Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1877)
- Date
- 1877-10-31
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XYIII. Jahrgang. Zweite Beilage;u Nr. 44 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frunikfurt a. M. Dem Magistrat ging die Mittheilung zu, daß, zur ehrenden Erinnerung an Herrn Isaak L. Königswarter und an dessen Gattin Lisette Königswarter geb. Lieben, deren Erben eine Wohlthätigskeits-Stiftung unter dem Namen „Stiftung der Familie Königswarter" gegründet haben, zu deren Fundirung sie das an der schönen Aussicht und der Langenstraße gelegene Königswarter'sche Familienhaus widmen. Die Erträgnisse dieses Hauses sind dazu bestimmt, ehrbaren Familien, welche unverschuldet in Noth gerathen sind, durch Zuwendung eines angemessenen Beitrags die Ermiethung bezw. Weiterbenützung einer anständigen Wohnung zu ermöglichen. Der Magistrat, welcher diese Mittheilung freudig entgegennahm, erklärte sich mit den in den Statuten den städtischen Behörden bei Verwaltung der Stiftung zugedachten Funktionen einverstanden und ersuchte die Stadtverordneten - Versammlung ein Gleiches zu thun. Mühlhausen (Elsaß). (Ungern verspätet.) Am 2. Elul starb im Alter von 78 Jahren Herr- Samuel Meyer. Der Verstorbene, -ein wahrhaft frommer Mann, beschäftigte sich sein ganzes Leben hindurch mit dem Studium in der h. rrnn, und obgleich er sehr schwach war, war er doch stets eifrig bemüht, die h. Gebote auf das Pünktlichste zu erfüllen. Seine Gelehrsamkeit und sein frommes Wesen verschafften ihm auch die höchste Achtung aller Glaubensgenossen in hiesiger Stadt und der weiten Umgegend. Dies bezeugte auch das große Leichenbegängniß, zu dem mehrere Rabbiner herbeigeeilt waren, welche am Grabe ihre tiefe Trauer um den Verstorbenen in beredten Worten Ausdruck gaben. Rußland. Warschau, 18. Sept. Seit 2—3 Wochen lief hier in Warschau das Gerücht um, es werde eine Niedermetzlung der Juden in der Jomkippur- Nacht vorbereitet. Einige sprachen von Mord, Andere von Plünderung. Woher die Panik entstanden sei, kann, wie das bei solchen Dingen gewöhnlich geht, Niemand angeben, einige Trunkenbolde und pöbelhafte Menschen hatten Drohungen ausgestoßen, wollten bei Juden Waaren halb umsonst kaufen, „weil ihr doch nicht länger am Leben bleibt" — man wollte Vorräthe von Mordwerkzeugen und sonstige Spuren eines Complotts gefunden haben u. m. Wer die Frechheit so vieler polnischer „Baschi-Bozuks" kennt, wer sich der vor 6 Jahren in Odessa vorgekommenen Excesse gegen Juden erinnert, der wird es begreifen-, daß unter einem großen Theile der hiesigen jüdischen Einwohner Angst und Schrecken herrschten. Man nehme noch hinzu, daß, theilweisein Folge der jetzigen Gesetze, welche für Raub und Diebstahl einen vollen Zeugenbeweis verlangen, die Verbrechen gegen das Eigenthvm an der Tagesordnung sind und mit größter Frechheit geübt werden, und das Hetzen der Zeitungen, von denen viele jetzt in Händen von Nachkommen ehemaliger „Frankiften" sind, die um zu zeigen, daß sie schon wahre Christen sind, fortwährend die Juden angreifen, wie JasinSki, Szymanowski, Jelinski. Wiederum dachten viele Juden an Vertheidigung, um nicht in mittelalterlicher Weise sich wehrlös abschlachten zu lassen Es war indessen unnöthig, denn Regierung und Polizei haben sich ruhmwürdig benommen und gethan, was einem civilisirten Staate gebührt. Mehr als 2-4 Stunden war jedes Beihaus, deren es hier mehr wie 150 gibt, von Polizeioffizianten auf der Straße besetzt, obwohl es die ganze Zeit regnete, und hohe Polizeibeamten besuchten persönlich die Bethäuser und erinnerten die Juden höflich, sich nicht stören zu lassen, sondern ihre Gebete ohne Kürzung, wie üblich zu verrichten. Alles dieses geschah unter persönlicher Oberaufsicht des Generals und Ober-Polizeimeisters Wlasow. So soll die Behörde in ganz Polen verfahren haben, denn das Gerücht war nicht in Warschau allein verbreitet, sondern in der Provinz auf dem Lande noch schrecklicher. (Jsr. Wchschr.)