Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1877)
- Date
- 1877-01-03
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Zweite Geitatzk zu Nr. 1 des Israelit. Heilvngsnachrichten und Korrespondenzen. D e u r s ch l a n d. Guilingen, 24. Dez. — In unserer Gemeinde fand am jüngsten .“Dun r\2w ein so seltene Feier statt, daß sie wohl werth ist, durch Ihr gesch. Blatt der Oeffentlichkeit mitgetheilt zu werden. Die Feier galt nämlich dem 200jährigen Bestehen der hl. Bruderschaft «•'an. Dieses hohe Alter ist das beredteste Zeugniß von der Lebensfähigkeit eines Vereins, der zu einer Zeit gegründet wurde, wo die „Gründungen" noch auf solidester Grundlage ruhten. So erhebend demnach das Bewußtsein ist, einem so altehrwürdigen Vereine anzugehörcn, dessen Hauptbcstreben dahin geht, seinen Mitgliedern in Krankheits- und Todesfällen eine Stütze zu sein, so erhebend war auch dieses 200jährige Jubilüumsfest. Durch das Festcomito wurde Alles bestens vorbereitet und u. A. die Prägung einer größer» Silbermünze besorgt, welche zur bleibenden Erinnerung mit entsprechender Inschrift versehen, unter die Mitglieder vertheilt wurde. Am Festtage selbst wurde zunächst die Feier durch die Predigt des Bczirksrabbiners Dr. Löwenstein würdig eingeleitet. Der Redner sprach von der Bedeutung des Chanukahfestes und schilderte die verschiedenen Tempelweihen aus der Geschichte Israels, wie ihre Bedeutung für die jeweilige Zeit. Seit der letzten Tempclweihe, die unserm Chanukahfeste zu Grunde liegt, so ungefähr fuhr der Redner fort, beten wir, daß der Ewige bald jene Zeit bringen möge, wo wir die Weihe eines Tempels begehen, dessen Wiederaufbau das Ziel unserer Hoffnungen ist. Bis dahin, wo die eigentliche moy der Opferdienst wieder unter uns heimisch wird, ist es unsere jüd. Aufgabe, für die beiden andern Grundpfeiler des Judenthums, für nun und Dnon zu wirken und thätig sein. Jenes ist das specifisch Jüdische, dieses das Jüdisch-Menschliche, deren Pflege unsere höchste und heiligste Verpflichtung ist. Dieses ri": ist es. das den Gründern des Vereins, der heute sein 200jähriges Bestehen feiert, als wichtiger Bestandtheil des jüd. Gemeindelebeos erschien. Redner schilderte dann, den Zweck des Vereins und dessen bisherige Leistungen, ermahnte die Mitglieder, anlebnend an einen Ausspruch des Talmud (Sota J4.a), ihren hl. Obliegenheiten auch fernerhin nach Kräften sich hinzugeben und erflehte für sie schließlich den himmlichen Segen. — Die feierlich ernste Stimmung, in welche die Zuhörer durch die Worte des Redners versetzt wurden, wich am Nachmittag einer heitern Stimmung bei dem Festmahle, das die Vereinsmitglieder-in froher Gesellschaft vereinigte. Das Mahl', dem auf Einladung der Rabbiner, der Synagogenrath und die Lehrer anwohnten, verlief unter finnigen und launigen Reden, Vorträgen und Gesängen auf die schönste Weise. Es wurde toastirt auf das Gedeihen des Vereins, auf dessen Gründer, auf die auswärtigen Mitglieder, Ehrenmitglieder und Festgäste, auf das Festcomite, auf die Einigkeit im Verein und in der Gemeinde überhaupt. Der Dank, welcher den beiden Vereinsvorständen, den Herren Vorsteher M. F Moos und Henri Weil, für ihre 20jährige uneigennützige wackern Amtsführung gezollt wurde, endete mit einem kräftigen „Hoch" auf dieselben und mit Uebereichung eines passenden Ehrengeschenks. Auch auf das Wohl der anwesenden 2 ältesten Mitglieder, die nun 60 Jahre dem Verein angehören. wurde ein Glas geleert. Als dann, wie im geistigen Zusammenhang dieses Weihefestes mit dem Chanukahfeste, in fröhlichster Stimmung aus dem Munde der Festgenossen, unter Solobegleitung unseres wackeren Vorgängers Lißberger, das ns nyn erscholl, da herrschte die gemüthlichste Stimmung. Erst die späte Nacht trennte die Festtbeilnehmer und ließ in Allen das Bewußtsein zurück, einen schönen Tag, eine nnc& mso btcr gefeiert zu haben, die den Mitgliedern des Vereins in dauernder Erinnerung bleiben wird. Damit aber für Mit- und Nachwelt auch ein bleibender Werth aus dem Feste hervorgehe, wurde beschlossen, daß für die Zukunft jährlich ein Theil der aus dem Vereinsfonde fließenden Zinsen als Stipendium an unbemittelte Jünglinge aus der hiesigen Gemeinde verabreicht werde, die sich dem Studium oder einem Handwerke widmen. Aus Mecklenburg. Jeder in der deutschen Literatur Bewanderte kennt den genialen Platt- Deutsch-Dichter unseres Landes. Fritz Reuter.' Nicht Jeder aber weiß, daß er das mecklenburoische Städtchen T. zur Zielscheibe ferner drolligen Witze gemacht und gegen dasselbe einen großen Theil seiner spitzen humoristischen Pfeile abgeschossen hat. Denn T. ist den Mecklenburgern ungefähr das, was Schilda den übrigen Deutschen ist. Schade aber, daß dieser Dichter nicht noch in unserer Zeit lebt, er hätte gewiß auch folgendes Ereigniß zum Gegenstand seines beißenden Witzes gemacht.