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Der Israelit · 1877-04-25 · Heft 17 (25.4.1877) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 17 (25.4.1877)
Date
1877-04-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVIII. Jahrgang. Zweite Leitage zu Nr. 17 -es Israetit. Zeitungsnachrichten & Korrespondenzen. Deutschland. Straß vnrg. Nach dem den „Delegirten von Elsaß-Lothringen vorgelegten Budget ist pro 1878 für den isr. Cultus 142,800 Mark, 160 Mark mehr als im Vorjahr stipulirt. Der Sitzungsbericht der Delegirten enthält folgende die Israeliten interessirende Stellen: Rabbinat. Herr Goguel. Ich bitte die Regierung ihre Aufmerksamkeit auf das Studium der Rabbiner zu richten. Die Schule zu Metz exiftirt nicht mehr; die jungen Leute, die diesen Beruf ergreifen, können nicht mehr im Lande selbst ausgebildet werden. Auch hat sich die Zahl der Studirenden der isr. Theologie sehr vermindert, und es ist zu befürchten, daß es dem isr. Cultus an Geistlichen fehlen wird. Es sind zwar für solche Leute, die in Deutschland studiren wollen, Stipendien vorhanden, aber das ist nicht genügend, um als Ersatz einer Schule im Lande zu dienen. Es wäre daher wünschenswerth, eine Schule für isr. Theologie in Elsaß selbst zu gründen. Normalschulen. Nach den Erklärungen der Herren Regierungscommissäre scheint es, daß die Zahl der isr. Zöglinge beständig im Abnehmen begriffen ist, und daß zu befürchten ist, daß schon nach kurzer Zeit nicht mehr darauf zu rechnen ist. daß eine genügende Anzahl Kandidaten vorhanden sei, um die in den isr. Schulen vacant werdenden Stellen zu besetzen. Schulbesuch. Ihre Commission ist auf eine Thatsache aufmerksam gemacht worden, die sich in einer unserer Realschulen ereignet hat und welche von ihr in Betracht gezogen zu werden verdient. Mehrere isr. Schüler wurden von dieser Schule ausgeschlossen, weil ihre Religion ihnen verbietet, am Sabbat zu fahren und sie darum dem Unterrichte an diesem Tage nicht mitanwohnen konnten. Ihre Commission wagt zu hoffen, daß Sie sich ihr anschließen werden, die Schulverwaltung einzuladen, die Strenge des Reglements in thunlichfter Weise zu erleichtern und die geeigneten Mittel aufzusuchen, wie die Schulpflichten mit denen der Gewissensfreiheit vereinigt werden können. (Arch. isr.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. „Schew. Ach." wird von hier geschrieben: Baron Albert v. Rothschild hatte am ersten Tage des Peßachfestes eine n^o nnu, zu der auch sein Schwiegervater, Herr Baron Alphons V. Rothschild aus Paris gekommen war. An der nach der stattgehabten Beschneidung veranstalteten Mahlzeit nahmen die höchsten Spitzen der Wiener Gesellschaft Theil, auch die Herren Prediger Dr. Jeüinek, Rabbiner Dr. Güdemann und Oberkantor Sulzer waren erschienen. Die drei letzteren Herren sollen sehr überrascht gewesen sein, als auf Anregung des Baron Alphons v. Rothschild die Weisung erthetlt worden, daß Alles bei Tische bedeckten Hauptes sitze, sich nach jüdisch-ritueller Vorschrift vor dem Speisen wasche, damit man nach der Vollendung der Mahlzeit ordnungsgemäß benschen könne. Dieses prononcirt jüdische Verhalten des Pariser Rothschild soll auf unsere „Tempel-Herren" überaus verstimmend gewirkt haben; denn daß auch in der Brust des Pariser Rothschild dieser jüdische Geist fortlebt, davon hatten sich diese Leute nichts träumen lassen. Die Verlegenheit dieser Leute sollte noch größer werden. Baron Alphons hatte in Begleitung seines Schwiegersohnes den Gottesdienst des Tempels in der Seitenstättergasse besucht. Nach Beendigung desselben drückte er den Vorstehern und dem Rabbiner Dr. Güdemann sein Mißfallen über den in diesem Tempel eingeführten Gottesdienst aus. In diesen Tempel, sagte er unter Anderm, möchte ich nie wieder gehen; würde ich in Wien wohnen, würde ich ihn nicht besuchen. Entweder ist man Jude oder nicht; allein solche Halbheiten sind doch lächerlich; oder schämt Ihr Euch etwa, Jude zu sein? Der Vorstand sammt Rabbiner waren über diesen Tadel aus dem Munde eines Rothschild ganz betroffen und wollten sich mit dem Zeitverlust entschuldigen. Darauf erwiederte der Baron: Was Zeitverlust! Wer keine Zeit hat, vor Gott zu erscheinen, der bleibe eben wo er will. Mit diesen Worten verließ der Baron den Tempel. Der Vorfall macht in hiesigen Reformkreisen peinliches Aufsehen.*) *) Anm. der Red.: In Nr. 16 der „Neuzeit" wird obige Mitteilung in alleu ihren Theilen dementirt. Wir überlassen selbstverständlich die Verantwortlichkeit über die Richtigkeit des Artikels dem obenbezeichneten Blatte.

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