Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1876)
- Date
- 1876-09-27
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. Dritte Anlage;u Ur. 39 & 40 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Frankreich. In Wefthoffen (Elsaß), wurde vor Kurzem die neu restaurirte Synagoge (die Herstellungskosten betrugen 50,000 Fr.) unter den üblichen Gebräuchen eingeweiht. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pefth. Während des kurzen Aufenthaltes des Kaisers von Oesterreich in Hermannstadt erschien vor demselben eine Deputation der sogen. „Sabbathianer", die vor wenigen Jahren mit ihren Frauen und Kindern zum Judenthum übergetreten sind. Die Ursache, weßhalb diese eine besondere Deputation an den Kaiser entsendet, ist der von uns schon wiederholt erwähnte Erlaß des Kultusministers Trefort, welcher selbst einen in Wien erfolgten Uebertritt vom Christenthume zum Judenthume als ungesetzlich erklärte. Die Sabbathianer sind nicht in Wien zum Judenthume übergetreten, sondern ließen sich vielmehr in ihr Dorf einen kommen, der selbst an greisen Männern von 70 und 81 Jahren die Beschneidung vorgenommen. Da bei uns ein Religionsfreiheits-Gesetz noch nicht existirt, konnte dies natürlich nur im Geheimen geschehen. Sie fürchten nun den erwähnten Erlaß des Kultusministers, nach dessen Sinne ihr Uebertritt zum Judenthum ungesetzlich ist. Der Anführer der Deputation richtete an den Kaiser folgende Ansprache: „Seitdem Ew. Majestät die Regierung unserer Monarchie übernommen, ist der größte Druck, der nur denkbar ist, nämlich der Druck des Gewissens, geschwunden. Unter der Regierung Ew. Majestät wird ein Gewissens- oder Religionszwang nicht geduldet. In der österr. Reichshälfte bildet ja die Religionsfreiheit ein unumstößliches Staatsgrundgesetz. Wir waren früher „Sabbathianer", wir hielten nämlich seit Jahrhunderten den jüdischen Sabattag, mit einem Worte: Wir waren „geheime Juden", wie es solche vor Jahrhunderten in Spanien gegeben, und besuchten wir nur aus Furcht hie und da eine Kirche. Es war nicht für uns, sondern für den Staat eine Schmach, daß in demselben noch geheime Juden existirten, die es nicht wagten, mit ihrer wirklichen Religion öffentlich hervorzutreten. Bor mehreren Jahren ist in Oesterreich die Religionsfreiheit zum Staatsgrundgesetz erhoben worden. Auf dieses gestützt, nahmen wir unseren Uebertritt zum Judenthum vor, dem wir seit Jahrhunderten mit Leib und Seele angehörten. Se. Excellenz der Herr Kultusminister erklärte jedoch jeden Uebertritt zum Judenthum als ungesetzlich, obwohl für uns in Siebenbürgen bisher das österr. Gesetzbuch maßgebend war. Wir bitten daher in dieser Beziehung um die väterliche Gnade Ew. Majestät, da es für uns ein Unglück wäre, als ungesetzliche Juden zu gelten." Der Kaiser erwiederte hierauf: „Sie dürfen sich meines Schutzes sicher halten. Ich werde auf constitutionellem Wege veranlassen, daß Sie die gesetzliche Anerkennung erhallen. Den Glauben, dem Sie bisher im Geheimen angehörten, können Sie nunmehr öffentlich bekennen. ' Es wird Ihnen hiefür nichts geschehen; denn wer seinem Glauben treu bleibt, ist auch ein treuer Bürger seinem Vaterlande und ein treuer Unterthane der Krone." (Pesth. j. Zeit.) Amerika. Cineinrratt. Kürzlich ist in diesem Blatte, lediglich der Curiosität halber, von einem gewissen Rosevaley-Rosenthal die Rede gewesen, der nach allerlei dunkeln Ehrenthaten Juden-Mifsionar geworden. Ein Hr. S. Schlesinger zu Mobile, gebürtig aus Laupheim, gibt jetzt im Amer. Jsraelite weitere Notizen über den Mordechai Max Rosenthal, der in Laupheim als ehrlicher Leute Kind geboren, schon als Knabe Diebstalente entwickelte. Er kam zu einem Tuchweber in die Lehre, stahl auch da, beging in Hanau (?) einen größeren Diebstahl und kam ins Zuchthaus. Er entwich auf unbekannte Weise und gelangte nach Amerika. Während des Krieges diente er auf beiden Seiten als Spion, wäre in Mobile beinahe gehängt worden, kam aber noch glücklich davon und tauchte dann in Washington und New-Iork wieder auf. — Es werden von anderen Correspopdenten des „Amer. Jsr." noch andere ähnliche Dinge über Rosevalley berichtet, Zuchthausthaten und Zuchthaussitzen — für unsere Leser ohne Interesse; oben Mitgetheiltes ist für die Leser in der Heimath des Vielgenannten bestimmt. (Jsr. Wchschrft.)