Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1878)
- Date
- 1878-02-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XIX. Jahrgang. Zweite Anlage zu Ar. 8 des Israelit. Leitende» Artikel. Literarischer Bericht. Sermons et Allocutions adresses ä la jeunesee israelite par Zadoc Kahn, Grand- Rabbin de Paris. — Paris. L. Blum. Rue des rosiers. 11. — 1878. Dieser kleine Band, Reden und Ansprachen enthaltend, ist, wie der Verfasser in der Vorrede sagt, der Jugend gewidmet. Die fünf ersten Reden dieser Sammlung wurden gelegentlich der religiösen Einweihung (Confirmation) gehalten. Diese Ceremonie, fahrt der Verfasser fort, obwohl neuen Ursprungs, hat in unserem Cultus Wurzel gefaßt; sie bildet eine der glücklichsten Neuerungen unserer Zeit. Sie hat außer den ihr vorangehenden gründlichen Prüfungen, welche eine ziemlich lange Vorbereitung erfordern, noch das Verdienst, daß sie die empfängliche Seele der Kinder lebhaft anspricht. Wir, und nicht nur wir, sondern auch viele Andere, können dieser Ansicht nicht das Wort reden. Die Institution der Confirmation ist christlichen Ursprungs und steht selbst bei christlichen Denkern in nicht sehr hohem Ansehen. Aus den vielen Stimmen, die sich von christlicher Seite in diesem Sinne aussprechen, mag hier nur eine angeführt werden. Nimayer (Grundsätze der Erziehung Bd. I. S. 161) sagt hierüber unter Anderem: „Was soll diese feierliche Bekanntmachung wirken? . . . . Wer/Jünglinge betrachtet bat, weiß von welcher kurzer Dauer die noch so kunstvoll veranstalteten Eindrücke sind. — Je länger man mit ihnen umgeht, desto mehr überzeugt man sich von der geringen Wirkung alles Felerlichen. Eine einzige heftige Leidenschaft, oder ein einziges lustiges Gespräch ihrer Gespielen, wird durch fremde Gedanken Gott zu verdrängen im Stande sein. Weit mehr läßt sich noch immer von einer frühern Gewöhnung an diesen Gedanken erwarten." Und eine solche von erleuchteten Christen, verurtheilte christliche Institution nehmen Juden tiicht nur nicht an, sondern bezeichnen sie als eine der glücklichsten Neuerungen unserer Zeit! Wie unglücklich müssen da die anderen Neuerungen sein, wenn diese eine der glücklichsten ist! Es würde den Rahmen eines literarischen Berichts überschreiten, wollten wir hier allen Be-! denken Ausdruck geben, die sich dieser Nachahmung j einer specifisch christlichen Sitte entgegenstellkn. — Daher nur nachfolgende Bemerkung: Vor einem halben Jahrhundert, als das Reformjadenthum noch in Kinderschuhen steckte, und das Bedürfniß fühlte, seine destruktiven Tendenzen mit positiven Schöpfungen zu verbrämen, konnte man sich und andere bereden wollen, durch die Confirmation werde die Zukunft des Judenthums gerettet. Der unbefangene Beobachter wußte schon damals, was sich auch heute der befangenste nicht mehr verhehlen kann, wenn er das Judenthum Revue passiren läßt, was die Confirmanden und Confirmirenden jeden Tag drastischer an den Tag legen. Vor 40 Jahren konnte der Nestor der deutschen Kanzelredner noch glauben, dem Zeitgeiste durch Veröffentlichung von Confirmationsreden eine Concession machen zu müssen, aber schon vor 40 Jahren hat derselbe gezeigt, wie man Confirmationspredigten herausgeben könne, ohne die Confirmation zu verhimmeln. „So sehr mir nun auch die ganze Sache der Confirmation als etwas Unjüdisches erschien und noch erscheint, schreibt Rabb iSalomon Pleßner '"j im Vorwort zu seinen „Confirmationsreden für die israelitische Jugend," und ich ohne Bedenken, wenn sie in Israel heute aufgehoben, dafür aber der Jugend ein gründlicher hebräischer Sprach- und Religionsunterricht ertheilt werden soll, der erste sein würde, der mit Freude dies unterschriebe; konnte ich doch nicht umhin, die bestehende Sitte (?) einstweilen zu nehmen. wie sie ist, und es zu versuchen, eine möglichst natürliche israelitische Handhabung derselben auf die Bahn zu bringen. Wenn ich aber das wollte, so blieb mir nichts übrig, als eben Confirmationsreden herauszugeben; es möge dies Unternehmen an mir als Gegner des Zeitgeistes, für noch so unangemessen beurtheilt werden. Wer einen Ertrunkenen retten will, muß selbst ihm in den Abgrund nachspringen.-Schon haben Menschen, die das Judenthum weder kennen, noch kennen mögen, sich und den sogenannten aufgeklärten Eltern und Gästen gleichen Sinnes zu gefallen, das unschuldige Kind für Geld verkauft — dermaßen die Wahrheit verdreht, und ein solches Unding für jüdische Religion gelehrt, daß man bei aller Abneigung gegen diese Handlung der neueren jüdischen (christlichen?) Confirmation, sich dennoch des Einschreitens mit besseren Grund-