Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1878)
- Date
- 1878-06-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. Zweite Leilage;u Ur. 24 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenren. Deutschland. Mainz, 9. Juni. Das abscheuliche Verbrechen, welches am 2. Juni das Leben unsres allverehrten Kaisers bedrohte, hat überall die Herzen mit Abscheu erfüllt. Am verflossenen Schabuoth- Feste wurden in den meisten deutschen Synagogen Dankfeierlichkeiten für die glückliche Errettung und bereits eingetretene Genesung des geliebten Monarchen veranstaltet. Möge der allgütige Gott das theure Leben des greisen Helden auf dem Throne unsres Vaterlandes noch recht lange erhalten. ftvanffutt a. M. Dem vierten Jahresbericht der isr. Waisenanstalt zu Frankfurt a. M. entnehmen wir: Auch in dem nunmehr abgelaufenen vierten Jahr ihres Bestehens hat die isr. Waisenanstalt, innerhalb der durch die Statuten wie durch die ihr zu Gebote stehenden Mittel vorgezeichneten Grenzen, eine Thätigkett entwickelt, auf welche sie im Gefühl des innigsten Dankes für die schützende göttliche Gnade mit Befriedigung zurückschauen darf. Sie hat sich des Wohlwollens einer ansehnlichen Zahl unsrer hiesigen Glaubensgenossen und damit zugleich des Beweises zu erfreuen gehabt, daß ihre Zwecke einer einsichtsvollen und theilnehmenden Würdigung begegnen. Daß die glücklichen Ereignisse des Lebens in den Guten das Bestreben wachrufen, sich der verliehenen Freude durch Wohlthun würdig zu erweisen, daß andererseits da, wo das Leid und die Trauer sich einstellen, das edle Herz in der Bethätigung des Mitgefühls für Andere einen aufrichtenden Trost findet, dafür legen nicht wenige der hochherzigen Spenden, welche wir dankbar zu verzeichnen haben, ein beredtes und ehrendes Zeugniß ab. Unser innigster Dank gebührt in vollstem Maße auch allen den Freunden unsrer Anstalt, welche dieselbe durch ihre regelmäßigen Beiträge in der würdigen Erfüllung ihrer Aufgabe unterstützten. Sind doch diese regelmäßig wiederkehrenden Zuwendungen für die Anstalt um so wichtiger, als bei dem dermaligen Stand der Dinge unser junges Institut nicht gleich mancher anderen dem gleichen Zwecke dienenden Anstalt über die Erträgnisse eines größeren Kapitalfonds zur Bestreitung seiner laufenden Ausgaben ver- | fügen kann. In diesem Sinne gewinnt auch der geringste hinzukommende Jahresbeitrag eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die gedeihliche Fortexistenz des Instituts und kann daher nur freudig dankend begrüßt werden. Die Wohlthaten der Anstalt wurden in dem abgelaufenen Jahre 15 Knaben zu Theil, von welchen der älteste im 15., der jüngste im 7. Lebensjahre steht. Sie werden in Bezug auf die Heranbildung für den späteren Beruf gleichmäßig gefördert und lohnen — wie wir zu unsrer Freude berichten dürfen — die auf ihre Erziehung verwandten Opfer und Mühen durch gesittetes Betragen und eifriges Streben, sich die Zufriedenheit ihrer Lehrer und Vorgesetzten zu erwerbe^. Einige von ihnen berechtigen auch durch ihre Fähigkeiten zu recht schönen Hoffnungen in Bezug auf die Erreichung ihres Bildungszieles und ihre zukünftige Lebensstellung. Der Gesundheitszustand in der Anstalt war auch im abgelaufenen Jahre im Ganzen recht beftiedigend. Die Einnahme betrugen 28065 M. Die Ausgaben 13391 M. Frankfurt *. M- Die hiesige isr. Gemeinde hat vor einiger Zeit zwei Männer verloren, die es wohl verdient haben, daß ihrem Angedenken ein Nachruf in diesen Blättern gewidmet werde. Der eine derselben,HerrJsaacHecht, war Vorstands-Mitglied der isr. Gemeinde. Einer der ältesten, isr. Familien Frankfurts entstammt, bewährte er die traditionelle Wohlthätigkeit dieser ruhmreichen Gemeinde wie wenige Andere; es gibt wohl keine der zahlreichen hiesigen milden Stiftungen, deren Zwecke Jsaae Hecht nicht gefördert hätte, sei es durch Mithilfe in der Verwaltung, sei es durch Verwendung der eigenen Mittel, mit denen der Allgütige ihn reich gesegnet hatte. Sein Ableben verursachte hier bei Allen, welcher religiösen Richtung sie auch angehören, allgemeine Trauer. —* Der andere Ehrenmann, den wir verloren haben, wird bei vielen ältern Lesern des „Israelit" noch in gutem Andenken stehen; es ist Herr Abraham Tendlau, von welchem die früheren Jahrgänge des „Israelit" so manche schöne Beiträge veröffentlichten. Tendlau war aus Wiesbaden gebürtig, und lebte und wirkte als Lehrer und Schriftsteller fast ein halbes Jahrhundert in unsrer Stadt. Von seinen Werken sind