Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1878)
- Date
- 1878-07-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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700 Ereignissen die alten Vorurtyeile hinweggeschwemmt vnd die Menschenrechte in einem großen Theile Der Welt zur Anerkennung gebracht haben; dem ist allerdings so; allein ältere Leser unsrer Zeitschrift werden sich erinnern, daß wir vor circa 10 Jahren in diesen Blättern eine ausführliche Geschichte der Emancipation der Juden in Frankreich gegeben haben. Dort war ausgeführt, daß diese Emancipation nicht so ohne weiteres proclamirt wurde; es waren innerhalb der in Paris tagenden gesetzgeberischen Versammlungen viele Vorurteile zu überwinden, bis der große Geist und Die mächtige Persönlichkeit Mirabeau's diesen ^Diumph der Humanität feiern konnte; und es ist Der Geist des damals schon verstorbenen Lessing, Nr uns aus den betreffenden Sa-riften und Re» m Mirabeau's entgegenleuchtet. Lessing wurde im Jahre 1729 geboren und starb im Jahre 1781. Während seiner Lebenszeit waren die Zustände der Völker höchst beklagenswerth. Mit Ausnahme von England herrschte in ganz Europa der erasseste Absolutismus. Große «nd kleine Tyrannen unterdrückten und beraubten Das Volk; große und kleine Kriege vernichteten Den Wohlstand; nebst den Fürsten thaten Adel und Geistliche das Ihrige, um dem dritten Stande — Bürgern, Bauern und Arbeitern (Leibeigenen) — das Leben zu verbittern. In Deutschland war *£ schlimmer als in den meisten andern Ländern Europas. Die schrecklichen Religionskriege, namentlich der dreißigjährige Krieg, hatten Deutschland in unsagbarer Weise zerrüttet, hatten Cultur, Literatur. Kunst und Gewerbe fast vernichtet. Die schöne deutsche Sprache war ungelenk und roh geworden, mit Tausenden von Fremdwörtern vermischt. Die Gelehrten sprachen und schrieben lateinisch, die Gebildeten französisch. Da trat Les- ,sing auf als Regenerator. Die Meisterwerke, die er geschaffen, sind heute noch mustergiltig für Styl »nd Dicnon. Er war es, welcher der deutschen '/Sprache die edle Gestaltung gab, in welcher dann Göthe und Schiller die deutsche Literatur zur Höchsten Blüthe erhoben. Mehr aber noch, unendlich mehr hat Lessing für den Geist der Humanität gewirkt und geleistet, und es war eine sichtliche Fügung der göttlichen Vorsehung, daß ein /hochgebildeter, edler Jude — Moses Mendelssohn — zu Lessings intimsten Freunden zählte. Dadurch ist es Lessing möglich geworden, sich über seine Leit zu erheben, dieser Zeit um ein Jahrhundert vorauszueilen und seinen „Nathan" zu dichten. Wir sagen, „um ein Jahrhundert vorauszueilen;" denn noch heute sind die erhabenen Ideen des „Nathan" nicht allgemein geworden; noch heute möchte man in gar vielen Kreisen dem Juden die Menschenrechte verweigern. Wenn wir von den „erhabenen Ideen" d« Nathan sprechen, so möge man uns nicht mißverstehen; unsere geehrten Leser wissen, daß die Anschauung, die in der Fabel von den drei Ringen zum Ausdruck gelangt, nicht die eines wahrhaften Juden sein kann. Aber auch Lessing selbst gibt sie nicht als solche, sondern nur als den Ausweg eines klugen Mannes, der vor dem muhameoanischen Herrscher nicht reden zu dürfen meint, wie ihm's um's Herz ist „Ich muß Behutsam geh'n! — und wie? wie das? — So ganz .Stockjude sein zu wollen, — geht schon nicht. — Und ganz und gar nicht Jude, geht noch minder, Denn, wenn kein Jude, burfer mich nur fragen, Warum kein Muselmann? — Das war's! Das kann Mich retten! — Nicht die Kinder bloS speist man Mit Mährchen ab. Er kommt. Er komme nur! (Fortsetzung folgt.) Air Segnungen des Friedens. .CihuyB'ös ppinoD oy innz) nn® innsn Die Augen der gesummten Welt diesseitsnund jenseits des Oceans sind gegenwärtig auf die Berathungen gerichtet, die unter den Vertretern der Großmächte in der. deutschen Metropole geMMxn werden, und man erwartet von dort mit gespchMter Sehnsucht die weltbewegende Kunde, daß dem männermordenden Kriegsgewühl durch eins« dgil.erndeu und segensreichen Frieden ein Ziel geseM/jei. UnD die politischen Tagesblätter wissen die» char^ rendt Menge in ihrem unersättlichen Frilkvens^rst kaum zu befriedigen und eine'sensationelle Nachricht über hochpolitische Aeußerungen der Mußen im Rathe drängt die Andern, bis aus dem Chaos wild durcheinanderstürmender Kunden das Machtwort erschallewird: EsMr.df. Frieden. Und unter der Zähl dieses Friedensapostel erregt b:im deutschen Publikum der britische Premier durch seine die MgtlMMirey. rttsfUMisch jüdiscbe Liberalität und Hochherzigkeit allgemeines Aufsehen und man weiß sich von ihm manche von echtem Zartgefühl und Edelsinn zeugenden Charakttrzüge zu erzählen. Aber ob die Heilsverkünder der Wilhelmsstraße mit dem Propheten rufen wer-! den: 2iipvi pirr6 Dito oito, Friede, Ftiede, dem Fernen wie dem Nahen! Ob Vas erlösende Wort sich der bedrückenden und beengenden Fesseln ent- I schlagen wird, in die es seit Jahrtausenden Eng-