenn wir indifferent ihm gegenüber uns verhalten. Dabei ist jedoch zu b denken, daß Ende Januar bereits die Vorarbeiten zu den Abiturientenprüfungen und die Bersetzungsprobearbeiten beginnen und nicht viel später auch die Lectionspläne für's nächste Semester entworfen werden. Und wenn die Angelegenheit nicht beschleunigt wird, dann vergeht ein Semester nach dem andern, wo unsere sonst glaubenstreue erzogene Jugend — denn nur um diese handelt es sich — den größten Verlegenheiten ausgesetzt ist. Sollen aber erst statistische Aufnahmen erfolgen und zu diesem Zwecke Versammlungen und Berathungen abgehalt°n werden, so wird die Sache nicht gefördert, sondern unnütz verzögert. Wir halten es demnach für das einfachste Mittel, um schleunigst und nicht minder sicher zum Ziele zu kommen, daß der Gemeindebund selbst an der Hand geringer« Materials sich an die Regierung und vielleicht ein hiesiger Vertreter dieser heiligen Angelegenheit sich an die Stadtverordneten - Versammlung beschwerbeführend wendet mit der eindringlichen und n chdrücklichen Bitte, endlich einmal den vielen bekümmerten Herzen jüdischer Eltern Beruhigung über diese wichtige