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Der Israelit · 1877-08-08 · Heft 32 (8.8.1877) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 32 (8.8.1877)
Date
1877-08-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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768 J> i f f t t u f! Verzeihung, theure, im Wohlthun unermüdliche Glaubensgenossen! Ein Unglück sondergleichen nur konnte uns veranlassen, schon wieder mit einem Hilferuf vor Sie hinzutreten. Soeben erhalten wir von dem weitberühmten, hochehrenwerthen Oberrabbiner R. Jizchak Elchanan Spector aus der Gouvernementsstadt Kowno in Rußland ein Schreiben, welches in deutscher Uebersetzung lautet*): „Die große nahegelegene Stadt Wilkomir ist gänzlich abgebrannt. — Mehr als tausend Häuser mit allem Hab' und Gut, mit allen Läden und Lagern, mit zwölf.Synagogen und Lehrhäusern — mmo — mit großen Massen kostbarer Bücher find allesammt innerhalb eines Zeitraumes von vier Stunden rest- und rettungslos ein Raub der Flammen geworden. Etwa sechstausendGlaub ensgen osse n der fast ganz von Juden bewohnten Stadt lagern und kauern nackt und hilflos, hungernd und frierend unter freiem Himmel. Soweit unsere Erfahrung reicht, ist ein solch' furchtbares Brandunglück weder gehört noch gesehen worden, wie das Unglück dieser am Mittwoch den 12/7. Rosch-Chodesch Menachem-Av abgebrannten Stadt. Die Zahl der mitverunglückten Menschenleben ist noch nicht festgestellt. Selbst die Reichen dieser Stadt sind nackt und blos, wie am Tage der Geburt und schwach und hilflos, wie am Tage des Todes, denn eine Versicherung gegen Feuerschaden ist in Rußland ja kaum möglich; Brot und Kleider, welche hier und in benachbarten Städten gesammelten wurden, sind nicht einmal für einen Tag zureichend. Ich habe keine Kraft im Körper, keinen Muth im Herzen, — kein Wort auf den Lippen, das schwere Mißgeschick darzustellen, welches diese sechstausend Menschen niederdrückt. Mitleid, Schonung. Erbarmen, Ihr Brüder. in Rath und Beistand, in Mühe und Milde! Eilet die gegenwärtige Roth zu lindern und der zukünftigen vorzubeugen. Dank und Segen von sechstausend geretteten Menschenleben werden Euch dafür lohnen. Sie flehen zu Euch in Ihrer Roth und ich mit ihnen, der ich mit thränendem Auge mich zeichne, Jizchak Elchanan, Rabbiner zu Kowno." Der Brief des wackern Mannes iji an die Unterzeichneten gerichtet, welche sofort zu einem *) Ein gleiches Schreiben ist der Redaction des »Israelis zugekommen und in dem Annoncentheil von Nr. 30 veröffentlicht. Wir erklären uns wiederholt bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und an das Comite nach Memel zu senden. (Expedition des Israelit.) Hülfscomitv zusammengetreten und übereingekommen sind, daß die Cassensührung der Mitunterzeichnete, Herr Elias Behr übernehme. Auf jede an diesen, wie auch an sonst einen der Mitunterzeichneten gerichtete Gabe erfolgt eine Empfangsbestätigung. Die Veröffentlichung der Gaben in Listen von je hundert Sendungen erfolgt in mehreren jüdischen Zeitschriften. Memel, am Tagens-ipn na 133* rva mtr „da ganz Israel den Brand beweint, den Gott erfacht hat, 18./7. 77. Das Memeler Hilfscomitö für die Abgebrannten der Stadt Wilkomir: I-i». Rillf, Rabb. u. Prediger. S. At Wohlgemuth, Rabb. Elias Behe, Vorst, d. Syn.- Gemeinde. Rubin Schloß. Während das Vorstehende geschrieben wurde, erhielt der Unterzeichnete folgendes Telegramm: Soeben zurückgekommen. In Wilkomir ist das Unglück unbeschreiblich groß. 2000 Familien, 12 Bethäuser gänzlich abgebrannt. Menschen ohne Obdach und Brot. Bitten um Hilfe. Rabb. MoseS Schapiro. Wir fordern einen jeden auf, der es vermag, besonders aber die Herren Cultusbeamten, wo sie sich auch zur Zeit befinden mögen, zu Hause oder auf Reisen, bezw. in den Bädern, für diesen Zweck Sammlungen zu veranstalten. Der Unterzeichnete hat die Absicht, sich selbst an Ort und Stelle zu begeben, von dem Brandunglück Einsicht zu nehmen und die Vertheilung zu organisiren. Memel, 18/7. 77. vr. Rülf. Heiraths- Gesuch. in junger Wittwer (Israelit), von angenehmem Aeußern, ausgezeichnet gut situirter Kaufmann, in einer der größten Städte Rheinlands wohnend, mit prachtvoll eigenemBesitzthum, wünscht sich mit einer Dame, auch jungen kinderlosen Wittwe. von angenehmem Aeußern und einem disponiblen Vermögen von mindestens 15,0< 0 bis 20,000 Thalern iii mheirchtk. Gefällige Offerten mit Photographie bittet man unter 8. 3875 an die Annoncen - Expedition von Rudolf Mosse in Frankfurt «. JEf. zu richten. Anonyme Offerten und Vermittler verbeten. DiScretion selbstverständlich. [3006

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