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Der Israelit · 1876-03-08 · Heft 10 (8.3.1876) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 10 (8.3.1876)
Date
1876-03-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVII. Jahrgang. Zweite Beilage;u Nr. 10 des Israelit. Leitender Artikel. Professor Moritz Oppenheim.*) Von W. St. Die kurhessische Industriestadt Hanau ist Oppenheim's Heimath, sein Geburtsjahr das erste dieses Jahrhunderts. Hanau hatte zur Zeit eine noch heute in kleinen Resten fortlebende „Akademie"; der stolze Name war indeß nur das Prädikat einer Zeichnenschule, die den Zöglingen der Goldarbeiterkunst Anleitung gab, dann aber auch von vielen Schulknabcn besucht wurde. So kam auch Moritz Oppenheim dahin, che sein Vater, ein isr. Kaufmann, an eine Berufswahl für ihn dachte. Man ließ von Seiten seiner Familie die Elemeutarversuche des Knaben unbeachtet, nur der Lehrer merkte sehr bald, daß in ihm ein Talent stecke, zu schade für das Comptoirpult oder die Goldschmiede- Werkstatt. Es mag nicht leicht gewesen sein, den Vater, der in bescheidenen Verhältnissen auf eine nutzbringende Erziehung seiner Kinder bedacht sein mußte, von dem Erfolge einer Künstler - Karriere zu überzeugen. Neigung und Beruf zur bildenden Kunst sind und waren bei den Angehörigen der jüdischen Confession selten. Während die dramatische Kunst, vor allen die Musik, glänzende Talente aufweist, hat jene sehr wenig Vertreter mosaischen Glaubens. Der Lehrer nun zeichnete den jungen Oppenheim auf alle Weise aus, gab ihm die schönsten Vorlagen und übertrug ihm sogar den Unterricht, wenn er selbst verhindert war; damit war die Nutzanwendung angebahnt, der Weg der Praxis betreten und die ersten, wenn auch bescheidenen materiellen Erfolge begannen. Im achtzehnten Jahre waren alle Vorürtheile überwunden und, der Fesseln ledig, kam der Kunstjünger nach München. Im Jahre 1818 war Bayerns jetzt so prachtstolze Hauptstadt noch in ihren alten engen Mauern, patriarchalisch regiert vom guten Maxl und noch nicht theilhaftig ihres Ruhmes auf dem Gebiete der Kunst, nicht einmal auf dem des *! 'Xus der „ TibaSfalia". Bieres. Cornelius lebte noch in Rom, und die alte Kunstschule, unter Langels Leitung, fristete ihr Dasein in einem pedantischen Schlendrian. In vorda Magistri mußten die Zöglinge schwören, selbständiges Schaffen war streng verpönt, und als Oppenheim sich herausnahm, ohne Borwiffen des Lehrers einen Carton zu zeichnen, wurde er mit den Donnerworten: „wollen Sie es besser wissen, als ich?" in seine Schranken gewiesen. Er durchbrach sie hinterher dennoch; als die beiden ersten Studienjahre durchkämpft waren, ging er auf neun Monate nach Paris, wo Reignault sein Lehrer wurde, und dann nach Rom. * Aber auch die beiden Welthauptstädte waren zu jener Zeit noch nicht die Heimstätten der echten Kunst geworden. In Rom herrschte ein starres Nazarenerthum in der Malerei vor und der isr. Künstler wurde seiner Confession wegen geflissentlich hintangesetzt. Auf sich selbst angewiesen, beschloß er. seinen eigenen Weg zu gehen, und das führte zum Glück Wir müssen das erzählen. Die Academie San Luca hatte ein Preisausschreiben erlassen, unter den Bewerbern befand sich Oppenheim mit einer Composition „Rückkehr des jungen Tobias." Um nun festzustellen, ob die Aspiranten wirklich eigene Arbeiten dargebracht, mußten sie, je einzeln eingeschlossen, binnen zwei Stunden eine aufgegebene Zeichnung machen, und Oppenheim lieferte eine vorzüglich gelungene Zeichnung. Bei der Prüfung sahen die Italiener aber, daß die beste Composition von einem Juden herrühre, und nun wurde die 8uerkennung der Prämie verweigert. Da trat aus der Mitte der Preisrichter ein Ausländer hervor und verlangte, daß nun überhaupt gar keine Prämie gegeben werden solle; die Italiener beugten sich sämmtlich der Autorität des Fremden, denn es war kein Geringerer , als Barthel Thorwaldsen, der große dänische Meister. Und von Stund' an nahm er den hintangesetzten jungen Israeliten in Schutz und Oppenheim's „Rückkehr des jungen Tobias," in seinem Aufträge ausgeführt, hat jetzt einen Ehrenplatz im Thorwaldsen-Museum zu Kopenhagen. Gegen Ende 1825 verließ unser Künstler Italien und nahm seinen Wohnsitz in Frankfurt a. M. Das war die Zeit, in welcher sein berühmter Glaubensgenosse Löb Baruch, genannt Ludwig Börne, in der Vaterstadt die Zeitschrift „Waage" herausgab, in deren Theaterkritiken er

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