Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1877)
- Date
- 1877-11-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Zweitr Lrilage zu Nr. 45 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Rumänien. AuS Gttlatz wird berichtet, daß Hr. Moritz Brociner, ein jüngerer Bruder des rühmlichst bekannten Hrn. I. B. Brociner, als Freiwilliger mit dem rumänischen Heer auf den bulgarischen Kriegsschauplatz abmaschirt, in den blutigen Schlachttagen vom 7.—11. September vor Plewna thätigen Avtheil nahm und durch persönlichen Muth und Tapferkeit sich derart auszeichnete, daß er sofort zum Lieutenant befördert und mit dem russischen GeorgS-Orden decorirt wurde. Wohl die erste Ehre und Auszeichnung, die einem Juden in Rumänien zu Theil wurde. Leider aber hat dieser jugendliche Held diese Ehre theuer bezahlt; eine schwere Wunde am. linken Fuße hat ihn kampfunfähig gemacht, und befindet sich derselbe bereits im Schooße seiner Familie, allwo er die sorgfältigste Pflege genießt. (Lemb. Jsr.) Amerika. Rew-Np*lk. Bor Richter Westbroo wurde dieser Tage in New-Aork eine Ehesache verhandelt, welche zwischen dem Babel an der Seine und dem am Hudson spielt und in Treubruch, Kinderraub, Wahnsinn und Meineid alle Stoffe zu einem Schauerromane enthält. Julie Gabriele Bandervelde, Israel. Glaubens aus der deutschen Familie Oppenheim, heirathete im Jahre 1860 in Paris wider den Willen ihrer verwittweten Mutter den Viktor Antoine Bandervelde katholischer Confession, welcher keine Beschäftigung besaß und sich später als einen charakterlosen Menschen entpuppte. Nach sechsjähriger Ehe, in der er ihr durch seinen Leichtsinn vielen Kummer verursacht hatte, verschwand er im Jahre 1866 gänzlich, und sie hörte Nichts von ihm, bis er 1872, in Lumpen gehüllt, zurückkehrte. Sie kleidete ihn von Kopf bis zu Fuß neu ein und versah ihn auch (allerdings ein Fehler) reichlich mit Geld. Er vergalt ihre Herzensgüte durch den schwärzesten Undank. Eines Tages packte er ihre Kostbarkeiten zusammen und verschwand mit ihren drei Kindern aus Paris. Die unglückliche Mutter irrte acht Tage und Nächte lang in den Straßen, Parken und der Umgegend von Paris umher, um nach ihren Kindern zu suchen. Als sich Dies als vergeblich herausstellte, umnachtete Wahnsinn ihren Geist. Sie wurde in das Irrenhaus nach Charenton gebracht, wo sie 15 Monate verweilte. Als geheilt entlassen, erhielt sie eine Anstellung im Postdienste. Nun trat sie mit den französischen Consuln in allen Theilen der Welt in Briefwechsel, um auf die Spur ihrer Kinder zu kommen. Ihre Bemühungen wurden endlich von Erfolg gekrönt; sie erfuhr auf diesem Wege, daß ihr ungetreuer Gatte in New- Aork mit einer Person von schlechtem Rufe zusammenlebe und die Kinder im protestantischen Waisenhause untergebracht seien, weil er fälschlich geschworen habe, daß deren Mutter bereits längst verstorben. Nunmehr kam Frau Bandervelde nach New-Dork und klagte in 1876 auf Ehescheidung und Ueberweisung der Kinder. Der Verklagte erhob keine Einwände, und die Sache wurde zum Referate verwiesen. Der Referent sprach sich zu Gunsten der Klägerin aus, aber ein Erkenntniß wurde nicht abgegeben, da ihr Anwalt es unterließ, den betreffenden Antrag zu stellen, weil Klägerin unvermögend war, ihm zu dem erhaltenen Honorar von 50 L.-St. noch weitere 50 L.-St. zu zahlen. Um sich weitere Mittel zu verschaffen, ist die arme Mutter jetzt nach Frankreich zurückgekehrt, wo sie reiche Verwandte hat. Der Verklagte hat diesen Umstand benutzt, um seine Entbindung von der Instanz zu beantragen. Die Angelegenheit ist vorläufig auf drei Monate vertagt worden. Kehrt die Klägerin nicht vor Ablauf derselben zurück, so wird wohl ihr grausamer, treuloser, liederlicher und meineidiger Gatte triumphiren. Natürlich kann ein Rechtsstreit nicht iu der Luft hängen bleiben, unbegreiflich ist es aber» wie das Gesetz eines Staates den Rechtsspruch von der Zahlung der Advokatengebühreu abhängig machen kann. Das heißt in der That, das Recht zu einem Privilegium des Reichen machen.